Fake News-Schriftzug auf einem Smartphone
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Tschechien Her mit der Wahrheit!

Seit Beginn des Jahres kämpft Tschechien aktiv gegen Fakenews im Netz. 20 Mitarbeiter des Innenministeriums sollen in einem sogenannten "Abwehrzentrum" Falschmeldungen in sozialen Netzwerken aufdecken, kennzeichnen und entkräften. Das allerdings findet nicht nur Zustimmung.

Fake News-Schriftzug auf einem Smartphone
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Im Probebetrieb hatte das neue Abwehrzentrum gegen Terrorismus und Cybergefahren - kurz CTHH - schon zwei gefälschte Nachrichten entlarvt. Auf den Post eines Users: "Ich will keine Panik verbreiten, aber ich habe von jemandem, der direkt bei der Polizei arbeitet, die Info, dass die Angreifer aus Berlin, eine Zentrale hier in Prag haben" etwa twitterte man: "Die verbreitete Nachricht ist ein #hoax".

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Während einer Testphase im Dezember hat das Zentrum
Fakenews nach dem Attentat in Berlin identifiziert.
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Durch die geringe Anzahl an Followern bei Twitter wird diese Fakenews-Enttarnung wohl aber kaum etwas gebracht haben. Auch dem hehren Ziel, solche Fake-News so schnell wie möglich zu identifizieren, um eine Weiterverbreitung im Netz zu verhindern, konnte das Zentrum im Probebetrieb noch nicht nachkommen. Acht Stunden hatte die Identifizierung der falschen Nachricht im Netz gedauert. Seit dem 1. Januar arbeitet das Zentrum nun offiziell, bisher allerdings ohne dokumentierte Ergebnisse.

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Über Twitter will das CTHH aufklären. Bisher ist die Follower-Zahl aber überschaubar. Das Abwehrzentrum sitzt in Prag. Bildrechte: Twitter_CTHH

Die im Testbetrieb des Zentrums zweite enttarnte Fake-Meldung, die ein Gerücht über eine geplante Vergewaltigung durch muslimischen Migranten im Netz streute, sorgte allerdings für viele Diskussionen. Tschechiens Präsident Miloš Zeman äußerte sich danach kritisch zur Wahrheitsagentur: "Wir brauchen keine Zensur, keine Ideenpolizei, wir brauchen kein Amt für Presse und Information, solange wir in einem freien, demokratischen Staat leben wollen", so der Präsident in seiner Weihnachtsansprache.

Aufklärung statt Zensur

Zu den Zielen des Zentrums erklärte die Koordinatorin des CTHH, Eva Romancovová, in einem ARD-Interview: "Europa und die westliche Gesellschaft müssen in der Lage sein, ihren Lebensstil und ihre Werte zu verteidigen - gegen alle, die versuchen, diese Werte zu zerstören!" Von Zensur will deshalb auch niemand im Abwehrzentrum reden. Vielmehr wolle man sich bemühen, den Weg des Erklärens und Erläuterns zu gehen, heißt es in einem Interview mit dem tschechischen Rundfunks.

Älterer Mann sitzt neben einem Weihnachtsbaum
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Beobachtungen und Tests des tschechischen Innenministeriums sollen übrigens zeigen, dass Fakenews zur Radikalisierung führen könnten. Und die damit verbreitete Propaganda massiven Schaden im Land anrichtet. Vor allem die anstehende Parlamentswahl dürfe nicht durch Fehlinformationen im Netz gefährdet werden. Für diese Erkenntnisse hatte das tschechischen Innenministerium monatelang recherchiert und Sicherheitschecks vorgenommen. Auch Aussagen von Politikern und Politikerinnen will das Innenministerium nun dahingehend in Zukunft auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Internationale Maßnahmen gegen Verschwörungstheoretiker

Auch die linke ungarische Zeitung Nepszava glaubt an die Macht der Fakenews im Osten und schreibt: "Auch in Mittel-Osteuropa neigen die Menschen dazu, an Verschwörungstheorien und im Internet kursierende Fakenews zu glauben, daran, dass eine unsichtbare Macht ihrem Wohl und Glück im Wege steht." Diese Erkenntnis hat auch Ostdeutschland erreicht. Zusammen mit den Bundesländern Bayern und Hessen hat auch Sachsen-Anhalt ein schärferes Vorgehen gegen Falschmeldungen verlangt.

In Deutschland weist die Politik die Verantwortung zur Kontrolle und Richtigstellung von Falschmeldungen aber bisher an die sozialen Netzwerke. Ein Zusammenschluss international bekannter Medien allerdings will mit länderübergreifenen Rechecherchen Falschmeldungen im Netz widerlegen. Im Projekt aktiv sind auch die ARD und das ukrainische Projekt: Stopfake.org. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will das deutsche Innenministerium ebenfalls ein Zentrum gegen Desinformationskampagnen aufbauen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2017, 14:33 Uhr