Schatz
Bildrechte: Josef Muzik

Schatzsuche als Social-Media-Schnitzeljagd Milliardenschwerer Nazi-Schatz im Moldautal?

Bei Štěchovice, 30 Kilometer hinter Prag, soll ein sagenhafter Nazi-Schatz vergraben sein: Kisten voller Gold, Edelsteinen und Gemälden, versteckt 1945. Seit Jahrzehnten ist ihm ein tschechischer Schatzgräber auf der Spur. Er inzeniert seine Suche auch in den sozialen Netzwerken.

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Bildrechte: Josef Muzik

Josef Mužík zieht längst nicht mehr mit Schubkarre, Spitzhacke und Spaten in das Waldstück im Moldautal bei Hradištko: Erst kürzlich ließ er den Boden von einem tonnenschweren Bagger durchwühlen. Hier vermutet der rüstige Rentner eine geheime Lagerstätte für Nazi-Raubgold und Kunstschätze, die der Leiter der damaligen SS-Pionierschule in Štěchovice, General Emil Klein, noch kurz vor Kriegsende anlegen ließ, um die milliardenschweren Kostbarkeiten vor dem Zugriff der Alliierten zu bewahren: angeblich 540 Kisten mit Gold, Edelsteinen, Gemälden und Dokumenten aus dem Berliner "Kaiser-Wilhelm-Institut". Es gibt sogar Spekulationen darüber, dass in dem etwa 30 Kilometer hinter Prag liegenden Waldstück das seit 1945 verschollene Bernsteinzimmer zu finden sein soll.

Jahrzehntelange Schatzsuche

Seit fast drei Jahrzehnten sucht Mužík nun bereits nach verschütteten Hohlräumen voller Reichtümer und wähnt sich – mehr denn je – kurz vor dem endgültigen Durchbruch. Zwischenzeitlich hatte er sich dem Team des Sudetendeutschen Helmut Gaensel angeschlossen, der in den 1960er Jahren als Mitarbeiter des tschechoslowakischen Geheimdienstes alle relevanten Informationen zum Schatz von Štěchovice aus erster Hand, nämlich vom inhaftierten General Emil Klein selbst, erfahren haben wollte.

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Stolleneingang auf historischem Foto Bildrechte: Josef Muzik

Gaensel hat sich inzwischen zur Ruhe gesetzt und auch Josef Mužík, der längst wieder auf eigene Faust nach dem Schatz von Štěchovice sucht, ist mit fast 70 Jahren nicht mehr der Jüngste. Die langwierige Jagd nach dem Nazi-Schatz hat ihn nach eigenen Angaben bislang über 13 Millionen tschechische Kronen gekostet. Das sind umgerechnet etwa 480.000 Euro. Gewissermaßen Peanuts im Vergleich zu den Werten, die seiner Auffassung nach in den geheimen unterirdischen Depots aus der NS-Zeit lagern, aber auch kein Pappenstiel für einen tschechischen Rentner.

"Grab, Pepo!"

Kein Wunder also, dass Mužík schon seit Jahren hoch verschuldet ist und seine Rente mit den Einnahmen aus Lehrgängen und Seminaren aufzubessern versucht, die er als selbsternannter professioneller Schatzsucher für Jedermann anbietet. Das Interesse scheint nicht gerade gering zu sein, denn auch für die tschechischen Medien ist Josef Mužík inzwischen der Ansprechpartner, wenn es um die Suche nach dem Schatz von Štěchovice oder andere Mysterien geht.

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Posen für die Fans: Das Schatzsucher-Team Bildrechte: Josef Muzik

Auf seinem Facebook-Profil inszeniert Mužík die Suche daher zunehmend wie eine Social-Media-Schnitzeljagd: Regelmäßig präsentiert der betagte Schatzsucher Bilder von aktuellen oder bereits länger zurückliegenden Suchaktionen. Ein aktuelles Foto, das eine auffällige Felsformation zeigt, kommentiert er lakonisch: "Ein wirklich unauffällig zugeschütteter Eingang zum Tunnel!" Ein Nutzer fordert Josef Mužík daraufhin per Kommentar auf: "Grab, Pepo!"

Recherche mit Community

Die Interaktion mit seiner Anhängerschaft im sozialen Netzwerk bereitet Josef Mužik anscheinend große Freude. Er bezieht die Community regelmäßig in seine Recherchen ein und gibt seinen 1.343 Facebook-Freunden von Zeit zu Zeit kleine Rästel auf. Die teils abenteuerlichen Lösungsvorschläge der Community kommentiert Josef Mužik derweil ganz diplomatisch mit dem Hinweis, dass all dies wertvoll und hilfreich für die weitere Suche sei.

Gut möglich, dass Josef Mužik gerade mit solchen Rätseln die nächsten Generationen mit dem Schatzfieber infiziert. Zumindest sein Sohn Petr scheint die Leidenschaft des Vaters zu teilen und begleitet diesen regelmäßig auf Streifzügen durch die Wälder bei Hradištko. Auch wenn die Ausbeute dieser Expeditionen bisher eher gering ausfällt, kann sich Mužik zumindest im sozialen Netzwerk Facebook auf seine treue Anhängerschaft verlassen. Denkbar also, dass kostenintenive Grabungen im Moldautal zukünftig über alternative Modelle wie Crowdfunding finanziert werden.

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Schatzgräber Josef Mužik über dem Moldautal Bildrechte: Josef Muzik

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2016, 09:14 Uhr