Nord Stream – die russisch-europäische Gasfreundschaft

Vor fünf Jahren ist eines der größten europäischen Infrastrukturprojekte ans Netz gegangen. Nord Stream, die Ostsee-Pipeline, ist technisch hochaufwendig aber auch politisch brisant – ein Überblick.

Mehrere Leute, darunter Bundeskanzlerin Merkel und Russlands Preier Medwdew, stehen vor einem großen Ventil mit Drehrad.
Am 8. November 2011 wurde der erste der beiden Stränge der Nord Stream-Pipeline von hochrangigen Politikern eröffnet. In Lubmin an der deutschen Ostseeküste drehten dafür der damalige französische Premierminister François Fillon, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Premierminister Mark Rutte, der Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedew, der EU-Energiekommissar Günther Oettinger und der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, den symbolischen Gashahn auf. Bildrechte: Nord Stream AG
Mehrere Leute, darunter Bundeskanzlerin Merkel und Russlands Preier Medwdew, stehen vor einem großen Ventil mit Drehrad.
Am 8. November 2011 wurde der erste der beiden Stränge der Nord Stream-Pipeline von hochrangigen Politikern eröffnet. In Lubmin an der deutschen Ostseeküste drehten dafür der damalige französische Premierminister François Fillon, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Premierminister Mark Rutte, der Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedew, der EU-Energiekommissar Günther Oettinger und der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, den symbolischen Gashahn auf. Bildrechte: Nord Stream AG
Karte von Europa. Eine gelbe Linie schlängelt sich von Russland rechts oben nach Deutschland links unten.
Nord Stream ist eine Pipeline, die russisches Gas direkt und ohne Zwischenstationen von Russland nach Westeuropa bringt. Zu den Betreibern gehört die russische Gazprom (51%), die BASF-Tochter Wintershall (15,5%), die PEG Infrastruktur AG (15,5%), N.V. Nederlandse Gasunie (9%) und die französische Engie (9%). Der Startpunkt ist die russische Stadt Wyborg an der finnischen Grenze. Endpunkt ist im deutschen Lubmin bei Greifswald. Von dort wird das russische Erdgas einerseits per Nordeuropäischer Erdgasleitung (NEL) weiter in die Niederlande sowie nach Belgien, Frankreich und Großbritannien transportiert, andererseits per Ostsee Pipeline Anbindungsleitung (OPAL) in die Tschechische Republik. Bildrechte: Nord Stream AG
Blick auf eine Küste. Vorne Bagger, im Wassert Bohrinseln.
Die technischen Parameter der Nord Stream Pipeline sind beeindruckend. Von der russischen bis zur deutschen Küste erstreckt sie sich auf einer Länge von 1.224 Kilometern und ist somit fast so lang wie der Rhein. Die beiden Stränge der Leitung haben eine jährliche Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Gas und können somit bis zu 26 Millionen Haushalte mit Energie versorgen. Die Kosten des Projekts betrugen 7,4 Milliarden Euro. Damit wurde Nord Stream zum bislang größten privatfinanzierten Infrastrukturprojekt Europas. Bildrechte: Nord Stream AG
Zwei Schiffe nebeneinander
Zur Verlegung der Leitungsrohre auf dem Meeresgrund bedurfte es des Einsatzes von Spezialschiffen, wie etwa der italienischen Castoro Sei. Auf diesem Rohrlegeschiff werden die 12 Meter langen Einzelrohre zunächst verschweißt und anschließend zu Boden gelassen. Bildrechte: Nord Stream AG
Mann läuft an riesigen, übereinander gestapelten Rohren entlang
Insgesamt 199.755 Einzelrohre (hier bei der Zwischenlagerung im schwedischen Hafen Slite, bevor sie zur Verlegung auf offener See transportiert werden) wurden für den Bau der Pipeline verwendet. Dabei wurden fast 2,5 Millionen Tonnen Stahl verwendet, so viel wie für 242 Eiffeltürme nötig wäre. Dazu bekommen die Rohre eine Betonummantelung, die ihr Gewicht auf 24 Tonnen das Stück anwachsen lässt.   Bildrechte: Nord Stream AG
Schinen am Meeresgrund
