Denkmal für die Opfer des Stalinterrors in Moskau

In Moskau ist am Montag eine "Mauer der Trauer" für die Opfer des stalinistischen Terrors eingeweiht. 30 Meter schemenhafte Gestalten aus Bronze. Sechs Meter hoch. An der Veranstaltung hat auch Präsident Putin teilgenommen. Er hatte das Denkmal 2015 in Auftrag gegeben, an dessen Konzept Künstler, Kremlpolitiker und Menschenrechtler gemeinsam gearbeitet haben.

Denkmal für die Opfer des sowjetischen Terrors 'Mauer der Trauer' in Moskau
Denkmal für die Opfer des sowjetischen Terrors 'Mauer der Trauer' in Moskau Bildrechte: dpa

Kritik von Menschenrechtlern

Die Historikerin Irina Scherbakowa, die für die russische Menschenrechtsorganisation "Memorial" arbeitet, lobt das Engagement der russischen Regierung, kritisiert jedoch, dass sie sich nicht eindeutig genug positioniert. In Deutschlandradio Kultur sagte Scherbakowa, eine richtige Auseinandersetzung könne nur dann stattfinden, wenn man anerkenne, dass die Menschenrechte damals auf das Gröbste verletzt worden seien. Es reiche nicht, ein Denkmal aufzustellen, sondern man müsse das kommunistische Regime unter Stalin endlich auch juristisch als verbrecherisch anerkennen. Doch das sei bislang nicht geschehen, so Scherbakowa.

Ein Mann legt an einem Denkmal vor der Zentrale des russischen Geheimdienstes in Moskau Blumen nieder
Gedenken an die Stalinopfer vor der Zentrale des russischen Geheimdienstes Bildrechte: dpa

Am 30. Oktober finden jedes Jahr die offiziellen Gedenkfeiern für die Opfer der kommunistischen Verfolgungen in der Sowjetunion statt. Rund 5.000 Moskauer hatten bereits am 29. Oktober 2017 vor der Zentrale des ehemaligen sowjetischen Geheimdienstes und heutigen Zentrale des Inlandsgeheimdienstes FSB Kränze niedergelegt und den ganzen Tag lang Namen von Opfern verlesen. Während der Herrschaft Stalins waren Millionen von Menschen ermordet worden. Historiker sind sich bis heute über die genaue Zahl der Opfer uneinig. Man geht von mindestens drei Millionen Toten aus. Manche Wissenschaftler sprechen von bis zu 20 Millionen Opfern.

Stalin ist wieder salonfähig

Seit einigen Jahren gewinnt Stalin in Russland jedoch wieder an Ansehen. Im ganzen Lande entstehen neue Stalindenkmäler. Symbolisch, so Irina Scherbakowa in Deutschlandradio Kultur, stehe Stalin schon wieder ganz groß da. Stalin wird auch heute noch von vielen Russen vor allem als Führer, der den ruhmreichen Vaterländischen Krieg gegen Hitlerdeutschland gewonnen hat, verehrt. Zunehmend gilt der Diktator aber auch unter jungen Menschen als hip: Stalin der Superstar.

(dlf/voq)

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV: MDR | 11.08.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2017, 16:44 Uhr