Autozeit

Leichter leben | 14.03.2012 | 17:00 Uhr : Teure Ersatzteile - Muss das sein?

Wer für sein Auto Ersatzteile mit dem Logo des Herstellers kauft, muss oft tiefer in die Tasche greifen. Dabei kann man sparen: Identische Originalteile haben einen durchschnittlichen Preisunterschied von bis zu 36 Prozent. Autoexperte Andreas Keßler erklärt hier die Details.

Ein Mechaniker baut ein KFZ-Ersatzteil in ein Auto ein.

Wer für seinen VW-Golf einen neuen Scheinwerfer kaufen möchte, wird am Teiletresen des Vertragshändlers ein entsprechendes Ersatzteil bekommen: Garantiert zum Auto passend, in der Verpackung mit dem VW-Logo und als "Original-Ersatzteil" entsprechend teuer. Der Scheinwerfer wird jedoch nicht in Wolfsburg hergestellt und verpackt, sondern in Ostwestfalen bei Hella, in Baden-Württemberg bei Bosch oder in Frankreich bei Valeo oder sogar in Brasilien bei den dortigen Töchtern der genannten Zulieferer. Diese Aufzählung ist nur beispielhaft und ließe sich ohne Mühe um viele Hersteller, Produktionsstandorte und Produkte erweitern.

20 bis 40 Prozent lassen sich sparen

Der Tipp: Man könnte versuchen, zu einem identischen Teil direkt vom Hersteller zu greifen, auch wenn dieses in einer anderen Schachtel steckt. Diese folgerichtig "Identteile" genannten Autokomponenten werden von den Zulieferern über den freien Kfz-Ersatzteilhandel vertrieben und dort in der Regel 20 bis 40 Prozent billiger als die anders verpackten Chargen der Produktion angeboten. Einmal ins Auto eingebaut, lässt sich das Identteil nicht mehr vom Original-Teil unterscheiden.

Andreas Keßler
Geld sparen mit "Identteilen" - Andreas Keßler weiß wie es geht.

Das ist längst kein Geheimtipp mehr: Sehr viele Autofahrer greifen zu "Identteilen" und sparen so viel Geld am Teiletresen. Der Autoindustrie ist das natürlich ein Dorn im Auge, weil der Teileverkauf deutlich lukrativer als der Verkauf von ganzen Autos ist. Bei ganz neu auf den Markt gebrachten Autos verbieten die Hersteller deshalb ihren Zulieferern, bestimmte Teile als "Identteil" in die Kanäle des Teilemarktes zu bringen. Die Teile sind zunächst "gesperrt" und nur als teures Original-Teil erhältlich.

Nachbauteile sind für ältere Autos interessant

Ersatzteile von Herstellern, die nicht zu den Original-Zulieferern gehören, werden als "Nachbauteile" bezeichnet, deren Qualität sehr nahe an den Original- oder Identteilen liegen kann. Es gibt in diesem Segment aber auch sehr viele Angebote von asiatischen, russischen und indischen Herstellern, die qualitativ abfallen. Wenn diese Teile aber rechtlich zulässig zum Einbau in deutsche Autos sind, kann man erhebliche Ersparnisse erzielen. In der Regel halten Nachbauteile aber nicht so lange oder haben geringere Leistungen als Original-/Identteile. Der Einsatz von Nachbauteilen kann sich aber lohnen, wenn man ein Auto fährt, dessen Lebensdauer durch andere Faktoren ohnehin nur noch begrenzt ist.

Frau verzweifelt vor Laptop
Wer im Internet dubiose Ersatzteile kauft, kann damit reinfallen.

Übertreiben sollte man beim Sparen an Autoersatzteilen aber nicht! Durch das Internet kommen immer mehr Ersatzteile aus dubioser Quelle auf den Markt, die nicht nur die Hersteller als Fälschungen brandmarken. Unter dem Strich ist der gutsortierte, mittelständische Kfz-Zubehörhandel als Ersatzteilquelle erste Wahl. Als technisch durchschnittlich informierter Autofahrer ist man beim Kauf im Internet immer dem Irrtumsrisiko ausgesetzt, was zu teuren Rücksendungen führt. Die Beratung durch einen gut ausgebildeten Ersatzteil-Fachverkäufer ist durch nichts zu ersetzen, zumal man dadurch oft zusätzlich Geld spart. Denn nur ein Ersatzteilprofi kennt nicht nur das exakt passende Ersatzteil, sondern auch die ggf. zusätzlich nötigen Dichtungen und Kleinteile. Und er kennt ganz sicher die günstigsten Quellen, weil er sich gegen das Internet behaupten möchte.

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2012, 14:50 Uhr

Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517

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(Mittwoch, 14. März, ab 16.30 Uhr)

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