Autozeit

Leichter leben | 13.06.2012 | 17:00 Uhr : Alles im Kasten mit Kangoo, Berlingo und Co.

Kastenwagen werden inzwischen von fast jeder Automarke angeboten. Sie sind oft alltagstauglich und auch als Familienfahrzeuge unschlagbar. Gebrauchte Kastenwagen gibt es für wenig Geld auf dem Markt. Doch was bietet welches Modell und worauf sollte der Käufer unbedingt achten? Unser Autoexperte Andreas Keßler erklärt hier, worauf man beim Kauf achten sollte.

Kastenwagen

Die große Ladekapazität und das etwas andere Äußere von Turnier, Caravan und Break (französische Bezeichnung für Kombi) hatte zunächst noch nichts mit Lifestyle und Design zu tun, sondern war schlicht die Silhouette eines Nutzfahrzeuges. Das ist heute deutlich anders - spätestens seit 1978, als Mercedes das erste T-Modell (T = Transport und Touristik) einführte, sind Kombis die besseren Limousinen und einfach "hip". Das führte leider zu einer Preisexplosion. Wer durch seine Familie und/oder seinen Beruf auf das Quäntchen mehr an Laderaum angewiesen ist, weicht deshalb immer öfter auf "echte" Nutzfahrzeuge aus. Die Industrie hat das erkannt und bietet familiengerecht ausgestattete Kastenwagen an.

Nutzfahrzeuge als bezahlbare Familienkutschen

Kastenwagen können einerseits ihre Nutzfahrzeug-Gene nicht verleugnen, bieten aber viel bezahlbaren Platz und vor allem alltagstaugliche Qualität. Die Konstrukteure und Designer von kleinen, Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeugen haben zunächst natürlich ihre eigene Klientel im Blick: Fuhrparkmanager, Botendienste, Kleingewerbetreibende sind bekanntermaßen kritisch und lassen den Herstellern überzogene Preisvorstellungen und Qualitätsmängel nicht durchgehen. Was bei solchen Kunden auf den vorderen Rängen der Beliebtheitsskala mitspielt, ist für den Familienvater gerade richtig.

Blick ins EU-Ausland lohnt sich

Wer also Abstriche beim Design, keinesfalls aber bei den Kosten und dem Platzangebot machen möchte, wird an Caddy, Berlingo, Combo und Co. nicht vorbei kommen. Und es gibt noch viel mehr Modelle als die genannten: Durch die teilweise sehr attraktiven Steuervorteile für  Klein-Lkws in anderen EU-Ländern bieten die großen Hersteller auf diesen Märkten Nutzfahrzeugversionen von ihren Topsellern an, ohne dass hierzulande irgend jemand davon wüsste.

Günstige Besteuerung nach Gewicht

Autopapst Andreas Keßler
Autopapst Andreas Keßler

Dacia baut z.B. vom Logan nicht nur den ohnehin schon sehr preisgünstigen Logan-Kombi, sondern auch eine  Variante, die noch einmal deutlich weniger kostet. In diesem Auto gibt es allerdings keine Fenster in den Fondtüren, und eine Sitzbank ist auch nicht vorgesehen. Würde man beides nachrüsten, würde sich die Kfz-Art ändern, was in den Papieren geändert werden müsste.

Aus einem "Lkw" würde so ein Pkw-Kombi. Und das hat neben den Gebühren für die Änderung der Fahrzeugpapiere sofort auch steuerliche Konsequenzen: Während Pkw nach der Größe des Motorhubraumes und der Schadstoffklasse besteuert werden, wird ein fast identisches Auto als Lkw-Version nur nach Gewicht besteuert. Speziell bei älteren Dieselfahrzeugen kann das viel Geld sparen.

Kostenspielige Kfz-Haftpflichtversicherung

Wer die günstige Gewichtsbesteuerung für sein Auto schließlich bewilligt bekommen hat, fällt beim Erhalt der Rechnung für die Kfz-Haftpflichtversicherung wieder aus allen Wolken: Was eben an Steuern gespart wurde, holen sich die Versicherer doppelt zurück. Statistisch verursachen die Fahrer von Kleintransportern viele und folgenschwere Unfälle, was die Versicherungsprämien im Vergleich zu sehr ähnlichen Pkw-Modellen des Herstellers regelrecht explodieren lässt.

Und noch ein kostensparender Trick

Ein entscheidendes Argument - neben der Robustheit und der Wartungsfreundlichkeit - spricht für die kleine Nutzfahrzeugen (auch) als Familientransporter: Wer so ein Auto als Firmenwagen auch privat nutzen darf, muss kein Fahrtenbuch führen und trotzdem keinen geldwerten Vorteil aus der Nutzung versteuern! Die private Nutzung eines als Lkw zugelassenen Autos kann sich das Finanzamt nämlich nicht vorstellen ...

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2012, 12:35 Uhr

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