Die Verlegung der Rohre erfolgte pro Leitungsstrang in drei Sektionen, die nach Fertigstellung mit Hilfe eines ferngesteuerten Schweißroboters direkt auf dem Meeresboden miteinander verbunden wurden. Taucher überwachten dabei lediglich den Ablauf der Arbeiten. Die gelben Stabilisierungsballons an den Enden der Sektionen können jeweils eine Last von 20 Tonnen tragen.  Bildrechte: Nord Stream AG
Raffinerie mit vielen hohen Türmen und Rohrleitungen
Bevor das Gas jedoch auf die Reise über den Boden der Ostsee geschickt werden kann, muss es für den Transport vorbereitet werden. Dies geschieht in der Gasaufbereitungsanlage Portowaja in der Nähe der russischen Stadt Wyborg. Hier werden bestimmte Kondensate entfernt, die beim Transport entstehen können. Danach wird das Gas in der Kompressorstation auf den Transportdruck gebracht und in die Pipeline geleitet. Bildrechte: Nord Stream AG
Luftbild von einer Ölraffinerie
Auf deutscher Seite kommt das Gas in der Anlandestation der Lubminer Heide in der Nähe von Greifswald an. Hier wird es für den Weitertransport vorbereitet und in die NEL- sowie OPAL-Leitungen eingespeist. So gelangt das Erdgas in die europäischen Energienetze. Übrigens: Für den gesamten Weg vom Gasfeld im hohen russischen Norden bis zum europäischen Verbraucher braucht der Energieträger 12 Tage. Bildrechte: Nord Stream AG
Raum mit vielen PC-Bildschirmen
Das Kontrollzentrum der Pipeline befindet sich in Zug in der Schweiz. Von hier aus wird der Betrieb von Nord Stream überwacht und ferngesteuert. Dabei hält der Ingenieur im Kontrollraum ständigen Kontakt zur Absende- und Anlandestation, um einen reibungslosen Transport zu gewährleisten. In Zug befindet sich auch die Firmenzentrale der Nord Stream AG. Der Grund dafür liegt weniger in der Schönheit der  Landschaft als vielmehr in einem der geringsten Steuersätze weltweit, die ein Unternehmen in diesem Kanton zu zahlen hat.   Bildrechte: Nord Stream AG
Zwei Männer nebeneinander. Der linke ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder
Auch bei der Besetzung der Spitzenposten der Nord Stream AG hatte der Mehrheitseigner Gazprom stets ein "gutes Händchen" bewiesen. Am 9. Dezember 2005 hatte der Vorstandsvorsitzende des staatlichen russischen Gasriesens, Alexej Miller, bekannt gegeben, dass Gerhard Schröder den Vorsitz des Aktionärsausschusses von Nord Stream übernehmen soll. Erst drei Monate zuvor hatte dieser, da noch Regierungschef der Bundesrepublik, gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin das gemeinsame Abkommen zum Bau der Ostseepipeline unterzeichnet. Auch die Biografie von Matthias Warnig weist interessante Aspekte auf. In der DDR war er Hauptmann der Staatssicherheit und soll die Bundesrepublik unter anderem auch im Energiebereich ausspioniert haben. 1991, nach der Wiedervereinigung, ging er für die Dresdner Bank nach St. Petersburg, wo er Putin kennenlernte. Dieser war damals in der nördlichen Hauptstadt für die Außenbeziehungen zuständig. Warnig gilt bis heute als ein Vertrauter des russischen Präsidenten. Bildrechte: Nord Stream AG
Eine russische Gas-Pipeline
Und so sieht es dort aus, wo das russische Gas herkommt: Vom Juschno-Russkoje Erdöl- und Erdgasfeld. Hier sollen in einem Kilometer Tiefe über 1 Billion Kubikmeter Erdgas liegen. Bildrechte: IMAGO
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Mehrere Leute, darunter Bundeskanzlerin Merkel und Russlands Preier Medwdew, stehen vor einem großen Ventil mit Drehrad.
Am 8. November 2011 wurde der erste der beiden Stränge der Nord Stream-Pipeline von hochrangigen Politikern eröffnet. In Lubmin an der deutschen Ostseeküste drehten dafür der damalige französische Premierminister François Fillon, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Premierminister Mark Rutte, der Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedew, der EU-Energiekommissar Günther Oettinger und der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, den symbolischen Gashahn auf. Bildrechte: Nord Stream AG