natürlich gesund
Die magischen Punkte, Akupressur und Akupunktur
Chinesische Medizin ist also nicht nur Akupunktur - andere wichtige Behandlungsmethoden sind Chi Gong, eine Art Gymnastik mit fließenden Bewegungen und Halteübungen, Aufgüsse von Pflanzen oder Pflanzenbestandteilen (Tees), Kräutermedizin, Massage, Ernährung und Akupressur, bei der Akupunkturpunkte nicht mit Nadeln sondern mit den Fingern behandelt werden.
Merke: Um auch in unseren Breitengraden Chinas heilenden Nadeln zu bestmöglichem Erfolg zu verhelfen, ist es ratsam, andere Heilmethoden begleitend einzusetzen. Es müssen nicht ausschließlich Teile der TCM sein. Oft genügt eine Änderung der Lebensführung und Einstellung zum Leben, mehr Entspannung und Muße zur rechten Zeit, mehr Flüssigkeit, weniger tierische Eiweiße, um Übersäuerungen abzubauen und natürlich Bewegung, sofern möglich.
Tipp: Machen Sie es wie die Patienten in China es seit über 3500 Jahren gewöhnt sind: Nehmen Sie aktiv am Prozess der Genesung teil. Es geht ja schließlich um Sie, es ist Ihr Körper.
Beachte: Mit der Chinesischen Medizin wird immer der ganze Mensch, nicht nur das kranke Organ, schon gar nicht nur das Symptom behandelt. So kann es vorkommen, dass der behandelnde Mediziner Akupunkturpunkte auswählt, die fern vom Ort der Erkrankung liegen.
Ziel der Akupunktur ist es, das Chi, wieder fließen zu lassen. Chi ist ein anderer Ausdruck für Lebensenergie. Sie strömt in den Energieleitbahnen, den Meridianen, auf denen über 1000 Akupunkturpunkte liegen sollen, von denen 360 am häufigsten behandelt werden. Ist die Energie blockiert, kommt es zu einem Stau des Energieflusses, können Organe weniger gut durchblutet oder bioelektrisch nicht optimal versorgt werden. Die Informationssignale sind gestört. Aktion und Reaktion im Körper kommen durcheinander und andere Regelkreise versuchen, das auszugleichen. Hierbei kommt es zu einer Belastung anderer, ursprünglich nicht betroffener Organsysteme. Die Energie wird "umgeleitet". Ziel der Akupunktur ist es, diesen Energiefluss wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.
Da alle Organe einen Mangel an Chi haben können, kann laut TCM prinzipiell jedes Organ behandelt werden. Der Anteil der Kräutermedizin und anderer Methoden sowie der Akupunktur im Rahmen der individuellen Behandlung ist unterschiedlich und richtet sich nach der Krankheit (es muss auch in der TCM eine korrekte Diagnose gestellt werden), der Beschaffenheit des Menschen und dessen allgemeinem Energiezustand.
Immer wird versucht, einen Ausgleich zwischen Yin und Yang herzustellen. Dies sind die beiden Gegenspieler im Energiehaushalt der Natur, der sich in unserem Körper widerspiegelt. Yin repräsentiert das weibliche Element, das Ruhende, die Entspannung. Yang ist die männliche Energie, die Expansion, Bewegung und auch die Aggression. Yin und Yang beeinflussen sich wechselseitig. Mal überwiegt Yang, mal Yin, je nach Lebenssituation. Beide Energien sind selten mal im absoluten Gleichgewicht. Aus dem Wechselspiel entsteht das Leben. Yin und Yang haben eine wellenförmige Beziehung zueinander.
Wobei kann die Akupunktur helfen?
