Leichter leben | 21.08.2012 | 17:00 Uhr : So kommen Sie gut durch heiße Tage
Bei sommerlichen Temperaturen läuft die körpereigene Klimaanlage auf Hochtouren. Flüssigkeit wird von den Schweißdrüsen abgesondert, die auf der Haut verdunstet - und sie kühlt. Dann ist viel Trinken angesagt. Dr. Dietz erklärt Ihnen, wie viel und worauf Sie achten sollten, um ihren Kreislauf zu schonen.
Um gut zu funktionieren, braucht unser Organismus eine relativ konstante Temperatur von ca. 37 °C, genügend Blutsalze, genug Wasser und einen nicht zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck. Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße der Haut, der Schweiß auf der Haut kühlt angenehm. Durch das Schwitzen gehen Wasser und Salze verloren, durch die Erweiterung der Gefäße sinkt der Blutdruck. Dieses Absinken kann durch vermehrte Pumpleistung des Herzens korrigiert werden. Wasser- und Salzverlust kann der Körper von sich aus nicht ausgleichen.
Zur Hitzeerschöpfung kann es kommen, wenn der Wasser- und Elektrolytverlust zu hoch wird, weil man bei körperlicher Aktivität zu wenig oder gar nichts trinkt. Übergeht man die ersten deutlichen Anzeichen wie Schwindel, starkes Durstgefühl, beschleunigter, schwacher Puls, blasse, kühle und feuchte Haut und trockene Schleimhäute, dann ist es nicht mehr weit zu lebensbedrohlichen Zuständen, die mit Hausmitteln und gesundem Menschenverstand alleine nicht mehr zu beherrschen sind.
Alkohol wirkt doppelt kontraproduktiv
Mit absinkenden Blutdruck wird der Versorgungszustand im Körper schwieriger; im schlimmsten Fall kommt es dann zum Hitzekollaps mit den zugehörigen Symptomen: Mundtrockenheit, Schwindel, Kopfschmerz, z.T. auch Sehstörungen und ein deutliches Schwächegefühl. Um die Blutzirkulation zu verbessern, sollte eine Person mit Hitzekollaps flach gelagert werden, die Beine sollten möglichst leicht hochgelagert werden. Dadurch wird erreicht, dass auch das Gehirn recht schnell wieder "im Normalbetrieb" arbeiten kann. Gleichzeitig sollte Wasser zugeführt werden. Von alkoholischen Getränken ist dringend abzuraten: Alkohol führt zur Erweiterung der Gefäße - dieses Manöver hat der Körper schon vollzogen, jedoch ohne zufriedenstellenden Erfolg. Gleichzeitig greift Alkohol die Wasservorräte des Körpers an und wirkt somit doppelt kontraproduktiv.
Wie kann man sich vor Hitzeschäden schützen?
Personen, die bekanntermaßen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sollten extreme Hitze möglichst meiden. Für sie gilt, wie für alle anderen auch: Erhöhte Flüssigkeitszufuhr und Ausgleich des Salzverlustes sind Pflicht! An heißen Tagen können das gerne zwei bis drei Liter sein. Abends wird es bekanntlich kühler; wenn es unbedingt Alkohol sein muss, dann eher zu dieser Tageszeit. Aber auch dabei ist Vorsicht angeraten: Der Wasserhaushalt für den nächsten Tag wird dadurch verschlechtert. Auch große Menschenansammlungen wirken wie ein Hitzestau; wer ihnen aus dem Weg gehen kann, sollte dies an heißen Tagen unbedingt tun.
Bei älteren Menschen funktioniert die körpereigene Klimaanlage nicht mehr ganz so gut und schnell wie in jungen Jahren. Auch dieser Tatsache sollte man Rechnung tragen. Eine Besonderheit ergibt sich bei Hitze für Bluthochdruckpatienten, die Medikamente einnehmen müssen. Hier kommt es nicht selten zu einem unerwünschten Effekt, so dass hier durchaus eine Dosisreduktion angemessen und sinnvoll sein kann. Das Einnehmen der Bluthochdruckmedikate unabhängig von der Außentemperatur ist nicht empfehlenswert. Hier helfen Selbstmessungen und entsprechende Absprachen mit der betreuenden Arztpraxis für das konkrete Vorgehen sehr gut und können somit unnötige Probleme verhindern.
Was ist ein Hitzschlag?
Vom Hitzekollaps abgrenzen muss man den Hitzschlag, hierbei handelt es sich um eine Überhitzung des Organismus durch einen Wärmestau, d.h. durch extreme Wärmezufuhr und gleichzeitiger Behinderung der Wärmeabgabe (durch unangepasste Kleidung) entsteht eine bedrohliche Situation. Die Körpertemperatur steigt auf über 40° an, Puls und Atmung sind stark beschleunigt, es drohen Krämpfe, Bewusstlosigkeit und komplettes Kreislaufversagen. Hier hilft als erste Maßnahmen neben der oben beschriebenen Lagerung nur das äußerliche Kühlen mit kalten Tüchern oder direkt mit kühlem Wasser.
Was ist ein Sonnenstich?
Ein Sonnenstich kann entstehen, wenn der Kopf ohne angemessenen Schutz (Mütze, Hut) dem intensiven Sonnenlicht ausgesetzt ist, besonders risikoreich ist hier der Aufenthalt am oder auf dem Wasser für längere Zeit (z.B. auf einem Segelboot). Der hierbei auftretende Symptomenkomplex aus Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, häufig auch Erbrechen sind ist ein Vorbote für ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das mit dem Tod des Betroffenen enden kann. Der Betroffene sollte sofort aus der Sonne in den Schatten verbracht werden, halb sitzende Lagerung (am besten an einen Baum lehnen), Kopf kühlen, Rettungsdienst verständigen.
Dr. Thomas Dietz am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Dienstag, 21. August, 16:30 - 17:45 Uhr)
