Orbán, Soros und die Universität CEU

George Soros

Osteuropa

Eine blonde Frau neben einem Bild von Unternehmer Soros
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Orbáns Eingriff in die Hochschullandschaft

Die CEU, Viktor Orbán und George Soros

Viktor Orbán will die CEU, die international ausgerichtete Universität des Milliardärs George Soros, aus Ungarn vertreiben. Dabei hat Orban früher auch ein Stipendium von Soros erhalten und konnte in Oxford studieren.

Proteste in Budapest
Ungarns Premier Viktor Orbán will die CEU, die internationale private Universität des in Budapest geborenen amerikanischen Milliardärs George Soros aus Ungarn vertreiben. In Budapest protestieren Studenten und Lehrer. Bildrechte: IMAGO
Proteste in Budapest
Ungarns Premier Viktor Orbán will die CEU, die internationale private Universität des in Budapest geborenen amerikanischen Milliardärs George Soros aus Ungarn vertreiben. In Budapest protestieren Studenten und Lehrer. Bildrechte: IMAGO
Eine Bildkombo zeigt den US-Milliardär George Soros (l, am 12.06.2013 in Budapest, Ungarn) und den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban (am 23.09.2015 in Staffelstein, Deutschland).
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der ungarische Philanthrop und Hedgefondmanager George Soros waren sich nicht immer in Feindschaft verbunden. Im Gegenteil: Es ist noch gar nicht so lange her, da beschrieben sie ihr Verhältnis als durchaus "freundschaftlich". Bildrechte: dpa
Viktor Orban (1989 auf dem Hosök-Platz in Budapest)
Viktor Orbán hat George Soros viel zu verdanken. Möglicherweise hätte der junge Liberale seine politische Karriere ohne Soros' Hilfe gar nicht starten können. Nach seinem Studium arbeitete Viktor Orbán von April 1988 an für die von George Soros begründete "Foundation of Central Europa Research Group" in Budapest. Ein Jahr später bekam er von Soros ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt zum Studium der Geschichte der englischen Philosophie am Pembroke College in Oxford. Interessant ist, dass viele aus dem heutigen Fidesz-Führungsstab ebenfalls mithilfe von Soros-Stipendien im Ausland studieren konnten. (Im Bild: Viktor Orbán 1989 auf dem Heldenplatz in Budapest.) Bildrechte: dpa
Viktor Orban 1999
In Oxford lernte Orbán nicht nur Englisch, sondern auch viele maßgebliche Leute aus Politik und Wirtschaft kennen. 1990 brach er das Studium aber ab - er wollte für die ungarischen Parlamentswahlen kandidieren und kehrte nach Budapest zurück. Viktor Orbán wurde zum Abgeordneten des ungarischen Parlaments gewählt und übernahm 1993 den Vorsitz der konservativen Fidesz-Partei. Bildrechte: IMAGO
US-Milliardaer George Soros
Der in Budapest geborene George Soros, der als Kind knapp den Nationalsozialisten entkommen konnte, hatte in den USA als Hedgefondsmanager ein Milliardenvermögen gemacht und gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Seit den 1970er-Jahren tritt Soros dann als Philanthrop in Erscheinung - als Gründer und Finanzier der "Open Society Foundation" und der "Soros Foundation" etwa unterstützt er weltweit Bürgerrechtsbewegungen. Soros spielte eine signifikante Rolle bei der friedlichen Systemwende in den späten 1980er-Jahren in Mittel-und Osteuropa. (Im Bild: George Soros, 2010) Bildrechte: dpa
Soros György
In Budapest gründete er neben diversen Stiftungen 1991 auch eine Universität - die CEU (Central European University). Soros' Vision: Studenten aus aller Welt und natürlich auch aus dem mittel-und osteuropäischen Raum in der CEU zu versammeln. Sie sollten die nächste Generation von Politikern und Akademikern bilden. (Im Bild: George Soros 2007 in der CEU.) Bildrechte: IMAGO
CEU Gebäude
Die CEU ist eine sowohl in den USA als auch in Ungarn gemeldete private Universität, die sich den Werten der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtet fühlt. Bildrechte: Piroska Bakos / mdr
Abschlussfeier der Central European University CEU im Gebaeude des Operettentheaters. Stifter und Financier der CEU ist der ungarischstaemmige US-Milliardaer George Soros
Studiengebühren werden an der CEU nicht erhoben. Dabei gilt sie durchaus als Eliteuniversität. Gelehrt wird in Englisch. Die CEU gehört heute zu den 200 besten Universitäten der Welt, ihre Studiengänge "political science" und "international studies" sind beinahe konkurrenzlos. (Georges Soros 2007 bei einer Diplomfeier in der CEU.) Bildrechte: IMAGO
