Autozeit

Leichter leben | 21.03.2012 | 17:00 Uhr : Inspektion zum Sparpreis

Der nächste Inspektionstermin ist fällig, das kann kosten ... Doch muss der Wagen unbedingt beim Hersteller auf die Bühne? Freie Werkstätten prüfen Autos zum Billigtarif. Doch ist billig auch gut? Autoexperte Andreas Keßler hat Tipps.

Blick in Autowerkstatt

Um Autopannen zu vermeiden, haben Techniker schon in den ersten Tagen des Automobilbaus zusammen mit dem Fahrzeug Wartungspläne verkauft. Darin steht, nach welcher Laufleistung und/oder welcher Zeit ein Fachmann das Auto inspizieren sollte, um beginnenden Verschleiß zu erkennen. Die Techniker nennen das, was nach einer Inspektion geschieht, gerne „Wiederauffüllen des Verschleißvorrates“. Ein neuer Bremsbelag hat  zum Beispiel 100 Prozent Verschleißvorrat, nach 15.000 Kilometer sind es vielleicht noch 45 Prozent und mit den nach 25.000 Kilometern erneuerten Bremsbelägen wieder 100 Prozent.

Regelmäßige Wartung beugt Verschleiß vor

Wer die Termine herauszögert, weil er so sparen will, kann schnell Probleme bekommen: Tritt  zum Beispiel innerhalb der Garantiezeit ein Motorschaden auf, sorgt ein im Serviceheft fehlender Inspektionsstempel in der Regel für ein Loch auf dem Bankkonto. Da das Thema „Inspektion“ neben seiner Schlüsselfunktion für die Garantie/Gewährleistung eine große psychologische Komponente hat, haben sich clevere Verkäufer mit auf den Zug gesetzt und bieten regelmäßig „Frühjahrs-Checks“, „Urlaubs-Durchsichten“ oder „Winter-Dienste“ an. Vermarktet wird das entweder über Werbezettel oder Supermarktketten, geworben wird etwa mit „12-Punkte-Programmen für 12,99 Euro“. Der einzige Nutznießer davon ist jedoch die Werkstatt, in die der Inspektionskunde mit seinem Auto fährt.

Inspektion ist nicht gleich Reparatur

Autopapst Andreas Keßler
Autopapst Andreas Keßler

Ist der Wagen erst einmal auf der Bühne, wird ganz sicher etwas gefunden. Und wenn die Diagnose steht, unterschreibt der Kunde zähneknirschend den Auftrag, der den Inspektionspreis locker verzehnfacht. Denn eins steht fest: Die Inspektion ist keine Reparatur. Das Auto wird nur von einem Fachmann „inspiziert“ (daher der Name), im besten Fall werden das Kühlmittel und die Scheibenreinigungsflüssigkeit ergänzt. Der Schluck Öl zum Nachfüllen kostet schon zusätzlich Geld. In der Garantiezeit ist der Autobesitzer an die Vertragspartner seiner Automarke gebunden; nur mit deren Werkstattdienstleistungen erhält er sich die versprochenen Gewährleistungs-, Garantie- oder Kulanzleistungen.

Sichergehen mit DEKRA und Co.

Wer ganz sicher sein möchte, dass die Inspektion ohne Umsatz-Hintergedanken nur den Momentanzustand der Technik beschreibt und erst nachträglich in Ruhe zu Hause entscheiden möchte, ob er reparieren lassen möchte oder nicht, braucht eine wirklich seriöse (Stamm-)Werkstatt. Oder er geht zu einer der großen Überwachungsorganisationen (TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS etc.) und bittet um einen Check des Autos. Angeboten wird so etwas als „Gebrauchtwagencheck“ und kostet zwischen 40 und 60 Euro. Das ist zwar nicht so billig, aber letztlich vermutlich viel preiswerter: auf den Prüfbahnen der Gutachterorganisationen wird nämlich nicht repariert, deshalb kann man ziemlich sicher sein, dass einem keine intakten Stoßdämpfer gewechselt und völlig einwandfreie Bremsscheiben erneuert werden. Und Angst um die TÜV-Plakette muss man auch nicht haben: Die Gutachter kratzen die wirklich nur im Extremfall ab - wenn die Bremse komplett ohne Wirkung ist oder die Lenkung versagt....

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2012, 14:13 Uhr

Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517

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(Mittwoch, 21. März, ab 16.30 Uhr)

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