Gäste zum Kaffee | 20.02.2012 | 16:30 Uhr : Heidemarie Schwermer - Persönliche Freiheit statt finanzielle Zwänge
Heidemarie Schwermer lebt seit mehr als 15 Jahren ohne Geld. Freiwillig. Alles, was sie besitzt, passt in einen kleinen Trolley. Mehr braucht Heidemarie Schwermer nicht zum Glück. Materiellen Dingen hat sie abgeschworen. Drei Paar Schuhe und ein paar Kleidungsstücke hat sie nach eigenen Aussagen. Arm fühlt sich die 1942 in Danzig geborene Frau nicht, die ganz persönlichen Lebenserfahrungen machen sie reich. Bevor sie dieses Leben begann, das als einjähriges Experiment geplant war, arbeitete sie als Grundschullehrerin und selbstständige Psychotherapeutin. Die Existenz war gesichert, aber erfüllt fühlte sie sich nicht.
Experiment wurde Lebenseinstellung
1994 gründete Heidemarie Schwermer die "Gib und Nimm-Zentrale" in Dortmund - einen der ersten Tauschringe Deutschlands. Inzwischen gibt es hierzulande rund 300 davon. 1996 reduzierte sie zunächst ihre Ausgaben, gab dann ihre Wohnung auf und trat schließlich aus der Krankenversicherung aus. Sie verschenkte letztendlich Hab und Gut. Nun ertauscht sie sich alle Dinge, die sie zum Leben benötigt, hütet beispielsweise Häuser und Wohnungen, wenn die Besitzer im Urlaub sind. Oder sie gibt Nachhilfe für ein Kleidungsstück.
Die Aussteigerin will sich mit ihrer Lebensweise gegen eine Welt zur Wehr setzen, in der aus ihrer Sicht nur das Geld zählt. Seit einigen Jahren bezieht sie eine kleine Pension, das Geld verschenkt sie allerdings. Heidemarie Schwermer berichtet in Vorträgen über ihr Leben abseits vom Materialismus. Ihre Erfahrungen hat sie im Buch "Das Sternentalerexperiment" niedergeschrieben. Auch der 2010 entstandene Dokumentarfilm "Life without money" erzählt davon. Bei "Hier ab vier" gibt sie Einblicke in ihr Leben.
Buchtipp
Heidemarie Schwermer
Das Sternentalerexperiment
Goldmann Verlag
ISBN : 978-3-442-15213-1
