11. August 2010 : Liebes Tagebuch,
Manchmal passiert wochenlang gar nichts - und dann wieder alles auf einmal. Unglaublich, was in den letzten Tagen alles zusammen gekommen ist: Zuerst das mit Emil Lerchfeld und dann auch noch die drohenden Sparmaßnahmen, der geplante Verkauf der Forschungsabteilung und die Kündigung von Dr. Heilmann! Na, zum Glück kann ich ein bisschen Aufregung vertragen - aber das war schon eine ganz schön verrückte Woche.
Auch wenn es zwischendurch ziemlich dramatisch zuging - schließlich drohte Herr Lerchfeld schon damit, sich das Leben zu nehmen - war dieser kleine "literarische Sondereinsatz" sehr aufschlussreich: Wer hätte gedacht, dass Dr. Kaminski zu soviel Einfühlungsvermögen fähig ist. Klar, er hat schon häufiger bewiesen, dass er mehr Menschenkenntnis hat, als wir alle anfangs glaubten. Und auch, dass er durchaus eine sensible Seite hat. Aber diese Chuzpe hat mich dann doch überrascht. Schließlich hat er einfach nur geblufft und kennt die Bücher Lerchfelds überhaupt nicht, geschweige denn die komplizierten Verstrickungen seines Alter Egos Georg Kaplan. Aber sein Gespräch mit Lerchfeld auf dem Dach hat ihn abgelenkt - und so vom Springen abgehalten. Und das ist ja die Hauptsache. Dass Herr Lerchfeld Frau Grigoleit und mich dann noch als Ehrengäste zu seiner Signierstunde eingeladen hat, war natürlich sehr schön. Es war auch richtig nett dort, und Herr Lerchfeld hat uns zwei handsignierte Ausgaben seines neuen Romans versprochen. Auf das Lesevergnügen freue ich mich jetzt schon! Nicht zuletzt war es einfach mal wieder richtig schön, sich für ein Kulturereignis schick zu machen, auszugehen, Literatur zu genießen - das haben Gernot und ich schon länger nicht mehr gemacht. Aber nächste Woche geht's zum Ärzteball, das ist zwar eine gesellschaftliche Verpflichtung für Gernot und er geht gar nicht so entspannt dorthin - aber ich genieße diesen Abend immer sehr. Wann sieht man die Kollegen schon mal in Anzug und Abendkleid?
Und was ist mit Heilmanns Kündigung? Dazu kann ich noch gar nicht viel sagen. Ich weiß nur, dass die ganze Sache Gernot sehr zu schaffen macht. Er weiß, dass Dr. Heilmann das Gefühl hat, Gernot sei unloyal gewesen. Aber ich glaube ihm, wenn er sagt, dass er andernfalls Personalkürzungen hätte vornehmen müssen. Und das wäre ja wirklich für alle dramatisch geworden - auch für die Patienten. Ich hoffe nur, dass Dr. Heilmann bald wiederkommt und sich alles aufklärt.

