Leichter leben | 20.06.2012 | 17:00 Uhr : Die ersten 1.000 Kilometer
Warum war früher das "Einfahren" nötig und heute nicht mehr? Ursache ist der jeweils herrschende Stand der Technik: Vor 80 Jahren waren die Fertigungstoleranzen größer und die verwendeten Schmiermittel noch nicht so weit entwickelt wie heute, es musste mit Ausfällen durch Überlastungen und Mangelschmierung gerechnet werden. Mit der fortschreitenden Technik brauchten Motoren nicht mehr "eingefahren" werden, es reichte eine gewisse Schonzeit zu Beginn des Autolebens und ein Motorölwechsel nach den ersten 1.000 km Fahrstrecke.
Was passiert während der ersten Kilometer eines Autolebens unter der Motorhaube, im Innern des Motors und in den Lagern des Getriebes? Jedes Teil im Motor wird während der Fertigung mit einer vorher exakt festgelegten Genauigkeit gefertigt. Das muss nicht so genau wie möglich, aber immer so genau wie nötig sein. Der Begriff Genauigkeit umfasst nicht nur die Abmessungen eines Teils, sondern auch dessen Härte und Oberflächenqualität.
Ist ein Auto zu gut, kauft der Autofahrer nicht schnell genug ein Neues!
Seit einiger Zeit ist für Fachleute eine gewisse Rückentwicklung erkennbar. Die Anforderungen, die heute an die Motoren und Fahrwerkstechnik gestellt werden, sind enorm: Das Auto muss spurtstark, leise, sparsam, sicher, sauber, wartungsarm und billig sein - und es muss seinen Erzeugern möglichst viel Geld in die Kasse spülen. Wenn beide Forderungen verquickt werden, geht es an Eingemachte: Die Konstrukteure müssen sparen, damit das Auto in der Herstellung nicht zu viel kostet und damit es nicht zu lange hält: Ist ein Auto zu gut, kauft der Autofahrer nicht schnell genug ein Neues! Das ist natürlich niemals belastbar zu beweisen, die Tendenz ist aber erkennbar. Ob dieser "Roll-back" ausschließlich von den Controllern der Industrie gesteuert wird oder ob die Entwickler die sich widersprechenden Konstruktionsziele einfach nicht besser unter einen Hut bekommen, ist nicht sicher. Jedenfalls sind ganz moderne Autos wesentlich sensibler als die Neuwagen von vor 15 Jahren.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
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(Mittwoch, 20. Juni, ab 16.30 Uhr)
