Autozeit

Leichter leben | 21.11.2012 | 17:00 Uhr : Neuwagen unter 10.000 Euro

Da Autos immer teurer werden, entscheiden sich viele beim Kauf für einen Gebrauchten. Für die, die in einen Neuwagen steigen wollen, hat Andreas Keßler Tipps, wie Sie trotzdem nicht so tief in die Tasche greifen müssen.

Fiat Panda

Die Preise von Astra, Focus, Golf und Co. haben sich aber in den letzten 20 Jahren verdoppelt, die Angebote der Premiumhersteller in diesem Segment sind für Normalverdiener nahezu unbezahlbar und werden in erster Linie von Dienstwagenfahrern bestellt. Für viele Autofahrer stellt sich daher die Frage, ob es beim Autokauf ein jüngerer Gebrauchter oder doch ein ganz neues Auto sein muss.

Klein, aber fein

Grundsätzlich ist es möglich, ein neues Auto zu kaufen, das weniger als 10.000 Euro kostet. Wer sich mit dem Gedanken trägt, so ein "Aldi-Auto" zu kaufen, muss sich allerdings einige Punkte vergegenwärtigen: In diesen Segment gibt es keine High-Tech-Mobile mit serienmäßiger Blue-Tooth-Schnittstelle, Klimaautomatik und Fahrerassistenzsystemen. Es geht hier um "Kleinstwagen", die allerdings im Augenblick "hip" sind, dem Rohölpreis sei dank. Der Trend zum "Downsizing" und ökologisch korrektem Handeln beflügelt den Absatz dieser kleinen Flitzer, und eigentlich spricht auch nicht viel gegen den Kauf solcher Autos.

Solide in Ausstattung und Design

Im Gegensatz zu den "Gehhilfen" aus zurückliegenden Epochen sind moderne Kleinstwagen fast perfekt zu nennen: Sie haben ABS-geregelte Bremsen, das inzwischen gesetzlich vorgeschriebene ESP und Schadstoffminderungsanlagen an Bord, die sie fast zu fahrenden Luftfiltern machen. Es gibt viertürige Versionen und Microvans, es gibt Diesel- und Benzinmotoren und es gibt vor allem eine durchaus ansprechende Optik.

Autopapst Andreas Keßler
Andreas Keßler

Das Ganze ist darüber hinaus auch recht hochwertig verarbeitet: Die Freude am neuen Auto kann also recht lange anhalten. Die Nachteile der Minis sind schnell aufgezählt: Sie sind klein, karg ausgestattet, haben wenig Knautschzonen und wenig Überholprestige. Wer also zwar ein kleines und sparsames Auto fahren möchte, dabei aber nicht auf moderne Sicherheitsfeatures, Klimaanlage und elektrische Fensterheber verzichten will, wird die 10.000 Euro-Grenze hinter sich lassen müssen.

Verschiedene Marken, gleiche Bauteile

Kennzeichnend für die aktuelle Produktpalette der Hersteller sind die vielen Joint-Ventures: Um die Kosten für die Autos in diesem renditeschwachen Segment nicht zu hoch zu treiben, schließen sich Hersteller zu Allianzen zusammen. Einst kämpften die Teilnehmer dieses hart umkämpften Marktsegmentes noch erbittert gegeneinander, heute arbeitet man dabei so eng zusammen, dass die Unterscheidung der Autos manchmal schwer fällt.

Ein Beispiel sind die Drillinge von Citroen, Peugeot und Toyota: Der Citroen C1, der Peugeot 107 und der Toyota Aygo unterscheiden sich nur durch einige Anbauteile und Ausstattungsvarianten. Unter dem Blech sind die Autos völlig identisch und werden alle auf demselben Toyota-Fließband im tschechischen Kolin gebaut. Das ist gut für den Autokäufer, weil er sich markenübergreifend Vergleichsangebote einholen und das am besten passende Paket schnüren lassen kann.

Einen anderen Weg hat Ford gewählt: Der Ford Ka, das Auto des Bond-Girls in "Ein Quantum Trost", wurde und wird von Fiat in Polen gefertigt und basiert auf der Fiat Panda/Fiat 500-Bodengruppe. Der Ka war deshalb vom Start weg ein schon ausgereiftes Auto, an dem nur die Karosserie und Teile des Fahrwerkes wirklich neu waren. Pikanterweise baut Fiat in seine Autos einen Dieselmotor aus einer früheren Partnerschaft mit Opel ein, der natürlich auch im Ford Ka zu finden ist. Wer hätte noch vor zehn Jahren damit gerechnet, dass es einen Ford mit Opelmotor geben könnte?

Preise auf Dauer nicht zu halten

Mittelfristig werden die Preise dieser "Unter-10.000 Euro-Autos" aber auch über die magische Grenze steigen, weil sich die Lohnkosten in den Produktionsländern nach oben entwickeln und die Ausstattungswünsche der anvisierten Kundschaft kaum zügeln lassen werden. Die "Aldi-Autos" des Jahres 2020 müssen dann wirklich aus China oder Indien kommen. Bis dahin können Tata, Brilliance, Cherry und Co. ihre Hausaufgaben machen und Autos entwickeln, die neben einem günstigen Preis auch Sicherheit und Schutz der Umwelt bieten.

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2012, 13:56 Uhr

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