Polnische Mütter gegen Kahlschlag beim Papst
Papst Franziskus nimmt am 7. Juni 2017 den Bericht polnischer Umweltschützer entgegen Bildrechte: Tomasz Wiech

"Mütter Polens gegen den Kahlschlag" bei Papst Franziskus

Polnische Mütter gegen Kahlschlag beim Papst
Papst Franziskus nimmt am 7. Juni 2017 den Bericht polnischer Umweltschützer entgegen Bildrechte: Tomasz Wiech

Fünf polnische Mütter haben am 7. Juni 2017 bei Papst Franziskus auf die Abholzungen im Nationalpark Bialowieza aufmerksam gemacht. Sie überreichten dem Oberhaupt der katholischen Kirche während der Generalaudienz einen Bericht über die Umweltprobleme in Polen. Der Bericht enthält Fotos, Zahlen und Fakten zu verschiedenen Aspekten der Umweltbelastung in Polen. Dazu gehören neben dem Holzeinschlag im Bialowieza-Urwald auch die anhaltende Luftverschmutzung in polnischen Städten und die Energieversorgung durch Kohle. An dem auch ins Italienische übersetzten Bericht wirkten mehrere Initiativen mit.

Papst soll bei polnischen Bischöfen für Umweltschutz werben

Polnische Mütter gegen Kahlschlag beim Papst
Die polnischen Aktivistinnen auf dem Petersplatz Bildrechte: Tomasz Wiech

Die "Mütter gegen Kahlschlag" hatten für ihre Mission nach Rom im Internet Spenden gesammelt. Wie die Organisatorin der Reise, Cecylia Malik, polnischen Medien vor der Reise nach Italien sagte, knüpfen die Aktivistinnen an ihren Besuch beim Papst die Hoffnung, dass Franziskus die polnischen Bischöfe dazu bewegen kann, sich für Umwelt- und Naturschutz einzusetzen. Die polnischen Bischöfe gelten als sehr konservativ und stehen den Neuerungen des amtierenden Papstes bisher zurückhaltend gegenüber. Franziskus wiederum hatte 2015 mit seiner Umweltenzyklika ein Achtungszeichen gesetzt.

Stillen auf Baumstümpfen

Die polnischen Aktivistinnen hatten bereits mit anderen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Im März 2017 legten sie in Regierungsbüros, darunter in der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Beata Szydlo, Bilder von den Baumfällaktionen im Nationalpark Bialowieza vor. Im April 2017 setzten sie sich in Krakau auf Baumstümpfe und stillten ihre Babys.

Stillende Mütter protestieren gegen Kahlschlag im polnischen Bialowieza-Urwald
Protestaktion der "Mütter gegen Kahlschlag" Anfang April im Bialowieza-Urwald Bildrechte: twitter/n-ost

PiS-Regierung lockerte Gesetz zu Naturschutz und Wald

Protest gegen Abholzung im polnischen Naturschutzgebiet Bialowieza
Mitglieder der polnischen Grünen und andere Umweltschützer demonstrieren am 27. Mai für den Erhalt des Bialowieza-Urwaldes. Bildrechte: dpa

Möglich wurden die massiven Baumeinschläge in Europas letztem Tiefland-Urwald durch eine Lockerung der Naturschutzgesetze. Das Parlament verabschiedete Ende 2016 eine Novelle des Gesetzes zu Naturschutz und Wald. Waldbesitzer, darunter auch der polnische Staatsforst, benötigen keine Genehmigung kommunaler Behörden für das Fällen von Bäumen mehr. Das führte auch in Städten zum Einschlag zahlreicher Bäume, um zum Beispiel Parkplätze oder Bauland zu gewinnen. Nach Protesten von Umweltschützern verfügte die PiS-Regierung Anfang April 2017, dass die lokalen Behörden über Fällungen informiert werden müssen. Verhindern können Kommunen den Holzeinschlag in der Regel aber nicht.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Sachsenspiegel | 26.02.2017 | 19:00 Uhr
Auf gute Nachbarschaft | 23.06.2012 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 12:32 Uhr