Leichter leben | 04.04.2012 | 17:00 Uhr : Teures Zubehör
Ein Neuwagen soll es werden. Doch bevor das Geld auf den Tisch gelegt wird, sollte sich jeder Interessent über Folgendes klar sein: Wozu wird das Auto benötigt? Wie viel Geld steht zur Verfügung? Wie viele Personen sollen Platz finden? Wie viele Extras müssen sein? Nicht alle teuren Zubehörteile, die der Autoverkäufer schmackhaft machen will, werden auch von jedem gebraucht. Andreas Keßler warnt vor versteckten Kosten beim Autokauf.
"Ohne Aufpreis" - das heißt nicht etwa, dass ein Extra nichts kostet! Selbstverständlich kalkuliert der Hersteller den 2. Außenspiegel, die Alufelgen und die Klimaanlage mit in den Verkaufspreis seines Autos ein. Die Kosten für die Extras werden aber nicht extra aufgeführt. Der französische Hersteller Peugeot machte es bei der Einführung des Rußpartikelfilters genau so: Er bot sein FAP-System (FAP = Filtre á Partikule = Partikelfilter) ohne Aufpreis serienmäßig an und wurde dafür in Talkshows von Umweltschützern gelobt. Kleine Ursache, große Wirkung!
Keine Geschäfte mit der Sicherheit
Gegenwärtig kristallisiert sich ein Trend hin zu mehr Sicherheit ohne Mehrpreis heraus: Durch leichten Druck des deutschen Gesetzgebers und der EU-Kommission werden seit einiger Zeit in der EU keine Neufahrzeuge ohne die Schleuderbremse ESP mehr zugelassen. ABS und Airbags sind nach einer ähnlichen Gesetzesänderung schon seit fast 20 Jahren serienmäßig bei Neuwagen mit an Bord. Mit der Sicherheit werden also keine großen Geschäfte mehr gemacht.
Überzogene Preise für Oberklasse-Extras
Dass Extras gegen Mehrpreis eine ergiebige Einnahmequelle sind und bleiben, ist jedem Autohersteller klar. Aber müssen z.B. gerade in der Oberklasse stark nachgefragte Extras wie Automatikgetriebe so teuer sein? Im aktuellen Mercedes SLK, der ohnehin kein Billig-Angebot ist, kostet die Selbstschaltversion satte 2.428 € mehr als das gleiche Auto mit einer von Hand geschalteten Box. Natürlich ist ein Automatikgetriebe nicht unbedingt nötig, genau wie eine Lederausstattung (1.392 €). Wenn ein sportliches Auto wie der SLK aber doch mit einer Automatik bestellt wird, sollten wenigstens die Schaltpaddel am Lenkrad nicht noch zusätzlich mit 273 € zu Buche schlagen.
Wertverlust durch Tuning
Sparfüchse vermeiden oft den Kauf teurer Extras ab Werk und rüsten das Auto lieber später mit Zubehör oder gebraucht gekauften Serienextras auf ein höheres Ausstattungsniveau nach. Das kann klappen, geht aber in der Praxis durch den Anbau von Felgen aus dem Baumarkt und mit Eidechsenkunstleder bezogenen Sonderlenkrädern oft schief. Gerade jüngere Gebrauchtwagen überzeugen nur dann, wenn sie sich im Originalzustand befinden. Extras aus dem Tuningkatalog sorgen oft für Wertverlust ...
Nicht am falschen Ende sparen
Wer sich der oft ärgerlichen Aufpreispolitik der Hersteller und Importeure komplett verweigert und wirklich nichts zusätzlich bestellt, bekommt ein zwar neues, aber wahrscheinlich recht unattraktives Auto vor die Tür gestellt. Ausgerechnet die "In"- Farben kosten nämlich zusätzliches Geld, ohne Aufpreis gibt es nur "erbssuppengrün", "behördenbeige" und "pastellgelb". Selbst das jahrelang verpönte Weiß ist gerade hip und muss oft extra bezahlt werden.
Extras erleichtern Wiederverkauf
Da auch aus ganz neuen Autos irgendwann einmal Gebrauchtwagen werden, sollte man schon bei der Bestellung an den späteren Wiederverkauf denken: Zehn Prozent des Basis-Listenpreises zusätzlich in eine schicke Farbe und ein Komfort- oder Sport-Paket investiert, erleichtert den späteren Wiederverkauf oder die Inzahlungnahme deutlich und bringt dann vielleicht sogar einen Teil des Mehrpreises in Form eines höheren Kaufangebotes zurück.
Andreas Keßler am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Mittwoch, 4. April, ab 16.30 Uhr)
