Leichter leben | 18.07.2012 | 17:00 Uhr : Mit Motorrad auf der Piste
Motorradfahrer lieben es, Straßen entlangzudüsen. Doch Motorradfahrer leben gefährlicher, wenn es nach der Unfallstatistik geht, betont Autoexperte Andreas Keßler. Die Initiative "Motorradsicherheit" bietet Fahrtrainings an, um das Bewusstsein der - immer älter werdenden - Fahrer zu schärfen und die Zahl der Unfälle zu verringern.
In den 1970er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat das motorisierte Zweirad sein "Behelfs-Image" abgelegt und wurde zum kultigen Freizeitvehikel. Die Japaner fluteten damals den Markt mit technisch außerordentlich anspruchsvollen Motorrädern, deren Leistungsdaten offenbar direkt von den Boliden der Rennstrecken zu stammen schienen. Seither kann ein Motorrad gar nicht genug Hubraum, Zylinder und Pferdestärken haben und muss beim leisesten Dreh am Gasgriff pfeilschnell in Richtung Horizont davon schnellen können.
Motorrad-Nachwuchs bleibt aus
Die Kids der Baby-Boomer-Generation machten damals pünktlich zum 18. Geburtstag den Führerschein, routinemäßig für Autos und Motorräder. Das war billiger, und außerdem in einem Aufwasch erledigt. Und vor dem ersten eigenen Auto wurde vor der Schule oder dem Ausbildungsbetrieb ordentlich am Hahn gedreht: Die Motorräder der 1970er- und 1980er-Jahre hatten noch Auspuffanlagen, die ihren Namen alle Ehre machten ...
Doch der Nachwuchs auf zwei Rädern bleibt seit Jahren immer mehr aus. Von 2002 bis 2010 ist die Zahl der Führerscheinneulinge von 270.000 auf 179.000 gesunken. Und wer die Fahrerlaubnis für Zweiräder nicht als junger Mensch macht, macht sie erfahrungsgemäß entweder überhaupt nicht oder erst im reiferen Alter, wenn die Kinder aus dem Haus sind und wieder mehr Geld verfügbar ist.
Zwei Drittel sind 40 und älter
Statistisch sind aktuell knapp zwei Drittel der rund drei Millionen Motorradfahrer in Deutschland 40 Jahre alt oder älter - Tendenz steigend. Das geht aus der Studie "Motorradfahren in Deutschland 2012" hervor, die die Motor Presse Stuttgart und das Institut für Demoskopie (IfD) gemeinsam erstellt haben.
Ähnlich sieht es mit dem Fahrzeugpark der deutschen Biker aus: Der Fahrzeugbestand altert zunehmend. Lag das Durchschnittsalter der zugelassenen Krafträder im Jahr 2007 noch bei 12,2 Jahren, waren es 2011 exakt zwei Jahre mehr. Vorstellbar ist, dass die alten Herren immer noch die "Sieben- Fuffziger" oder die "Z900" von einst in der Garage haben. Und auf dicke Brummer stehen auch diejenigen unter den Windgesichtern, die sich neue oder neuere Motorräder anschaffen. Der einzige verbliebene deutsche Motorradhersteller BMW, Platzhirsch in der Zulassungsstatistik, bietet bekanntlich eher große Kaliber an. Und genau die sieht man auf den großen Parkplätzen der Biker-Szene.
ADAC-Initiative für "Motorradsicherheit"
Ob betagtere Fahrer auf alten Maschinen glücklich sind, steht scheinbar außer Frage - sonst würden die Verkaufszahlen anders aussehen. Ob betagtere Fahrer auf alten Maschinen sicher unterwegs sind, ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Statistisch sinkt zwar seit Jahren auch die Zahl der Verkehrsopfer, die als Motorradfahrer am Straßenverkehr teilnehmen, aber längst nicht so stark wie die der Autofahrer. Das kann am Alter der Motorräder liegen, die noch ohne ABS unterwegs sind, aber auch am zunehmenden Alter der Fahrer. Der ADAC hat deshalb die Initiative "Motorradsicherheit" gestartet, in der es um die besten Tricks zum sicheren Motorradfahren, zur richtigen Kleidung für Biker geht. Denn gerade für die gilt: Wer rastet, der rostet.....
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(Mittwoch, 18. Juli, ab 16.30 Uhr)