- Atemwege - Allergien, Schnupfen, Erkältung (die Energiestörung schlechthin), Nasenneben-höhlenerkrankungen, Mandelentzündungen, Asthma, Bronchitis
- Magen-Darm-Erkrankungen - Magenschleimhauterkrankungen (Gastritis), Reflux von Magensäure, Magenübersäuerung, Zwölffingerdarmgeschwüre, Magengeschwüre, akute und chronische Darmentzündungen, Durchfall, Verstopfung
- Neurologische Erkrankungen - Trigeminusneuralgie, Migräne, Kopfschmerzen, Schwindel, Hörsturz, Lähmungen nach Schlaganfall, Blasenentleerungsstörungen, Bettnässen, Neuralgien, Ischiasschmerzen
- Orthopädie - Wirbelsäulenschmerzen, Schulter-Arm-Syndrom, Tennisellenbogen, entzündliche Gelenkerkrankungen
- Zahnmedizin - Zahn- und Kieferschmerzen, vor und nach Zahnbehandlungen und Zahnextraktionen, Zahnfleischerkrankungen
Bei diesen und vielen anderen Erkrankungen, von denen Menschen bei uns ebenso wie in China befallen werden können, kann die Akupunktur eingesetzt werden - Linderung und Heilung sind möglich. Oft wird die Behandlung mit Nadeln oder Akupressur als Ergänzung zur Schulmedizin eingesetzt.
Merke: Die östliche Akupunktur verträgt sich mit den meisten Formen der westlichen Schulmedizin.
Sie wird gewöhnlich durch die oben angeführten Naturheilverfahren unterstützt und durch die Be-achtung der Emotionen (zum Beispiel schadet Angst den Nieren), der Farben (Rot steht für Feuer und hilft Herz und Dünndarm) und der Uhrzeit, zu der die Krankheit auftritt oder schlimmer wird, was besonders bei periodischen Schmerzen von Bedeutung ist (Schmerzen oder Aufwachen um 4 Uhr nachts deuten auf eine Störung der Lungenenergie hin), ergänzt.
Womit werden Akupunkturpunkte behandelt?
- Am bekanntesten ist das Einstechen von Nadeln in nicht sichtbare Punkte auf den Meridianen. Die Anzahl hängt von der Erfahrung des Akupunkteurs, von der Erkrankung und vom Patienten ab.
- Eine andere Methode ist das Erwärmen der gesetzten Nadeln mit einer brennenden Zigarre, die überwiegend aus Beifusskraut aber auch anderen beigemischten Kräutern besteht. Auch werden Körperzonen nur mit der Brennenden Moxa-Zigarre durch Erwärmung behandelt.
- Das Moxa-Kraut kann auch mit einem Pflaster aufgebracht werden. Dieses verbleibt für ein bis zwei Tage an dem Ort und entfaltet dort seine Yang-Energie. Wir kennen bei uns große Pflaster, die meist auf schmerzende Stellen am Rücken geklebt werden. Das Moxa-Pflaster ist ähnlich wirksam, nur, dass hierbei auch die Aku-Punkte berücksichtigt werden und nicht nur die Orte des Schmerzes.
- Aku-Punkte können auch massiert werden. Dabei gilt es zu beachten, dass der Druck nicht zu stark sein sollte. Massiert man mit der auf dem Punkt liegenden Fingerkuppe links herum, so erzielt man eine beruhigende Wirkung auf den Punkt, rechts herum kann man den Punkt anregen. Oft genügt es aber, nach Anweisung durch den Therapeuten, einen sanften Druck auszuüben.
- Eine relativ junge Form chinesischen Schröpfens kann man mit den Haci-Nadeln anwenden. Hierbei handelt es sich um eine unblutige Schröpfmethode. Kleine Schröpfköpfe werden für 10 Minuten auf schmerzende Stellen und Akupunkturpunkte gesetzt. Mehrere Effekte werden gleichzeitig genutzt:
1. der Saugeffekt,
2. übt beim Ansaugen der darin befindliche, spitz geformte Magnet einen punktuellen Druck auf die Haut aus,
3. wird der Reiz verstärkt durch den Einfluss des Magneten,
4. werden mehrere Schröpfnadeln durch den Ansaugeffekt so angebracht, dass abwechselnd ein Nord und ein Südpol, erkennbar an den Farben, nebeneinander sitzen. Die Wirkung ist besonders bei Schmerzzuständen oft überraschend gut.
