Blick in eine Obstplanatage
Blick auf eine Apfel-Plantage im Dorf Varatic in der Republik Moldau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Republik Moldau Fünf Landwirte, eine Idee, ein Kühlhaus

In der Republik Moldau ist jeder Vierte ausgewandert, weil es an gut bezahlten Jobs fehlt und die Landwirtschaft im Winter kein Geld bringt. Fünf Landwirte im Dorf Varatic wollen aber lieber bleiben.

Blick in eine Obstplanatage
Blick auf eine Apfel-Plantage im Dorf Varatic in der Republik Moldau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Republik Moldau galt früher mit ihren fruchtbaren Hügelland als die Kornkammer der Sowjetunion. Doch mit der Unabhängigkeit 1991 folgte der Absturz für einer wohlhabendsten Unionsrepubliken. Heute ist die Republik Moldau eines der ärmsten Länder Europas. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt den offiziellen Statistiken zufolge bei lediglich 1.000 Euro. Weil in vielen Haushalten das Geld zum Überleben fehlt, ist inzwischen fast jeder vierte Moldauer ausgewandert, um in Russland oder in Westeuropa zu jobben und damit den Rest der Familie zuhause zu unterstützen.

Landwirtschaft - wichtiger Wirtschaftsfaktor

Wer jedoch in der Republik Moldau bleibt, versucht sich mit Landwirtschaft über Wasser zu halten, so wie im rund 2.000 Einwohner zählenden Dorf Varatic, wo der Großteil ausgewandert ist. Angesichts dieser Ausgangslage resignieren? Fünf Landwirte im Ort hatten eine bessere Idee: Vor drei Jahren schlossen sie sich zu einer Agrargemeinschaft zusammen, die auf 50 Hektar Land jährlich rund 1.000 Tonnen Äpfel und Pflaumen erntet. Nur konnte das Obst bislang nicht in den Wintermonaten verkauft werden, denn es gab ein Problem: In Varatic fehlte ein Kühlhaus.

"Lieber Kaiser im eigenen Dorf"

Geschätzte Gesamtkosten für einen solchen Bau: rund 420.000 Euro. Die fünf Landwirte bewarben sich 2015 um eine Förderung der Weltbank, die die Hälfte der Summe übernahm. Den Rest finanzierte eine moldauische Bank. Die Kühlhalle ist inzwischen zum Wirtschaftsfaktor geworden - für die fünf Landwirte, aber auch für das gesamte Dorf. Denn gegen ein kleines Entgelt kann jeder Dorfbewohner sein Obst im Kühlhaus frisch halten und auch in den Wintermonaten an den Verbraucher bringen. Auf den Dorfstraßen in der Republik Moldau hört man oft das Sprichwort: "Lieber Kaiser im eigenen Dorf, als Sklave in einem fremden Land". Das Kühlhaus in Varatic jedenfalls hilft beim Bleiben.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 06.10.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 12:10 Uhr