KGB-Archiv in Moskau: Kurze Zeit der Offenheit

KGB in Moskau.
In einem Land, in dem mehr als siebzig Jahre lang jeder Papierschnipsel zur geheimen Verschlusssache erklärt worden war, bekam die Ankündigung, dass sich die Archive des allmächtigen Geheimdienstes KGB aufgrund eines Parlamentsbeschlusses 1991 öffnen werden, den Ruch einer Sensation. Denn in dem Archiv, genau gegenüber der Geheimdienstzentrale Lubjanka gelegen, ruhe, so mutmaßte die Zeitschrift „Moscow News“ damals nicht zu Unrecht, „wahrscheinlich die echte und bislang unbekannte Geschichte der UdSSR“. Bildrechte: IMAGO
KGB in Moskau.
In einem Land, in dem mehr als siebzig Jahre lang jeder Papierschnipsel zur geheimen Verschlusssache erklärt worden war, bekam die Ankündigung, dass sich die Archive des allmächtigen Geheimdienstes KGB aufgrund eines Parlamentsbeschlusses 1991 öffnen werden, den Ruch einer Sensation. Denn in dem Archiv, genau gegenüber der Geheimdienstzentrale Lubjanka gelegen, ruhe, so mutmaßte die Zeitschrift „Moscow News“ damals nicht zu Unrecht, „wahrscheinlich die echte und bislang unbekannte Geschichte der UdSSR“. Bildrechte: IMAGO
KGB-Material
Millionen und Abermillionen Akten – Gerichtsprotokolle, Geheimdossiers, Überwachungs- und Verhörprotokolle, historische Dokumente, Namen von Hingerichteten – lagern in dem gigantischen Archiv, einem vorbildlich restaurierten ehemaligen Adelspalais. Forscher, Journalisten und Schriftsteller hatten seit 1986, als Michael Gorbatschow Glasnost und Perestroika verkündet hatte, gelegentlich Zugang zu den Archiven gehabt. Ansonsten durfte jedoch kein Unbefugter das streng bewachte Akten-Palais betreten. Bildrechte: IMAGO
Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow (2.v.li., RUS/Ehemaliger Vorsitzender des russischen Geheimdienstes KGB) in Moskau
Nachdem russische Bürgerrechtler, KGB-Opfer und deren Angehörige unverhohlen Akteneinsicht forderten, kündigte KGB-Chef Wladimir Krjutschkow (2. v.l.) an, noch vor der Verabschiedung des Gesetzes sein Archiv zu öffnen. Und so geschah es auch. Vermutlich hatte der KGB mit seinem Entgegenkommen sein ramponiertes Image aufpolieren und Offenheit demonstrieren wollen. Bildrechte: IMAGO
KGB-Gefängnis in Moskau 1980
Im Oktober 1991 wurde in Russland das "Gesetz zur Rehabilitierung der Opfer politischer Verfolgung" erlassen. Es galt für Personen, die von sowjetischen Gerichten in der UdSSR oder der SBZ verurteilt und in Straflagern oder Gefängnissen des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) ihre Strafe hatten verbüßen müssen. Betroffene oder Angehörige konnten aufgrund dieses Gesetzes einen Antrag auf Rehabilitierung stellen. Verbunden war damit die Möglichkeit einer Einsicht der KGB-Akten. Bildrechte: IMAGO
Katyn Gedenkstätte
Mit der Öffnung der KGB-Archive kamen auch Dokumente zum Vorschein, die zweifelsfrei belegten, wer im Frühjahr 1940 etwa 4.500 polnischen Offiziere in einem Wald bei Katyn erschossen hatte. Nicht etwa die deutsche Wehrmacht, wie man in Moskau jahrzehntelang nicht müde wurde zu behaupten, sondern - die Rote Armee im Auftrag Josef Stalins. Alle KP-Chefs hatten die diesbezüglichen Dokumente gelesen. "Sie nahmen das Verbrechen zur Kenntnis, dann wurden die Dokumente wieder versiegelt", sagte Andrej Artisow, Leiter des russischen Archivdienstes. Bereits 1990 hatte Michail Gorbatschow zugegeben, dass die Morde von der Sowjetunion begangen worden waren und sich bei den Polen entschuldigt. Jetzt lagen die Beweise vor. Ein Jahr später kamen sie jedoch wieder unter Verschluss. Erst 2010 stellte Russland sämtliche Katyn-Akten ins Internet. (Zitat aus: Moskau stellt Akten zu Katyn-Massaker ins Internet, SPIEGEL ONLINE, 28.4.2010) Bildrechte: IMAGO
Die Zentrale des russischen Geheimdienstes FSB (davor KGB) am Lubjanka-Platz im Zentrum von Moskau.
Die ganz ungewöhnliche Offenheit des russischen Geheimdienstes währte freilich nicht lange. Nur ein Jahr nach der spektakulären Öffnung wurde das Archiv des mittlerweile aufgelösten KGB wieder verschlossen. Der Versuch eines "transparenten Geheimdienstes" blieb letztlich nur eine Episode. Bildrechte: IMAGO
Alle (6) Bilder anzeigen