Autozeit

Leichter leben | 30.05.2012 | 17:00 Uhr : Schönheitskur fürs Auto

Hitze, Staub, Schnee und eisige Temperaturen machen dem Autolack mächtig zu schaffen. Auch Steinschläge kratzen an der Fassade des fahrbaren Untersatzes. Auto-Experte Andreas Kessler verrät Ihnen Tricks zur Autopflege.

Waschanlage

Jedes Auto wird permanent "bewittert". Im  Frühjahr und Sommer verursachen Verunreinigungen durch angetrocknete Insekten, Vogelkot, Pollen oder Blattläuse, die sich durch die Lackschichten bis auf das Blech ätzen können, viel Ärger. Die Korrosionsschutzschicht, wie der Autolack im Technikerdeutsch gerne genannt wird, soll das Blech der Karosserie vor diesen Einflüssen schützen. Regelmäßige Lackpflege sorgt für den Werterhalt des Fahrzeuges und dient nicht nur der Optik. Neben der ganz normalen und letztlich auch nicht zu vermeidenden Alterung des Lackes gibt es punktuelle Beschädigungen des Lackkleides, im Volksmund "Steinschlagschäden" genannt.

Kratzer sind Nährboden für Rost

Steinschlag ist nicht nur ein optisches Problem: Werden die Kratzer nicht behandelt, kann es durch Feuchtigkeit schnell zu Rost kommen. Als Ersthilfe bietet sich die Verwendung eines Lackstiftes an. Wichtig ist, dass die Originalfarbe benutzt wird. Die Farbnummer des Fahrzeuglackes steht auf einer Plakette unter der Motorhaube. Vor dem Farbauftrag wird die Schadstelle gründlich  vom Schmutz befreit und entfettet. Anschließend wird der Kratzer mit feinem Schmirgel- oder Schleifpapier glatt geschliffen. Ist eine Grundierung nötig, wird diese daraufhin aufgetragen. Der Lackstift kommt erst dann zum Einsatz, wenn die zu behandelnde Stelle völlig ausgetrocknet ist. Erst jetzt wird die betroffene Stelle so lange betupft, bis diese mit Lack ausgefüllt ist. Bei tieferen Kratzern muss der Vorgang zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Eine gründliche Dusche

Autopapst Andreas Keßler
Autopapst Andreas Keßler

Die "normale" Lackpflege beginnt mit einer gründlichen Reinigung der Autooberfläche. Dafür kann gar nicht genug Wasser verwendet werden, um möglichst jedes Sand- und Staubkorn gut "geschmiert" schnell vom Lack abzuspülen. Die Handwäsche mit Eimer und Schwamm verbietet sich darum nicht nur von selbst, sondern auch durch entsprechende Umweltschutz-Verordnungen. Das Mittel der Wahl zum Säubern der Karosse ist daher die Waschanlage! Idealerweise sollte man die Waschanlage - speziell mit stark verschmutzten Autos - an einem Regentag aufsuchen. Die Verschmutzungen auf der Lackoberfläche sind dann nämlich durch das Regenwasser bereits gut durchweicht und verschwinden viel leichter im Abfluss der Waschanlage, als wenn die Brocken hart verkrustet auf dem Lack kleben.

Die richtige Kosmetik

Welches Polier- oder Pflegemittel gewählt werden muss, richtet sich nach dem Lackzustand des Fahrzeugs (neuwertig, matt oder verwittert?). Für Fall 1 (neuwertiger Lack) reicht eine Hartwachspolitur als Schutzschicht und Versiegelung. Matter, deutlich "gebrauchter" Lack verlangt etwas mehr Aufwand. Um ihn wieder zum Glänzen zu bringen, muss er zunächst mit einer Lackpolitur behandelt werden. Diese wird leicht und gleichmäßig aufgetragen und verteilt. Feine Kratzer an den Türgriffen oder an der Heckklappe werden etwas intensiver behandelt. Es empfiehlt sich, immer nur eine Teilfläche zu bearbeiteten, da die Politur sonst zu lange trocknet, hart wird und das Polieren anstrengend wird. Je nach "Schärfe" der Politur bleiben dabei mehr oder weniger Farbpartikel der oberen Lackschicht im Poliertuch hängen.

Das Ergebnis sollte eine Lackoberfläche sein, die etwa einem neuwertigen Lack entspricht. Als Abschluss kommt auch hier eine Versiegelung mit einem guten Hartwachs auf den Lack. Im dritten Fall braucht der Lack professionelle Methoden, um wieder schön glänzend zu werden. Ein "Lackreiniger" sollte am besten von einem Fachmann mit einer Poliermaschine auf dem Lack verteilt werden. Der Lackreiniger schleift einen Teil der Lackschicht ab und legt dadurch "gesunde" Partien des Farbkleides frei, das noch intakt und nicht verwittert ist. Für den gewünschten Glanz kann vielleicht sogar noch eine anschließende Politur erforderlich sein, um die Lackoberfläche wieder zu ebnen. Den Abschluss bildet auch hier wieder eine Versiegelung mit einem guten Hartwachs.

Der Lotus-Effekt

Auf der Suche nach Auto-Wachsen wird mancher vielleicht auch mit dem Begriff "Nanoversiegelung" konfrontiert, der in der Tat ein sehr ähnliches Thema betrifft. Diese Produkte basieren auf dem "Lotus-Effekt". Hierbei werden Nano- Partikel auf Oberflächen aufgebracht, welche - ähnlich die der Lotus-Blüte – schmutzabweisend wirken. Durch das Aufbringen werden kleinste Unebenheiten geglättet, sodass sich weder Schmutz noch Wasser auf der Lackoberfläche halten können. Richtig angewandt, macht eine solche Versiegelung eine Autowäsche fast unnötig, da sich das Auto bei Regen förmlich selbst wäscht. Trotzdem ist hier Vorsicht geboten, denn zum einen steht noch nicht fest, ob Gesundheitsrisiken entstehen und zum andern ist nicht in allen Produkten auf denen "Nano" draufsteht auch die Wirkung des Lotus-Effekts garantiert. Wer entsprechende Angebote vergleicht, findet Produkte von fünf bis 100 Euro, die den gleichen Erfolg versprechen. Das allein spricht für sich.

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2012, 13:41 Uhr

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