Ein Mann sitzt auf einem Ledersofa
Lukasz Gadowski Bildrechte: Handelshochschule Leipzig

Lukasz Gadowski - polnisch-deutscher Selfmade-Millionär

Seine Eltern suchten in den Achtzigern ihr Glück und kehrten Prudnik in Südpolen den Rücken. In Deutschland wurde Sohn Lukasz Gadowski als Gründer und Investor zum Multimillionär.

Ein Mann sitzt auf einem Ledersofa
Lukasz Gadowski Bildrechte: Handelshochschule Leipzig

Seine erste Million verdiente er als Student im Keller der Leipziger Handelshochschule. Heute erzählt er Studenten, wie das geht. "Wer von euch investiert in Hubschrauber?", fragt Lukas Gadowski die etwa 200 Studenten im Auditorium der Handelshochschule. Bei der Start-up Konferenz "Accelerate" im April 2017 wissen alle, dass der Multimillionär sich problemlos einen solchen leisten könnte. Doch überraschenderweise meint Gadowski die Frage anders: Der Visionär fördert Unternehmen, die sich mit der Entwicklung von Ein-Mann-Hubschraubern beschäftigen. "Irgendwann wird vielleicht mal jeder so einen haben", sagt Gadowski. Er ist ein Mann, der in Masse denkt.

Spreadshirt als Sprungbrett

Während des Studiums gründete er sein erstes erfolgreiches Unternehmen, das ihm die ersten Millionen einbrachte. Spreadshirt war die erste Internetantwort auf die Nachfrage nach individuell zu bedruckenden Textilien. Investoren hat er in den Räumen der Hochschule empfangen und dort verhandelt. Auf 100.000 Millionen Euro sei der Umsatz innerhalb von 15 Jahren gestiegen, so Gadowski. Bis heute hat Spreadshirt seinen Sitz in Leipzig. Es ist nicht das einzige erfolgreiche Unternehmen des gebürtigen Polen: Auch bei Delivery Hero, Mister Spex oder Studi VZ, um nur einige zu nennen, war er beteiligt.

Wenn, dann richtig

Ein Mann mit Mikrofon
Lukasz Gadowski in der Hochschule HHL Leipzig Bildrechte: Bibiana Barth

Wenn Lukasz Gadowski erzählt, merkt man, wie weit er vorausdenkt. Das Internet ist nichts mehr für ihn, das war früher mal, so 2002. Heute langweile ihn das als Investor, meint der gebürtige Pole. Er investiert in Hubschrauber oder Pflegeroboter - alles was ihm gefällt, Hauptsache man kann viel Geld damit machen. "Der Aufwand, den ich betreibe um Brands for Friends zu gründen oder eine Pommes-Bude ist der gleiche", sagt er. Und daher denkt er lieber gleich in hohen Erträgen.

Polnische Wurzeln

Ein Stück liege das auch in seinen Wurzeln. Gerade ist er aus Breslau zurückgekommen, seiner eigentlichen Heimat in Polen. Seine Eltern zogen mit ihrem Sohn nach Deutschland als er 7 Jahre alt war. "Man kann sich das nicht vorstellen, aber in den Achtzigern war in Polen nichts", erklärt der 39-Jährige. Das Aufwachsen mit den zwei Kulturen hat seinen Blick auch als Gründer geprägt. "Als Immigrant musst du kreativ sein", sagt Gadowski. Seine deutschen Freunde bekamen immer Geschenke, zur Konfirmation zum Beispiel, er selbst konnte nur zusehen. Jetzt steht er vor den Studenten und trägt einen teuren Hermes Schal und muss selber etwas darüber lachen. Den habe ihm ein deutscher Freund geschenkt, so einen Schal würde er sich nie kaufen, witzelt er. Trotzdem ist er sich seines Wohlstands bewusst, zeigt den Studenten Bilder von seinem Aston Martin und scherzt, dass er auch viele andere teure Schlitten hat. Dass so etwas Wirtschafts-Studenten beeindruckt, weiß der Self-Made Millionär. 

Wie man erfolgreich wird

Trotzdem wirkt Lukasz Gadowski bescheiden und zurückhaltend. Kameras mag er nicht besonders und wünscht sich, dass das Interview vor der Kamera schnell vorbei ist. Wirklich redselig wird er, wenn er auf Polen angesprochen wird. Er mag die Sprache - und Breslau sei so ein bisschen wie Deutschland in den Neunzigern. Sein Rat an die HHL Studenten, die wissen wollen, wie man erfolgreich als Gründer wird: Dort hinschauen, wo sonst keiner hinschaut. Während sich alle auf selbstfahrende Autos fokussieren, sieht Lukasz Gadowski Ein-Mann Hubschrauber am Himmel fliegen. Schon nächstes Jahr will er mit einer Firma den ersten Prototypen auf den Markt bringen. 

Zur Person: Lukas Gadowski gehörte zu den ersten deutschen Internet-Gründern. Er startete 2002 – noch während seines Studiums an der Leipziger HHL – den Textil-Shop Spreadshirt und beteiligte sich als Gründungsinvestor am Studenten-Netzwerk StudiVZ. Einige Jahre später war er maßgeblich beteiligt an Startups wie Mister Spex, Lieferheld oder Hitfox auf den Weg. Aus seinem persönlichen Blog ging später das heutige Magazin Gründerszene hervor. Mittlerweile arbeitet Lukasz Gadowski hauptberuflich als Investor.

Über dieses Thema berichtet der MDR in "MDR um 4" 12. 04. 2016 | 16,00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2017, 09:28 Uhr