Autozeit

Leichter leben | 16.01.2013 | 17:00 Uhr : Tipps zum Prüfen von Motor-Flüssigkeiten

Ob Motor-Kühlung, Bremsen, Frostschutz der Scheibenwischanlage oder Servolenkung - überall sorgen Flüssigkeiten für einen reibungslosen Ablauf. Autoexperte Andreas Keßler verrät, was beim Nachfüllen zu beachten ist.

Eine Frau mit einem Ölstab vor einer geöffneten Motorhaube

Viel ist es nicht, was der Selbermacher unter der Motorhaube noch im Griff hat. Zu den wenigen Möglichkeiten zählt das Nachfüllen der Flüssigkeiten, die das Auto in Bewegung und am Leben halten. Neben Benzin und Diesel braucht das Auto Öl (unterschiedliche Qualitäten für Motor, Getriebe und Achsantrieb), Hydraulikflüssigkeit für die Servolenkung, Bremsflüssigkeit für das Bremssystem, Kühlmittel für den Motorkühler und die Heizung, Scheibenreinigungsflüssigkeit für die Scheibenwaschanlage und schließlich destilliertes Wasser für die Batterie. Das Kältemittel der Klimaanlage ist ein Sonderfall und kann nur von Profis kontrolliert und ergänzt werden. Das destillierte Wasser für die Batterie ist hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, weil bei den allermeisten (wartungsfreien) Batterien gar keine Möglichkeit mehr zum Nachfüllen besteht. Wenn das noch der Fall sein sollte, darf nur destilliertes Wasser dazu verwendet werden. Doch was kann nun bedenkenlos nachgefüllt werden?

Stichwort: Kühlflüssigkeit

Autopapst Andreas Keßler
Andreas Keßler

Auf gar keinen Fall gehört destilliertes Wasser ins Kühlsystem! Es wird zwar immer wieder dazu geraten, um die Kalkbildung zu vermeiden. Tatsächlich ist destilliertes Wasser im Kühlsystem jedoch sehr aggressiv. Der Grund dafür ist das Fehlen der Calcium-Ionen des normalen Wassers, die sich das destillierte Wasser aus den diversen Metallen des Kühlsystems "holt" und so für Korrosion sorgt. Leitungswasser mittlerer Härte ist deshalb das Wasser der Wahl, wenn es um das Nachfüllen geht. Außerdem sind die handelsüblichen Kühlerfrostschutzkonzentrate auf die Verwendung mit Leitungswasser abgestimmt und erfüllen nur dann ihre Aufgabe (Frost- und Korrosionsschutz) perfekt. Einmal im Kühlsystem, sollte das Kühlmittel möglichst nicht durch ständiges Nachfüllen "verwässert" werden, weil neben der Verdünnung des Frostschutzes auch frischer Sauerstoff ins System gelangt. Der sorgt für eine aggressivere Atmosphäre im Kühlsystem und sollte deshalb möglichst vermieden werden. Undichte Stellen müssen darum umgehend gefunden und repariert werden.

Stichwort: Bremsflüssigkeit

Sehr sensibel reagiert auch das Bremssystem auf Missachtung: Wenn die Bremsflüssigkeit nicht alle zwei Jahre erneuert wird, reichert sie sich so stark mit Wasser aus der Luftfeuchte an, dass ihr Siedepunkt in gefährliche Bereiche sinkt. Das kann im Extremfall (wenn man etwa mit einem schweren Wohnwagen im Schlepptau im Hochsommer eine Alpenüberquerung unternimmt) zum Sieden der Bremsflüssigkeit und daraus resultierendem Totalausfall der Bremse führen. Viel häufiger tritt aber ein anderes Problem auf, wenn der Wechsel der Bremsflüssigkeit verschlampt wird: Der steigende Wasseranteil der Bremsflüssigkeit führt zu Korrosion an der Bremshydraulik, was zu sehr hohen Reparaturkosten führt. Die lassen sich durch den regelmäßigen Bremsflüssigkeitswechsel problemlos vermeiden.

Stichwort: Servoöl

Teuer werden kann es auch, wenn man Geräusche beim Lenken ignoriert. Wer noch mit einer hydraulischen Servolenkung unterwegs ist (seit einiger Zeit werden bei kleineren Autos nur noch elektrische Systeme verbaut), sollte auf Pfeifen, Seufzen oder Schnarren achten: Diese Geräusche sind Strömungs- oder Pumpgeräusche der Servopumpe, die "Luft zieht" und sich dadurch selbst zerstört. Neben dem Sicherheitsrisiko einer sich plötzlich verhärtenden Lenkung kann auch das zu hohen Kosten führen.

Eine neue Servopumpe kostet deutlich dreistellige Beträge zuzüglich Einbau. Wer sich vorher über die Einbauposition und das Hydraulikmedium seiner Servolenkung informiert, kann durch einfache Sichtkontrolle prüfen, ob noch genug Servoöl im Vorratsbehälter ist. Details dazu stehen in der Bedienungsanleitung des Autos. Die vom Hersteller vorgeschriebenen Servo- oder Hydrauliköle sind dort ebenfalls genannt, in der Regel wird dort auf teure Spezialangebote beim Vertragshändler verwiesen. Man kann aber identische Öle im Zubehörhandel kaufen, die trotz einer anderen Bezeichnung auch freigegeben sind. Hier sind Einsparungen bis zu 50 Prozent möglich.

Stichwort: Frostschutzkonzentrat

Neben Winterreifen schreibt der Gesetzgeber im Winter unter dem Stichwort "witterungsentsprechende Ausrüstung" eine genügend frostsichere Mischung in der Scheibenwaschanlage vor, damit der Salzmatsch auch bei Minusgraden durch einen Druck auf den Sprühhebel von der Frontscheibe (und den Scheinwerfern) gewaschen werden kann. Um Frostschutz zu erzielen, bietet der Kfz-Zubehörhandel unzählige mehr oder weniger kostspielige Frostschutzkonzentrate an. Um den Überblick zu behalten, sollte man beim Kauf nicht nur den Preis, sondern auch die maximal erreichbare Frostfestigkeit im Auge behalten. Wenn ein 5-Liter-Kanister bis - 60°C Frostschutz bietet, reicht der Inhalt (entsprechend verdünnt) dreimal so lange wie ein ähnliches Behältnis, deren Inhalt bis mit - 20°C- geeignet ist. Achten Sie hier auf die Vermerke zur Fächerdüseneignung und Lackfreundlichkeit.

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2014, 17:09 Uhr

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