Viktor Orban, Führer der bisher oppositionellen rechts-liberalen Jungdemokraten (FIDESZ), kommt am 24.5.1998 mit seiner Familie, Sohn Gaspar (l) und den Töchter Sara (M) und Rachel, die von ihrer Mutter Aniko gehalten wird, ins Wahllokal in Budapest.
Ende der 1990er-Jahre trennten sich die politischen Wege von Viktor Orbán und George Soros. Orbán wand sich verstärkt einem nationalen Konservatismus zu, während Soros weiterhin liberale Positionen vertrat. (Im Bild: Viktor Orbán mit seiner Familie 1998 in einem Wahllokal in Budapest.) Bildrechte: dpa
Ministerpraesident Viktor Orban
Orbán und Soros waren sich aber auch weiterhin freundschaftlich verbunden. 2010 trafen sich die beiden Männer in Orbáns Budapester Büro, um über die Integration der ungarischen Roma zu sprechen - ein für Soros wichtiges Anliegen. Soros versprach auch, Geld für Umweltprojekte in Ungarn zur Verfügung zu stellen. Der Bruch zwischen Viktor Orbán und George Soros lässt sich auf das Jahr 2013 datieren. (Im Bild: Viktor Orbán, 2013.) Bildrechte: IMAGO
Minister Gordon Bajnai
Damals wollte Gordon Bajnai, ungarischer Ministerpräsident von 2009 bis 2010, in die ungarische Politik zurückkehren. Bajnai wurde von Soros finanziell unterstützt. Orbán fürchtete sich vor Bajnais Einfluss und erklärte ihn zu seinem politischen Hauptfeind. Bajnai versuche, so Orbán damals, links-liberale Kräfte gegen ihn in Stellung zu bringen. (Im Bild: Gordon Bajnai, 2012) Bildrechte: dpa
Viktor Orban telefoniert zurückgelehnt im Auto
Ministerpräsident Viktor Orbán, seit 2010 im Amt, erklärte in den folgenden Jahren George Soros verstärkt zu seinem eigentlichen Hauptfeind und baute ihn zu einer Art Hassfigur auf. Die von Soros repräsentierte Ansicht von offenen, toleranten, liberalen und multikulturellen Gesellschaften sind tatsächlich genau das Gegenteil davon, was Orban in Ungarn aufbauen will - eine "illiberale Demokratie". (Im Bild: Viktor Orbán, 2014) Bildrechte: dpa
Präsident Viktor Orban
Orbán warf Soros etwa vor, die Flüchtlingsströme 2015 initiiert zu haben, um Ungarn und überhaupt Europa zu zerstören. Auch macht er ihn für Ungarns schlechtes Image in der Welt verantwortlich: Soros, so Orbán, würde westlichen Politikern einflüstern, dass er, Orbán, schlecht für Ungarn sei. "Der Mund gehört Clinton, aber die Stimme ist die von Soros", erkärte Orbán einmal, als Hillary Clinton seine Politik kritisierte. Bildrechte: IMAGO
George Soros
Doch George Soros ist nicht nur die Hassfigur Viktor Orbáns, sondern aller Nationalisten Osteuropas sowie der Trump-Administration. Deren gemeinsamer Tenor: Soros führe eine jüdische Weltverschwörung an, die zum Ziel habe, die Nationalstaaten zu zerstören. (Im Bild: George Soros, 2017) Bildrechte: IMAGO
CEU Gebäude
2016 drohte Viktor Orbán, den von Soros symbolisierten Kräften stünden harte Zeiten bevor. Nicht nur in Ungarn. Zunächst wurden die Rechte der auch von Soros finanzierten NGO's in Ungarn beschnitten. Die Existenz der CEU empfindet Orbán ohnehin als Skandal. Im Frühjahr 2017 blies er zum Generalangriff auf Soros' Universität CEU. Man müsse aus "Gründen der nationalen Sicherheit" steuern können, wer und warum in Ungarn studiere und was man ihm unterrichte, ließ er seinen zuständigen Minister verkünden. 2021 würde die CEU unwiederruflich geschlossen. Bildrechte: Piroska Bakos / mdr
George Soros
Und wie reagiert George Soros auf die Angriffe aus seinem Heimatland? - "Ich nehme das nicht persönlich", sagte er 2016 in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. "Die Angriffe bestärken mich in meinen Prinzipien." (Im Bild: George Soros, 2017.)

Über dieses Thema berichtete HEUTE IM OSTEN auch in MDR AKTUELL im TV | 07.04.2017 | 17:45 Uhr.
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George Soros mit Akademikerhut inmitten von Absolventen der CEU in Budapest
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Hassfigur der osteuropäischen Nationalisten

Überall in Osteuropa wird der in Budapest geborene Milliardär und Philanthrop George Soros von Nationalisten angegriffen: Soros sei das Haupt einer Weltverschwörung. Sogar die "Flüchtlingskrise" wird ihm angelastet.

George Soros
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Über dieses Thema berichtete HEUTE IM OSTEN auch in MDR AKTUELL im TV | 07.04.2017 | 17:45 Uhr.
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