Gäste zum Kaffee | 05.12.2011 | 16:30 Uhr : "Offene Worte – Gysi trifft Zeitgenossen"
Als schlagfertiger Streiter ist er gern gesehener Gast in Polittalks, ein Garant für pointierte Debatten auch trockenster Themen. Seit 2003 lädt Gregor Gysi auch selbst als Gastgeber zum Gespräch. Bei seinen sonntäglichen Matineen im Deutschen Theater in Berlin unterhält er sich mit prominenten Gästen aus Kultur, Politik, Medien und Sport – interessant, kurzweilig, bewegend. Eine Auswahl der Gespräche erschien in dem Buch "Offene Worte – Gysi trifft Zeitgenossen". Darüber spricht er bei "Hier ab vier".
1948 in Berlin geboren, entstammt Gysi einer alteingesessenen Familie mit jüdischen Wurzeln. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Rinderzüchter, was für ihn als Akademikerkind die Voraussetzung für ein Studium war. 1966 schrieb er sich an der Humboldt-Universität in Berlin für Rechtswissenschaften ein. Ein Jahr darauf trat er in die SED ein.
Gysi soll SED in die Zukunft führen
Als Anwalt von Dissidenten, kirchlichen Basisgruppen und "Republikflüchtigen" sorgte Gysi schnell für Aufsehen. Vor Gerichten und Behörden vertrat er unter anderem die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley und den regimekritischen Autor Rudolf Bahro, der zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde, bevor ihn die DDR in die Bundesrepublik abschob. Im Dezember 1989 ruhten auf Gysi die Hoffnungen der Greise aus dem Politbüro: Er sollte die SED in die Zukunft führen. Noch war die Partei an der Regierung, doch die Montagsdemonstrationen hatten ihre Macht bereits gebrochen. Der Absturz war nur noch eine Frage der Zeit.
Leidenschaft für Politik bleibt
Als SED- und Staatsratsvorsitzender Egon Krenz am 3. Dezember 1989 zurücktrat, wurde Gregor Gysi zum Nachfolger gewählt. Gysi kämpfte für einen Erhalt der DDR und warnte vor einem zu schnellen Beitritt zur Bundesrepublik. Bei der Bevölkerung fanden solche Bedenken allerdings keinen Rückhalt. In der historischen Nacht der Volkskammersitzung am 22. August 1990 musste Gysi zusehen, wie die DDR abgewickelt wurde. Seine Leidenschaft für die Politik hat er trotzdem bis heute nicht verloren.
Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke"
Als die PDS 1998 erstmals die Fünf-Prozent-Hürde in den Bundestag übersprang, wurde Gregor Gysi Vorsitzender der Fraktion und blieb es zunächst bis zum Jahr 2000. Fünf Jahre später gab sich die PDS den Zusatz "Linkspartei" und bildete mit der neugegründeten westdeutschen "Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit" (WASG) eine gemeinsame Linksfraktion. Gysi wurde ihr Vorsitzender und war 2007 neben Oskar Lafontaine treibende Kraft für das Verschmelzen der beiden Parteien zu "Die Linke". Bei der letzten Bundestagswahl im September 2009 kam die Linksfraktion auf knapp zwölf Prozent aller Stimmen. Seit dem Rückzug Lafontaines ist Gregor Gysi alleiniger Fraktionsvorsitzender.
