Leichter leben | 28.03.2012 | 17:00 Uhr : Schaltgetriebe oder Automatik?
Wie leicht klappt der Umstieg von einem Schalt- auf ein Automatikgetriebe? Womit kommt man besser zurecht? Welches Fahrzeug hat einen höheren Spritverbrauch? Diese und andere Fragen beantwortet Experte Andreas Keßler.
Der Hauptunterschied zwischen Automatik und Handschaltung liegt in der Kraftübertragung zwischen Motor und Getriebe: Beim Schaltgetriebe muss der Fahrer vor jedem Schaltvorgang auf das Kupplungspedal treten, um den Kraftfluss zwischen Motor und Getriebe zu unterbrechen.
Nicht unerheblicher PS-Verlust
Bei einer klassischen Wandlerautomatik sitzt an der Stelle, an der sonst die Kupplung sitzt, ein Drehmoment-Wandler, der nur eine hydro-dynamische und keine kraftschlüssige Verbindung zwischen Motor und Getriebe herstellt. Diesen Wandler muss man sich wie zwei sich gegenüberliegende Propeller in einem Ölbad vorstellen, wobei der motorseitige bei laufendem Motor den getriebeseitigen durch das strömende Öl mitnimmt. Das funktioniert sehr geschmeidig, aber mit einem Verlust von zehn bis 15 Prozent. Für heutige Verhältnisse ist das geradezu katastrophal, bleiben doch von 100 PS des Motors am Getriebe bloß noch 90 oder gar 85 PS übrig. Diese Prozentzahl lässt sich natürlich auch in Verbrauchsdaten umrechnen: Wenn der Schaltwagen neun Liter Kraftstoff für 100 Kilometer Fahrstrecke braucht, sind es beim Automatikwagen fast zehn Liter. Das betrifft aber nicht alle automatischen Getriebe, sondern nur ältere Wandlerautomaten. Bei modernen Wandlerautomatiken gibt es schon seit einiger Zeit die sogenannte "Wandlerüberbrückung", die in den oberen Automatikfahrstufen den Wandlerschlupf und den daraus resultierenden Mehrverbrauch fast komplett egalisiert.
Automatisiertes Schaltgetriebe unauffällig
Einen viel besseren Wirkungsgrad als Wandlerautomaten haben automatisierte Schaltgetriebe, die feste Gänge und eine Kupplung haben, die aber automatisch gewechselt bzw. bedient werden. Hier sorgt eine Steuerungselektronik automatisch immer zum genau richtigen Zeitpunkt für den Gangwechsel, was den Verbrauch sogar noch unter die Werte des durchschnittlichen Handschalters drückt. Wer einen modernen Kleinwagen mit Automatik hat, hat in der Regel ein automatisiertes Schaltgetriebe. Das funktioniert meistens unauffällig.
Verbrauch senken mit Doppelkupplungsgetriebe
Wer gerne komfortabel schaltet und dabei aber keinen Mehrverbrauch erfahren möchte, muss sich nach Autos mit Doppelkupplungsgetriebe umsehen. Bei dieser Getriebeart ist in einem Gehäuse ein zweites Getriebe verbaut, dessen Gänge schon geschaltet werden, während der Gang des anderen Getriebes noch im Eingriff ist. Durch diese Technik wird beim Gangwechsel der Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe nie unterbrochen, was den Verbrauch positiv beeinflusst.
Weitere Automatik-Modelle
Die komfortabelste, aber gleichzeitig auch kraftstoffzehrendste Automatik-Version ist die klassische Wandlerautomatik. Kaum schlechter in der Komfortwertung ist eine stufenlose Automatik, die aber einige bauartbedingte Probleme hat und fast sicher irgendwann aufwändig repariert werden muss. Ebenfalls automatisch schalten die zwar preiswerten, aber oft wenig fahrdynamischen Schaltgetriebe, die auf einer konventionellen Handschaltung basieren, jedoch mit elektronischer Hilfe automatisch die Gänge wechseln.
Tipps für Automatik-Reparatur
Schaltprobleme bei Wandlerautomaten entstehen oft durch stark verschmutztes ATF (= Automatic Transmission Fluid), die durch einen einfachen Wechsel des Getriebeöls reduziert und oft sogar eliminiert werden können. Vor einer teuren Automatik-Reparatur also immer zuerst das ATF wechseln! Der Hersteller des Automatik-Autos spricht in der Bedienungsanleitung zwar oft von einer "Lebenszeit-Füllung" der Automatik, in der Praxis empfiehlt sich ein Wechsel nach 80.000 Kilometern aber trotzdem.
Ganz zum Schluss noch dies: Wer jemals in einem gut abgestimmten Automatik-Auto gefahren ist, wird nie wieder "handgerissen" fahren wollen.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Mittwoch, 28. März, ab 16.30 Uhr)
