Leichter leben | 05.09.2012 | 17:00 Uhr : So leben Autos länger – vier Tipps für Sie
Das durchschnittliche Lebensalter von Autos in Deutschland beträgt zwölf Jahre. Viele Fahrzeuge könnten jedoch länger leben. Wie man sein Auto richtig behandelt, um ihm ein längeres Dasein auf der Straße zu gewähren, erklärt Autoexperte Andreas Keßler hier.
Wie halten Sie es mit dem Parken? Einparken, Motor aus, Handbremse? Sinnvoll ist dieser Ablauf nur in Gegenden, in denen der Parkplatz ein nennenswertes Gefälle hat. Um das Auto vor dem Wegrollen zu sichern, sollte man immer die Räder zum Bordstein hin einschlagen, einen Gang einlegen und die Handbremse anziehen. Auf dem platten Land hingegen reicht der eingelegte Gang als Wegrollsicherung völlig, die Handbremse kann entspannt bleiben. Handbremsen von älteren Autos neigen dazu, festzurosten und können dann nicht mehr gelöst werden. Unter dem Strich verhindert der sparsame Gebrauch der Handbremse zwar nicht die Reparatur, sorgt aber für spontanes Verlassen der Parkbucht.
Mit eingelegtem Gang an der Kreuzung?
Schlimmer ist das Warten auf "Grün" an der Ampel mit durchgetretener Kupplung und eingelegtem Gang. Diese Unart sollte man sich abgewöhnen. Dafür gibt es handfeste technische Gründe: Die Druckplatte der Kupplung eines Mittelklassewagens übt auf die Kupplungsscheibe den Druck von mehreren Hundert Kilo aus. Bei getretener Kupplung stützt sich diese Kraft gegen das Schwungrad und damit axial gegen die Kurbelwelle ab. Das Ganze geschieht bei laufendem Motor, man hat den Verschleiß an den Schultern der Kurbelwellenlager förmlich vor Augen. Zu großes Axialspiel der Kurbelwelle führt zwar nicht sofort zum Motorschaden, beschleunigt aber den Verschleiß und lässt den Motor lauter werden. Außerdem läuft bei betätigter Kupplung das Ausrücklager unter voller Drucklast mit, dieses Teil geht deswegen auch als erstes kaputt. Man merkt es an Geräuschen und Vibrationen im Kupplungspedal beim Auskuppeln. Ratsam ist beim Ampelstopp daher eine entspannte Stellung des linken Beines neben dem Kupplungspedal.
Was bedeutet die rote Öllampe?
Viele Autofahrer sind der Meinung, das rote Licht der Öldruckleuchte signalisiert den Moment, in dem Motoröl nachgefüllt werden muss. Das ist leider ein fataler Irrtum! Wenn die rote "Öldruckkontrolle" aufleuchtet, heißt das: Der Öldruck ist zusammengebrochen, der Motor läuft teilweise ohne Schmierung und verschleißt gerade in Rekordzeit. Es gibt zwar Autos mit einer "Ölstandkontrolle", Sicherheit verschafft aber nur der Schmierstoff-Check mit Hilfe des Ölpeilstabes im Motorraum. Wie der genau benutzt wird, steht detailliert beschrieben in der Bedienungsanleitung. Ähnliches gilt übrigens für den Stand des Öls im Automatik-Getriebe. Hierfür gibt es einen weiteren Peilstab, der leider nur sehr schlecht ablesbar ist. Der vorsorgende Automobilist hält im Kofferraum darum stets ein Fläschchen mit Automatiköl und dem Motoröl, welches gerade im Motor ist, griffbereit und ist dann für alle Fälle gerüstet.
Lass schon mal den Wagen warmlaufen!
Zum Schluss hier noch die Geißelung eines kaum ausrottbaren Fehlverhaltens: Das Warmlaufen lassen des Motors bei arktischen, aber auch bei tropischen Temperaturen. In der Frühzeit des Automobils mag das sinnvoll gewesen sein, um den Öldruck und die Kraftstoffversorgung auf ein stabiles Niveau kommen zu lassen. Die heutigen Hochleistungsöle schmieren unmittelbar nach der ersten Motorumdrehung jede noch so entfernte Schmierstelle und der Gesetzgeber verbietet jeden Lärm. Mancher lässt den Motor trotzdem "warmlaufen". Der Motor wird dabei aber gar nicht warm, weil er ohne Last vor sich hin "eiert". Er verbraucht dabei nur viel teuren Kraftstoff und produziert pro Liter Benzin etwa 1,1 Liter Kondenswasser. Dieses Kondenswasser, angereichert mit sauren Schadstoffen aus der Verbrennung, kondensiert alsbald an den kalten Rohren des Auspuffsystems und sammelt sich schließlich an dessen tiefster Stelle. Dort bleibt es und sorgt durch seine sauren Bestandteile von innen heraus für Korrosion und sehr bald für eine teure neue Auspuffanlage. Also: Auch bei -30°C gilt: Einsteigen, anschnallen, starten und sofort los fahren! Nach 300 Metern ist der Motor so warm, dass die Heizwirkung einsetzt.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Mittwoch, 5. September, ab 16.30 Uhr)