Praktische Beispiele zur Akupressur (Dauer etwa 4-8 Sekunden, 4-8 mal pro Tag):
- Konzentrationsstörungen: Druck mit einer Fingerkuppe auf die Nasenwurzel zwischen den Au-genbrauen
- Kreislaufstörungen bei zu niedrigem Blutdruck: drücken Sie mit dem Nagel des kleinen Fingers oberhalb der Oberlippe direkt unter die Nase
- Bei Aufregung und Angst hilft der Punkt 7 auf dem Herzmeridian direkt oberhalb der Hand am Unterarm auf der Seite der Handfläche hinter dem kleinen Handballen, eine Fingerbreite vom Rand entfernt in der Falte, die dort verläuft. Wie bei anderen Punkten auch, kann man die richtige Position des Fingers und die Dauer der Behandlung erspüren.
- Müdigkeit: Massieren sie die Grube zwischen den beiden Fußsohlenvorderballen am Übergang vom ersten zum zweiten Drittel, dort liegt "die sprudelnde Quelle", so heißt der erste Punkt des Nierenmeridians, rechts herum massieren.
- Schlafstörungen: derselbe Punkt wie bei Müdigkeit. Hieran sieht man, dass es weniger um "Schlüssel-Schloss-Prinzipien" geht sondern um Regulation. Massieren sie den Punkt "Niere 1" links herum, fördert das eher den Schlaf (links herum ist beruhigend, siehe oben).
- Kopfschmerzen: leichte Massage der Schläfen, Außenpunkte und Innenpunkte der Augenbrau-en, Grübchen unterhalb des Hinterkopfes, dort, wo die Halsmuskulatur ansetzt, rechts und links, gleichzeitig.
- Übergewicht: Mit Wattestäbchen und Spiegelkontrolle den ersten drückbaren Punkt direkt hinter dem Eingang des äußeren Gehörgangs an dessen oberer Begrenzung vorsichtig aber nachhaltig drücken und dabei sich das Essen als etwas Wichtiges vorstellen, wovon bereits die Hälfte genügt. Positive Vorstellung entwickeln, wie die Mahlzeit aussehen soll, die satt und froh macht (weniger Fette, weniger Kalorien, etc), das soll man dann auch essen, also die Übung unmittelbar vor dem Essen durchführen. Manchmal hilft auch eine Dauernadel mit flachem Kopf, ähnlich einer Mini-Reißzwecke an diesem Ort, die mit einem kleinen Stäbchen aus Kunststoff angeregt wird. Auch das Anregen dieses Punktes anstelle einer Mahlzeit hat positive Wirkungen.
- Übergewicht: Punkt direkt unterhalb der Kniescheibe drücken.
- Rückenschmerzen: Punkt zwischen Daumen und Zeigefinger, am Ende der Falte; Punkt auf der Mitte der Linie vom Außenknöchel zur Fersenspitze
- Unruhe, Bluthochdruck: Massieren des Ohrläppchens und/oder Druck mit Wattestäbchen auf Punkt am Ansatz des Ohrläppchens in der Nähe des Kieferknochens
Literatur & Kontakte:
Dr. Thomas Höhn:
Natürlich gesund; Die besten Gesundheitstipps fürs ganze Jahr; ISBN 3930723883; EUR 8,90.
Kummer, Dietmar; Prof:
Therapie mit chinesischen Naturarzneimitteln; Verlag Sonntag
Alexander Meng: Die Basistheorie der Akupunktur und der traditionellen Chinesischen Medizin, Eine Physiologie der TCM für den westlichen Mediziner; Maudrich Verlag; ISBN 3-85175-675-4
Suwanda, S.; Walter, P.: ABC der Akupunktur und TCM Körperakupunktur; Springer Verlag; ISBN 3-540-63800-8
MoxaPflaster und Haci-Nadeln (so heissen die Schröpfköpfe):
China Original, Lutherstr. 44a, 69120 Heidelberg, Tel/Fax: 06221 / 161567
China Arzneimittel Agentur, Hans-Drill-Str. 9; Kulmbach; Tel.: 09221/84111 Fax: 09221/84114
Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2003, 16:41 Uhr
