Autozeit

Leichter leben | 09.05.2012 | 17:00 Uhr : Alte Autos neu entdeckt

So manche Automarke wurde 2011 eingestellt. Woher bekommen die Besitzer jetzt Ersatzteile und was sind diese Autos noch wert? Andererseits sind totgesagte Autos auferstanden, so der Fiat 500, der Käfer, der Mini und der MX5. Und was ist dran, an dem Gerücht, dass der Wartburg ein Comeback feiern soll? Andreas Keßler weiß Bescheid über neu entdeckte Alte ...

Käfer

Retro ist "in"! In unserer schnelllebigen Zeit sind immer mehr Menschen auf der Suche nach den "wahren Werten" und orientieren sich in die Vergangenheit. Doch die Bestseller von einst lassen sich heute nicht mehr kostendeckend herstellen, weil die aktuellen Sicherheits- und Umweltauflagen mit Autos wie R4, Käfer, Trabant und Co. nicht zu realisieren sind. Trotzdem denken viele Autofahrer mit Wehmut an die Fahrzeuge ihrer Jugend und würden sofort zuschlagen, wenn es diese Fahrzeuge wieder neu zu kaufen gäbe.

Kurzer Erfolg für den "New Beetle"

Diese Entwicklung ist der Industrie nicht verborgen geblieben. VW brachte deshalb 1998 den "New Beetle" auf den Markt, der sich unübersehbar an der äußeren Form des Heckmotorkrabblers von Ferdinand Porsche orientierte, der als "Käfer" weltberühmt geworden ist. Unter dem Blech des Wiedergängers verbarg sich aber die Technik des Golf 4. Entscheidender Vorteil des "New Beetle" war der wesentlich größere Kofferraum mit Heckklappe und die bessere Sicherheitsausstattung. Trotzdem hatte das Auto einige konzeptionelle Nachteile (Innenraumgröße) und wurde nach einem kurzen anfänglichen Hype kein großer Erfolg.

"New Mini" erobert Frauenherzen

Wesentlich besser konnte BMW mit dem "New Mini" die Erfolgsgeschichte des Kleinstwagens fortschreiben, der 1959 von Sir Alec Issigonnis erstmals auf die Kunden losgelassen worden war. Bis in das Jahr 2000 wurde der klassische Mini fast unverändert gebaut, um dann schließlich von seinem moderneren Nachfolger abgelöst zu werden. Beide Autos hatten das gleiche Konzept (sehr kompakte Karosserie, Frontantrieb, Motor quer unter der Fronthaube, excellente Fahreigenschaften) und vor allem ein unverwechselbares Design, mit dem vor allem weibliche Käufer im Sturm erobert wurden.

Cinquecento feiert Riesenerfolg

Sehr ähnlich agierte FIAT mit dem Fiat 500, der in den 1960er-Jahren die Italiener von der Vespa hinter das Lenkrad eines "richtigen" Autos holte. Der Riesenerfolg des Kleinwagens wiederholte sich mit der modernen Ausgabe in ganz Europa, der "neue" Cinquecento rettete durch seine zahlreichen Verkäufer wahrscheinlich die Marke vor der Pleite.

Klassisches Design modern verpackt

Allen Beispielen ist die Verbindung des "klassischen" Designs mit zeitgemäßen Verbrauchs- und Sicherheitsdetails zu teilweise deutlich über dem Klassendurchschnitt liegenden Preisen gemein. Der Kunde bezahlt also offenbar gern ein paar Euros mehr, wenn sich sein Auto vom grauen Massenmobil-Einerlei abhebt und nebenbei auch noch ein paar Emotionen weckt.

Die Wiederbelebung einer Marke allein reicht dafür übrigens nicht: Maybach war mal Top und wurde zum Flop, Dacia wechselte das Image von einer Trash-Marke mit Lizenzautos aus längst vergangenen Zeiten zum "Aldi" unter den Automarken. Die ersten Dacia-Modelle der Neuzeit sind jüngst beim TÜV-Mängelreport aber wieder auf dem Niveau ihrer Ur-Ahnen angelangt: Fast alle Indizes sind im roten Bereich.

Nicht jedem Modell oder jeder Marke, die vom Automarkt verschwindet, muss man eine Träne nachweinen. Der Markt hat gerade im Automobilsektor Gesetze, die auch Titanen zu Fall bringen können (siehe GM/Opel). Die selben Gesetze sorgen aber auch für enormen Erfolg, wenn es gelingt, die trocknen Vorgaben der Umwelt- und Sicherheitsforscher in eine Hülle zu packen, die Emotionen weckt. Wenn dann auch noch der Preis stimmt, ist es völlig egal, ob eine Marke mit einem ähnlichen Modell schon einmal Erfolg hatte oder erstmals auf dem Markt ist. Die Chinesen haben also alle Chancen der Welt, die Kultautos von morgen zu bauen.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2012, 11:31 Uhr

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