fiffi & co | MDR FERNSEHEN | 02.10.2007 | 17:55 Uhr
"Schnell stubenrein"
Sich Welpen ins Haus zu holen, bedeutet nicht nur Freude, sondern auch viel Arbeit. Und auch noch das Jungtier stubenrein zu bekommen, ist nicht so einfach. Wann sollte man damit anfangen? Woher weiß ein Hundewelpe, dass er sein Geschäft draußen erledigen muss und nicht in der Wohnung, wie eine Katze? Experte Dr. Ronald Lindner gibt Tipps.
Stubenreinheit bei Hunden
Die Stubenreinheit ist ein natürliches und angeborenes Verhalten. Jeder Hund neigt dazu, sein Revier nicht zu verunreinigen. Welpen werden in ihren ersten Lebenstagen von der Mutter sauber gehalten. Nach circa drei Wochen beginnen die Welpen erstmalig das Lager zu verlassen und entwickeln selbstständig die Fähigkeit, Kot und Urin außerhalb des Lagers aktiv abzusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Eliminationsverhalten (Urin - und Kotabsatz) genetisch festgelegt. In den nun folgenden Wochen finden Konditionierungsprozesse, sogenannte Prägung auf den Untergrund (günstig Wiese, Erde), statt. Das heißt, der Welpe lernt Harn- und Kotabsatz mit der Umgebung beziehungsweise mit dem Untergrund zu verknüpfen. Dieser wird dann zu einem sogenannten bedingten Reiz, der bei entsprechender Füllung von Blase und Darm die Entleerung auslöst. Fehlen diese ankonditionierten Auslösereize, wird der Hund im späteren Leben stets sein Bedürfnis solange anhalten, bis es für ihn nicht mehr auszuhalten ist und sich dann, quasi aus der Not heraus, an Ort und Stelle löst und sich damit entspannt.
Die entscheidende Grundlage des sogenannten "Sauberkeitstrainings" ist, dass der Hund mit der Präferierung für ein bestimmtes Material beginnt. Der Mensch nimmt Einfluss darauf, indem er seinem Hund zeigt, wo er sich entleeren darf und ihn lobt, wenn er es richtig gemacht hat. Bestrafungen sind, gleich welcher Art, auch bei der Sauberkeitserziehung sinnlos und tierschutzrelevant. Es ist nicht die Schuld des Hundes, sondern vielmehr das Versagen der Züchter beziehungsweise der Besitzer, wenn der Hund einem natürlichen Bedürfnis an einem nicht erwünschtem Ort nachgibt. Strafen sind kontraproduktiv, da sie nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Besitzer und Hund empfindlich stören, sondern des weiteren führen Angst und Stress zur Blockierung des Ausscheidungsverhaltens und verzögern oder verhindern eine adäquate Konditionierung auf einen erwünschten Untergrund.
Stubenreinheit - die richtigen Schritte zur Sauberkeit
- Jegliches verbale oder physische Strafen von Welpen als Erziehungsmethode (verbales Schelten mit lautstarker Stimme, Klatschen in die Hände, Schlagen mit der Zeitung, Welpen mit der Nase in Pfütze drücken, im Nackenfell schütteln) nach Feststellung der Unsauberkeit sind ineffektiv und kontraproduktiv. Bedeutet doch Strafe eine zusätzliche Verstärkung der Stresssituation und generelles Unverständnis auf beiden Seiten. Der Hund lernt im Übrigen keinesfalls das, was der Mensch in diesem Moment erwartet. Seine Lernerfahrungen lauten: "...menschliche Hände sind unberechenbar und gefährlich, der Teppich als Ort war keine gute Idee und ...das nächste Mal lass ich mich nicht erwischen und warte bis ich allein bin...".
- Wenn ein Malheur bereits passiert ist, sollte dieses kommentarlos entfernt, die verunreinigten Stellen gründlich gereinigt und alle Gerüche beseitigt werden (Essig- oder Zitronensäurepräparate, danach mit medizinischem Alkohol, keine Deodoranten, keine ammoniakhaltigen Mittel).
- Der Hund sollte die ganze Zeit über beobachtet werden, um ihn bei dem geringsten Verdacht nach draußen zu befördern. Sollte dies nicht immer möglich sein, wird der Aktionskreis des Hundes innerhalb der Wohnung eingeschränkt. Möglichkeiten wären ein Zimmerkäfig (Kindergitter bzw. Laufgitter für Hunde). Diesen Ort sollten Sie so angenehm wie möglich für den Hund gestalten (Kauknochen, Spielsachen, Höhlen, Futterschale), damit er dies nicht als Strafmaßnahme falsch interpretiert.
- Dieser Schlaf-, Spiel- und Fressplatz wird in der Regel von Hunden nicht verunreinigt. Bitte sperren Sie Ihren Hund natürlich nicht permanent in diesen "Laufstall", sondern lassen Sie ihn schrittweise im Laufe der Tage zunächst nur in einem, später in allen Räumen frei. Diese Vergrößerung des Aktionsradius ist natürlich abhängig vom Stand des Sauberkeitstrainings.
- Das Fütterungsmanagement muss dahingehend geändert werden, dass der Welpe keine Abendfütterung mehr erhält (letzte Gabe gegen 16.00 Uhr), womit man den Kotdrang in der Nacht minimiert. Nach einer zugestandenen Fütterungszeit von maximal 15 Minuten wird die Schale weggenommen, der Hund sorgfältig beobachtet und alle 15 Minuten die erwünschte Stelle draußen aufgesucht. Zusätzlich kann es nötig sein, nachts langsam die Intervalle bis zum Morgen zu verschieben. Beachte: Der Welpe muss jedoch ungeachtet seines Unsauberkeitsproblems immer genügend Wasser zum Saufen zur Verfügung haben!
- Das Grundprinzip des Sauberkeitstrainings ist es, den Welpen zur richtigen Zeit (anfangs alle halbe bis volle Stunde, bei beginnender Unruhe, jedes Mal nach der Fütterung) an den richtigen Ort mit erwünschtem Untergrund (Wiese, Gras, Erde, Sträucher, etc.) zu tragen. Das heißt, nach dem Schlafen, sofort wenn er erwacht, nach jedem Fressen und sobald er mit tiefer Nase am Boden sucht.
Ausreichendes und überschwängliches Loben
Wenn der Welpe die gewünschte Stelle nutzt, kann mit dem Auftrainieren eines "Lösungswortes"
("Fein A-A Machen" oder "Feines Pipi" während er Kot- bzw. Urin absetzt) eine positive Konditionierung erzielt werden. Viele Besitzer geben ihren Hunden nicht die Möglichkeit der Suche nach einem geeigneten Platz für Kot- und Harnabsatz, dabei sollte dem Hund genügend Zeit zur Elimination gegeben werden. Auslösereize und bekannte Stressoren sollten vermieden werden. Es gibt Hunde, die sich erst zu Hause sicher und geborgen fühlen und demnach auch die "Geschäfte" in Ruhe daheim erledigen wollen. Welpen, als kleine und potentiell rangniedrigere Hunde, haben häufig auch Angst, sich an den Stellen zu lösen, die bereits einige ältere und selbstbewusste Hunde als Toilette nutzen. Sie sparen sich die Elimination auf, bis sie zu Hause in Sicherheit sind, und nehmen lieber die Strafe des Besitzers in Kauf. Geben Sie Ihrem Liebling daher genügend Möglichkeiten und Zeit sich in Ruhe zu entleeren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2007, 15:51 Uhr


