Leichter leben | 06.02.2012 | 17:00 Uhr : Tischlein deck dich!
Auch der richtige Umgang mit Besteck will gelernt sein. Wie legt man Messer und Gabel bei einer Essenspause korrekt ab? Braucht man Fischbesteck auch für Zuhause? Und wie benutzt man ein Obstbesteck? Diese und andere Fragen rund um die perfekte Tafel und das Benehmen an einer solchen beantwortet unsere Benimm-Expertin Nandine Meyden.
Die Anordnung der Gläser
Cornelius Sattler hat Großes vor: Anlässlich seines Geburtstages wird er ein köstliches Festtagsessen für sich und seine Familie zaubern. Klar, dass er die Tafel zu diesem Anlass mit besonders viel Sorgfalt eindecken wird. Teller, Messer und Gabel, alles findet mühelos auf dem Tisch seinen Platz. Nur bei der Anordnung der Gläser gerät Sattler plötzlich ins Stocken: Wie werden das Wasserglas und die verschiedenen Weingläser nun korrekt angeordnet?
Antwort:
Es ist sinnvoll, sich hier an den Gepflogenheiten der Gastronomie zu orientieren. Man muss ja nicht alles genau so machen – vielleicht hat man nicht so viel Platz oder entscheidet sich aus optischen Gründen für eine andere Lösung. Doch beginnen kann man immer mit dem sogenannten Richtglas. Das ist das Glas, in das der Wein kommt, der zum Hauptgang getrunken wird. Dieses Glas wird über dem Messer für den Hauptgang platziert. So hat man eine Orientierung, eine Richtung für die anderen Gläser. Je nach Gläserart, nach Größe und Form, nach Platz auf dem Tisch und auch nach Anzahl der Gläser werden die anderen Gläser nun um das Richtglas herumdrapiert. Dabei kann es eine Anordnung in Form einer Reihe oder in Form eines Blocks geben.
Wie muss das Dessertbesteck liegen?
Daniel Steiner ist aufgeregt, denn zum ersten Jahrestag wird er seine Freundin heute mit einem selbstgekochten Menü überraschen. Drei Gänge wird es geben und dafür wird er jetzt schon einmal in Ruhe eindecken. Wie die Bestecke für Vorspeise und Hauptgang positioniert werden müssen, weiß Daniel. Allein bereitet ihm die richtige Anordnung des Dessertbestecks Kopfzerbrechen: Beide Besteckteile liegen oberhalb des Tellers – aber wie genau? Sollte der Löffel über der Gabel liegen? Oder ist es umgekehrt? Und in welche Richtung sollten die Besteckteile zeigen?
Antwort:
Eigentlich ist es ganz einfach: Die beiden Besteckteile werden so eingedeckt, wie sie auch hauptsächlich benutzt werden. Der Löffel für die rechte Hand, die Gabel für die linke Hand. So ist schon einmal die Richtung der Besteckteile klar. Nun bleibt noch die Frage: Welches Besteck kommt nach oben, welches liegt unten, Richtung Teller? Der Löffel liegt oben – mit Griff nach rechts also, die Gabel liegt darunter und ihr Griff zeigt nach links.
Welche Tischdecke auf die Festtafel?
Constanze Fischer hat alle Hände voll zu tun, denn sie hat Gäste eingeladen! Ein ganz besonderer Abend soll es werden – klar, dass ein perfekt eingedeckter Tisch den richtigen Rahmen dafür bildet. Die Gläser sind poliert, die Servietten gestärkt und das Besteck auf Vollständigkeit überprüft – eigentlich könnte es mit dem Decken losgehen. Doch Frau Fischer ist unsicher, was die Wahl des Tischtuchs betrifft. Muss ein festlich eingedeckter Tisch immer mit einer weißen Decke ausgestattet sein oder wäre es durchaus möglich, sich für eine farbige Variante zu entscheiden?
Antwort:
Zarte und helle Farben wirken festlicher, bunte Farben fröhlicher. Es muss also nicht immer eine weiße Decke sein, soll ein festlicher Eindruck entstehen, sollte der Farbton jedoch sehr hell sein. Je nach Jahreszeit und Geschmack könnten es also crémfarbige Baumwolle, ein Leinen in Naturton sein oder auch ein Tuch in Hellgelb, Rosé oder Lindgrün, auch eine eisblaue Variante sieht sicher hübsch aus.
Benimm-Irrtum: Für Linkshänder wird der Tisch ihren Essgewohnheiten entsprechend eingedeckt.
Leonie Stein erwartet Gäste zum Abendessen. Keine Frage, dass die versierte Köchin nicht nur ein wohlschmeckendes Menü auftischen will! Auch die Tafel soll tadellos erscheinen. Gemäß der alten Regel, dass alle Gedecke gleich aussehen sollen, ordnet Frau Stein das Besteck also an jedem Platz identisch an – das Messer rechts, die Gabel links. Und das, obwohl sie weiß, dass einer ihrer Gäste Linkshänder ist, das Besteck also genau anders herum benutzen wird. Aber ist es wirklich tabu, für Linkshänder entsprechend ihrer Essgewohnheiten einzudecken?
Antwort:
Man sollte hier nicht von einem Tabu sprechen, doch es ist im Allgemeinen nicht üblich. Ein Tisch sieht dadurch festlich aus, dass jeder Platz gleich eingedeckt ist und alles andere wie Kerzen, Blumen etc. genau symmetrisch platziert werden. Aus diesem Grund deckt man üblicherweise für einen Linkshänder genau so ein, wie für alle anderen Gäste auch. Habe ich Gäste für mehrere Tage zu Besuch und haben diese dann vielleicht eine eigene Serviettentasche an ihrem Platz und es ist alles sehr familiär – dann würde ich die Sache anders beurteilen und ein Tisch, der für jeden der Esser "richtig" gedeckt ist, kann dann eine nette Aufmerksamkeit sein.
Literaturtipp:
Meyden, Nandine: Lexikon der Benimmirrtümer. Populäre Fettnäpfchen und wie man sie umgeht. Ullstein-Verlag, ISBN-10: 3548372872, ISBN-13: 978-3548372877
Viele Fragen aus den Sendungen sind hier gesammelt, ausführlich beantwortet und erklärt. Mehr als 150 Benimm-Irrtümern hat sich die Autorin gewidmet. Doch auch vieles, was wir nicht besprechen konnten, da es zu lang für die Sendung gewesen wäre, können Sie dort nachlesen.
Nandine Meyden am Expertentelefon: 01802 151517
6 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent aus dem Mobilfunknetz
(Montag, 6. Februar, 16.30 - 18.00 Uhr)
