Leichter leben | 26.09.2012 | 17:00 Uhr : Was dem Mann das Auto, ist der Frau die Handtasche ...
Das Kind im Manne zeigt sich ganz besonders deutlich, wenn es um Autos geht: Eigentlich sind die Blechkisten für die meisten Männer große Spielzeuge, an denen sie ungemein viel Spaß haben - mit denen man schnell fahren kann, an denen man herumschrauben kann, die gut aussehen, um die einen der Nachbar beneidet und mit denen man Frauen beeindrucken will. Kurz: Was für die Frauen das Schuh- oder Handtaschengeschäft ist, ist für Männer die Online-Autobörse oder der Gebrauchtwagenmarkt. Andreas Keßler verrät, wann Männeraugen bei Autos zu leuchten beginnen.
Während bei Frauen im Zusammenhang mit Autos die Vernunft ganz weit vorn steht und schließlich auch die Kaufentscheidung beeinflusst, kauft sich der Mann eher ein unvernünftiges, dafür emotional ansprechendes Auto. Im Vorfeld eines Autokaufs ist der Mann dabei merkwürdigerweise fast auf dem selben Niveau wie die Frauen: Aus dem eigentlich idealen Auto mit Mini-Verbrauch, Riesenkofferraum und Super-Sparmotor wird nicht selten ein Luxusschlitten mit V8-Motor und Lederausstattung.
Gleich ist hingegen bei den privaten Autokäufern die mittlere Kaufsumme: Während Frauen tatsächlich moderne Kleinwagen kaufen, die relativ teuer sind, kauft sich der Mann für das gleiche Geld lieber ein gebrauchtes Luxusmobil. Die Diskrepanz zwischen den Vor- und Nachkauf-Szenarien dürfte beim Mann in der Evolutionsgeschichte begründet sein: Schon in der Steinzeit mussten die Männchen mächtig auf die Tube drücken, um aus der Masse der anderen herauszustechen. Damals gelang das mit großen Keulen und furchteinflößendem Balzgehabe, heute wird das elegant mit einem Automobil erledigt.
Hingucker Oldtimer
Die Industrie macht es den modernen Männchen dabei nicht leicht, sich von den anderen Autolenkern abzuheben: Die Dienstwagen dieser Welt sind alle grau oder schwarz und sehen sich als Silhouette zum Verwechseln ähnlich. Alles "Kleine" für den privaten Autokäufer ist zwar deutlich bunter, aber relativ zur Größe auch teuer. Für das gleiche Geld lässt sich oft auch eine repräsentative Ex-Vorstandslimousine kaufen, die deutlich mehr her macht. Oder ein stilvoller Oldtimer, der auch den Kumpels vom Stammtisch bewundernde Worte abringt. Oldtimer sind durch ihre begrenzte Verfügbarkeit ideal zur Imagebildung geeignet und durch ihre mittlerweile auffällig unverwechselbare Form ideal als Blickfang für die Damenwelt geeignet. Vor die Wahl gestellt, in einen silberfarbenen Mittelklassewagen oder in ein dunkelgrünes Cabrio aus den 1970ern zu steigen, werden die weitaus meisten Damen die "oben-ohne" Variante wählen. So ein Auto in "Neu" ist für die allermeisten Herren unbezahlbar und in den Dienstwagenflotten der großen Firmen undenkbar.
Gut ist nicht gut genug
Wo Frauen auf die Farbe abfahren, ist den Männern die Größe der Räder wesentlich wichtiger. Frauen wollen einfach nur fahren, und das möglichst problemlos. Die Herren verlangen dabei aber nach frischen Infos aus dem Verkehrslagezentrum, selbstverständlich auch als Laufschrift auf dem Bildschirm und in perfekter Klangqualität übertragen. Das so eine Multi-Media-Anlage sehr teuer und kompliziert zu bedienen ist, schreckt dabei keinen: Schließlich können echte Männer alles (bedienen), oder?
Das "echte Männerauto" ist im Jahre 2012 immer noch der konventionell angetriebene Sportwagen mit klassischen Interieur (Leder, viele Uhren, geschlossenes Dach), der wesentlich schneller fahren kann als erlaubt. Oder eben der Oldtimer aus der Kinderzeit, das Spitzenmodell aus der Kleinwagenklasse, der mit dem großen Motor unter der Haube oder (und das wird immer häufiger), ein Mietwagen aus der eben genannten Kaste. Der moderne Mann ist nämlich ähnlich rational wie die Damenwelt, nur noch konsequenter: Wozu ein Auto kaufen, das nur ungenutzt vor der Tür steht? Für die wenigen Augenblicke "in Fahrt" tut es auch Car-Sharing oder ein Mietauto ... Nur Emotionen darf man von denen nicht erwarten.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Mittwoch, 26. September, ab 16.30 Uhr)
