Wie die Wende die Familienplanung beeinflusst

Die Familienpolitik der DDR war auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgerichtet. Doch mit der Wende veränderte sich auch die bis dahin übliche Familienplanung.

Die Studienteilnehmer bekamen nicht mehr im klassischen DDR-Alter von 19, 20 oder 21 Jahren ihr erstes Kind, sondern erst Mitte oder Ende 20. Die Wissenschaftler sehen darin den größten Geburtenknick seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wollen wissen, welche Motive und Lebensumstände die Familienplanung beeinflussen?

Über die Jahre wird klar, dass die Ostdeutschen ihr Familienmodell nicht einfach dem Westdeutschen anpassen. In den Jahren des Umbruchs stellen viele ihre Familienplanung hinten an. Die Suche nach einer Wohnung oder einer Arbeitsstelle hat für viele Priorität. Ganz anders als zu DDR-Zeiten, als ein Kind sowohl eine Wohnung als auch eine wirtschaftliche Besserstellung garantierte.

Grafik zur Frage: Haben Sie Kinder?
2010, im Alter von 37 Jahren, haben fast 70 Prozent der Männer und 83 Prozent der Frauen mindestens ein Kind. Grundsätzlich bekommen die Männer der Studie später Kinder. Sie ziehen später aus dem Elternhaus aus und haben in der Regel jüngere Frauen. Damit wird das Thema Familiengründung später im Leben relevant. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH

Deutlich zeigt die Sächsische Längsschnittstudie auch, wie Arbeitslosigkeit die Familienplanung beeinflusst. Ab Mitte 30 entscheiden sich berufstätige Frauen wesentlich häufiger für ein Kind, als Frauen, die lange arbeitslos waren. Schließlich möchte man den Kindern eine sichere Zukunft und gute Ausbildung bieten. Andererseits beeinflusst auch der Wunsch nach Karriere die Geburtenrate. Für Frauen sind Kinder oft noch ein "Karrierekiller".

Nach wie vor gibt es allerdings bei der in der Geburtenrate einen Unterschied zwischen Ost und West. 2012 haben in Ostdeutschland 78 Prozent der nunmehr 39-Jährigen zumindest ein Kind. Fast 10 Prozent mehr als in Westdeutschland.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2016, 10:45 Uhr