Gäste zum Kaffee

Gast zum Kaffee | 07.09.2011 | 16:30 Uhr : Helmut Oehring: Meine Reise zu den Tönen

Gern würde er in seinem Buch "Mit anderen Augen" schreiben, dass er mit vier Jahren bereits musizierte und alle sagten: Oha, aus dem Kleinen wird mal was. Aber es würde nicht stimmen. "In unserm Zuhause spielte Musik nicht eine kleine Rolle, sie spielte überhaupt keine Rolle. Nicht der Gebärde wert." Die Musik konnte in einem Haushalt gehörloser Eltern dem Kind auch gar nicht in die Wiege gelegt werden. Umso spannender ist Oehrings Weg, eine Selbstbefreiung, ein Aufbruch in die und zur Musik.

"Ich übersetze Gebärdensprache in Musik. Und übersetze gesprochene Sprache in Gebärdensprache und schreibe diese Wortbilder auf, in einer Schriftsprache, die aus der Lautsprache kommt. Das ist mein Material. Das ist meine Technik. Ich bin Porträtkomponist. Und uncool."

Helmut Oehring
Mit anderen Augen, S. 22

Vom Bauarbeiter zum Meisterschüler

Buchcover: Helmut Oehring - "Mit anderen Augen"
Buchcover: Helmut Oehring "Mit anderen Augen"

1961 in Berlin geboren, wurde Helmut Oehring nach der Schule Baufacharbeiter. Nebenbei spielte er leidenschaftlich Gitarre. Da er den Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) verweigerte, durfte Helmut Oehring nicht studieren. Er arbeitete als Friedhofsgärtner, Hausmeister oder Heizer und setzte sich als autodidaktischer Gitarrist und Komponist ab 1984 intensiv mit der Musik der europäischen Moderne auseinander. Von 1990 bis 1992 war Helmut Oehring Meisterschüler von Georg Katzer an der Akademie der Künste zu Berlin, zu deren Mitglied er 2005 berufen wurde. Helmut Oehring lebt mit seiner Frau, einer Dramaturgin und Regisseurin, und zwei Kindern in Waldsieversdorf in der Märkischen Schweiz.

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2011, 15:27 Uhr

Buchtipp

Helmut Oehring: Mit anderen Augen – Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten. btb-Verlag.

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