Ingrids Tagebuch

01.06.2011 : Liebes Tagebuch,

 Ingrids Tagebuch | Gedanken und Gefühle - die Oberschwester privat

Das ist doch wirklich unfassbar. Momentan habe ich ja ein paar Tage frei und erfahre alles, was in der Klinik passiert, nur abends von Gernot - aber was ich da höre, das treibt mich zur Weißglut. Vera Bader ist die Assistentin des neuen Gesundheitsdezernenten! Da hört doch alles auf. Wie kann man denn so eine Frau wieder in eine solch verantwortungsvolle Position bringen? Im Vergleich mit ihr ist Frau Marquardt ja ein zahmes Lämmchen, eine Kämpferin für die Rechte der Geknechteten und die beste Freundin aller Mitarbeiter. Gernot ist merkwürdigerweise relativ gefasst. Na, irgendwie auch verständlich: Er versucht das Thema so professionell und entspannt wie möglich anzugehen. Er begegnet diesem "Problem" nach der Devise "Lasst uns das Beste draus machen - wir können es ohnehin nicht ändern." Ich glaube allerdings nicht, dass Dr. Heilmann und Frau Marquardt sich dieser Haltung anschließen können. Sie sind als direkt von Frau Marquardt Geschädigte nun gezwungen, mit - ja, sogar unter ihr! - zu arbeiten. Das muss schlimm sein. Gernot ist natürlich auch nicht erbaut, aber ihm ist es immerhin möglich, Frau Bader mit einer gewissen inneren Distanz zu begegnen.

Nun, wir haben gestern Abend zuhause ganz schön argumentiert. Ich kann mir schon vorstellen, dass Gernot als Klinikchef nicht viel anderes übrig bleibt, als kooperativ zu sein: Wie wirkt das denn auf den Gesundheitsdezernenten, wenn Professor Simoni die Zusammenarbeit verweigert? Wahrscheinlich ein bisschen kindisch. Denn schließlich kann man davon ausgehen, dass Frau Bader im Gesundheitsdezernat alle von sich und ihren Qualitäten überzeugt hat - sonst hätte sie den Job ja nicht bekommen. Trotzdem finde ich, dass Gernot in dieser Situation Haltung zeigen und sich vor seine Mitarbeiter stellen muss. Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange dauert, da wird auch das Pflegepersonal von Frau Baders abstrusen "Sparmaßnahmen" betroffen sein. Wahrscheinlich stellt sie sich vor, dass wir 50% der Dienste einsparen, mehr Stunden für weniger Geld arbeiten, die Patienten nur noch per Telefon versorgen oder die Kosten für jede Tablette direkt am Krankenbett abrechnen ... ja, am liebsten würde sie wahrscheinlich die ganze Klinik umstrukturieren. Ich kann nur hoffen, dass Frau Marquardt nun Stärke beweist und sich Frau Bader mit aller Kraft entgegenstellt ...

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2011, 12:22 Uhr

Ingrids Tagebuch

Oberschwester Ingrid schreibt nicht jede Woche (bzw. zu jeder Folge) in ihr Tagebuch. Vielmehr notiert sie ihre Gedanken und Gefühle dann, wenn sie persönlich von den Geschehnissen betroffen ist, ihr Lebensgefährte Gernot etwas Einschneidendes erlebt oder etwas passiert ist, das große Teile der Klinik betrifft. Das bedeutet, dass es einige Wochen lang regelmäßig neue Einträge geben kann, während es in anderen Phasen etwas ruhiger um "Ingrids Tagebuch" wird.


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