Ingrids Tagebuch

14. Juli 2010 : Liebes Tagebuch,

 Ingrids Tagebuch | Gedanken und Gefühle - die Oberschwester privat

Ich merke immer wieder, wie nahe mir die Sorgen und Probleme meiner Mitarbeiter gehen. Schwester Yvonne sah so schlecht aus in den letzten Tagen. Ich spürte ihre Sorgen um ihren Bruder und merkte, wie sie sich zusammenreißen musste, um ihre Arbeit so gut wie immer zu erledigen. Um Yvonnes Arbeitsfähigkeit mache ich mir da keine Sorgen - wir arbeiten schon so lange zusammen, dass ich weiß, wie zuverlässig und korrekt sie ist. Sie schafft es, die Patienten aufmerksam zu versorgen, auch wenn es ihr schlecht geht. Aber es ist eine enorme Belastung für sie, diese Angst um ihren Bruder. Und ich hatte auch das Gefühl, dass sie mit ihrer Not ziemlich allein dasteht. Ihr Lebensgefährte, Herr Frahm, ist ja ein wirklich netter Mensch. Aber er scheint etwas abgelenkt zur Zeit. Na, als Gesundheitsdezernent hat man eben auch ziemlich viel zu tun. Ich kenne das ja von Gernot. Wenn er an einem wichtigen Problem in der Klinik zu knabbern hat, kann er auch ziemlich unaufmerksam sein. Männer können da vielleicht nicht ganz so schnell umschalten wie wir Frauen!

Ich habe versucht, Yvonne ein bisschen zu unterstützen und ihr Mut zu machen. Es ist so zermürbend und quälend, wenn man um das Leben eines geliebten Menschen fürchten muss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, was ich ausgestanden habe, als Gernot seinen Unfall hatte. Und ich habe mich natürlich auch schmerzhaft daran erinnert, dass auch die größte Angst sich einmal bewahrheiten kann: Als Gisela vor sechs Jahren starb, war das so ein Moment. Auf jeden Fall ist mir mal wieder klar geworden, wie wichtig es ist, dass wir als Kollegen zusammenhalten. Dass wir einander nicht nur bei der täglichen Arbeit, sondern auch bei privaten Schwierigkeiten unterstützen, soweit das möglich ist. Und ich muss sagen, da bin ich auch ein bisschen stolz auf meine Abteilung: Wir sind ein eingespieltes Team und alle - nicht nur Schwester Arzu, Schwester Yvonne und Herr Brenner - nehmen ihre Arbeit sehr ernst und tun alles , um unsere Patienten möglichst optimal zu betreuen. Und dennoch bleibt immer Zeit, einander zu unterstützen und zu helfen. Niemand wird mit seinen Sorgen allein gelassen. Wenn ich daran denke, was wir schon alles miteinander durchgestanden haben, im Guten wie im Schlechten. Da war so viel Glück , aber auch so viel Leid - und immer so viel Verständnis von den Kollegen. Und natürlich auch immer mal wieder eine leckere Torte von Herrn Brenner ...!

Ich hoffe, dass dieses kollegiale Verhältnis noch lange so bleiben kann und uns Frau Marquardt nicht wieder mit irgendwelchen Sparplänen die Arbeit erschwert. Also, solange ich diese Abteilung leite - und das wird hoffentlich noch eine ganze Weile sein - werde ich alles tun, damit wir so effizient, patientennah und aufeinander abgestimmt weiterarbeiten können!

Zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2010, 16:05 Uhr


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