Leichter leben | 14.11.2012 | 17:00 Uhr : Ein SUV ist nicht immer ein Jeep
Ein Geländewagen im Großstadtdschungel - passt das? Und was ist eigentlich der Unterschied zu einem SUV? Andreas Keßler verrät es und erklärt auch, wo die Wurzeln dieser Autoart liegen.
Immer mehr, immer höher, immer weiter: Die Deutschen werden immer dicker, immer größer und brauchen deshalb immer mehr Platz. Beim Blick in die Zulassungsstatistiken wird klar: SUVs sind die Umsatzbringer. Sie sind noch etwas dicker, noch etwas höher und gerne auch stärker als die klassischen Kombis. Wer heute etwas auf sich hält, der bringt die Kinder im Jeep, im X5 oder in der M-Klasse in den Kindergarten oder zum Sport. Die City-Cruiser finden die Nachfahren von Landrover und Willy's Jeep einfach schick!
Was sind SUVs eigentlich?
Der Name ist die Abkürzung für "Sport-Utility-Vehicle", was "sportliches Nutzfahrzeug" bedeutet. Bei den Amerikanern ist diese Fahrzeuggattung schon seit Jahrzehnten ein Verkaufsschlager, in Europa begann der Boom dieser Autos erst gegen Ende der 1980er-Jahren. Wegbereiter waren der Jeep Cherokee und der Mitsubishi Pajero. Letzterer wurde durch eine endlose Reihe von Siegen bei der Rally von Paris nach Dakar berühmt - der Jeep konnte vom sagenhaften Ruf seines Urahnen profitieren, der im Zweiten Weltkrieg von den Stränden der Normandie bis zum Brandenburger Tor fuhr. Das Lastenheft der genannten Geländewagen war relativ dünn: Bodenfreiheit, Allradantrieb, ein robuster Rahmen mit schluckfreudiger Federung und eine Technik, die auch nach einer Flussdurchquerung nicht mehr als einen scharfen Wasserstrahl zur Reinigung brauchte.
Ursprünglich im Militärwesen
Landrover und Landcruiser, die Zivilversionen des Army-Jeeps, und das G-Modell, das Fans "Unimog de Luxe" nennen - alle diese Autos waren ursprünglich einmal für das Militär konstruiert worden. Im Innenraum herrschte nacktes Blech und Kunstleder vor, Klimaanlagen und Automatikgetriebe waren für die Beschaffungsspezialisten in militärgrün dekadentes Teufelszeug. Um über steile Gebirgspfade oder durch Flussbetten voller Kieselsteine zu den jeweiligen Manövergebieten zu gelangen, waren die "Geländewagen", wie diese Vehikel bald genannt wurden, aber trotzdem unersetzlich. Mit Untersetzungsgetriebe, mehreren Differentialsperren und lärmend abrollenden Militärpneus gab es kein Halten. Wo die "Jungs" nicht durch- oder hochkamen, kam niemand hoch oder durch!
Geländewagen erreichten Kultstatus
Irgendwann fuhren die ersten G-Modelle mit Förstern und Waldarbeitern durch Städte und Dörfer, Yuppies kauften sich von der britischen Armee ausgemusterte Landrover und die Ehefrauen amerikanischer GI's fuhren im Comanche oder Cherokee zum Einkaufen. Diese Generation der Geländewagen hatte schon mehr Komfort und vor allem deutlich mehr Kraft unter der Haube. Immerhin kam zum bisher gewohnten Einsatzbereich der "harten Knochen" jetzt ein Bereich hinzu, der Leistung erforderte: die Autobahn. Am Ende hatten die Boliden V-Motoren unter der Haube.
SUV im Wandel
Immer mehr Autofahrer möchten sich in Zeiten des Hybrid- und Elektrofahrzeug-Hypes nicht mehr mit so einem Auto sehen lassen. Das ist aber erst eine Tendenz - noch legen SUVs in der Zulassungsstatistik zu. Allerdings handelt es sich bei diesen Vertretern der Spezies um deutlich kleinere und als fast umweltfreundlich zu bezeichnende Modelle. Größe und Gewicht rangiert aktuell im Bereich der oberen Mittelklasse, der starre Rahmen ist durch selbsttragende Karosserien ersetzt und die Motoren sind fast ausschließlich Dieselaggregate mit Partikelfilter.
Unter dem Blech ist die Elektronik eingezogen und häufig gibt es nicht einmal mehr zwei angetriebene Achsen. Nur der "Look" ist noch der eines Geländewagens, die Sitzposition ist hoch und die Karosserie bietet sehr viel Platz. Und die "echten" SUVs mit Allradantrieb können auch immer noch ordentlich "was ziehen", wenn es sein muss - auch von einer nassen Wiese.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Mittwoch, 14. November, ab 16.30 Uhr)
