Natürlich gesund

Hier ab vier : Starker Rücken

Jeder dritte Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Die Ursache ist häufig mangelnde Bewegung. Wer eine Schonhaltung einnimmt, schont sich nicht unbedingt. Besser ist es, sich zu bewegen. Dr. Thomas Dietz erklärt, wie Sie Rückenschmerzen im Alltag vorbeugen können.

Ein Mann hält sich vor Schmerzen den Rücken.

Dem einen zieht es in den Schultern, dem anderen im Nacken, dem ganz anderen tut alles weh - Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen. Und sie können viele Auslöser haben: Ungewohnte Bewegungen, Überbeanspruchung der Muskulatur durch eine einseitige Körperhaltung (z.B. langes unbewegliches Sitzen bei der Arbeit), Nervenreizungen, Zugluft oder auch Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule.

Rückenschmerzen sind in den meisten Fällen Verspannungsschmerzen, die sich entweder langsam aufbauen oder ganz plötzlich, wie beim sogenannten Hexenschuss, ein kaum erträgliches Ausmaß erreichen können. Etwa 85 Prozent aller auftretenden Rückenschmerzen sind jedoch unkompliziert und verschwinden nach relativ kurzer Zeit wieder.

Anders ist es bei Ischias-Beschwerden: Hier liegt eine Reizung der Nervenwurzel im Bereich der Wirbelsäule vor, die verschiedene Ursachen haben kann. Der Schmerz strahlt aus der Hüfte ins Bein, manchmal bis in die Zehen aus. Oft wird der Schmerz von Gefühlsstörungen oder sogar Lähmungen begleitet.

Nicht immer sind die Bandscheiben schuld

Dr. Thomas Dietz, Facharzt für innere Krankheiten und "Hier ab vier"-Ratgeber, schaut lächelnd in die Kamera.
Dr. Thomas Dietz

"Ich hab's wohl an der Bandscheibe!" - diese Selbstdiagnose ist häufig zu hören und sorgt für zusätzliche Beunruhigung. Gemeint ist damit im medizinischen Sinne eine Vorwölbung einer Bandscheibe oder gar ein Bandscheibenvorfall. In beiden Fällen kann dies zur Raumnot für Nerven im Bereich der Wirbelsäule führen. Die Mehrzahl dieser beiden Veränderungen verläuft aber unbemerkt oder mit wenig Schmerzen. Der Körper richtet sich auf die neuen Gegebenheiten ein und lässt den abgehenden Nerven meist noch genug Raum.

Und eine defekte Bandscheibe bedeutet nicht, dass eine Operation der nächste Schritt sein muss. Mithilfe der heutigen Technik können Mediziner einen recht eindeutigen Befund erstellen. Dennoch sollte man sich auch eine zweite Meinung einholen, wenn es um die Frage der Behandlung, vor allem der operativen Behandlung, geht.

"Schonhaltung" kann Gift für den Rücken sein

Bewegungsmangel beginnt oft zu Hause, setzt sich am Arbeitsplatz fort und macht anfällig für Rückenprobleme. Ist der Schmerz erst einmal da, möchte man ihm möglichst aus dem Weg gehen - mit einer "Schonhaltung". Die führt aber selten zum Erfolg, weil sie andere Muskelgruppen beansprucht und so die Balance der Rücken- und Rumpfmuskulatur vollends durcheinander bringen kann. Oft steigert eine Schonhaltung sogar den Schmerz, den man eigentlich loswerden will.

Wer dagegen viel in Bewegung ist, trainiert den Körper und sorgt dafür, dass die Muskulatur auch im Rumpf- und Rückenbereich ihren Dienst ohne Probleme leistet.

Einige Tipps für den Alltag

  • Bei langem Stehen oder Sitzen öfter mal die Haltung wechseln.
  • Beim Sitzen darauf achten, dass der Oberkörper aufrecht bleibt, das Becken nach vorn gekippt wird und die Oberschenkel leicht nach unten zeigen. Haltungswechsel nicht vergessen!
  • Beim Bücken oder Anheben von Gegenständen die Kraft der Beine nutzen: In die Knie gehen, um den Rücken zu entlasten.
  • Lasten nah am Körper tragen und dabei den Rumpf nicht verdrehen.
  • Vermeiden von Überlasten. Was vor Jahren noch locker auf der Schulter getragen werden konnte, gehört heute vielleicht besser in die Schubkarre.
  • "Punktelastische" Matratzen helfen einer verspannten Rückenmuskulatur im Schlaf.
  • Jedes Kilo weniger erleichtert auch die Rumpf- und Rückenstatik und macht es einfacher, bereits vorhandene Veränderungen auszugleichen.

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2013, 15:17 Uhr

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