14. Oktober 2010 : Liebes Tagebuch,
Ich bin ja so erleichtert: Gernot geht es besser!
Im Gegensatz zu ihm war ich schon länger fest davon überzeugt, dass die Akupunktur-Behandlung von Frau Dr. Globisch dazu einen gehörigen Teil beigetragen hat. Und vielleicht war es auch mal ganz gut,dass ich Gernot eine Weile allein gelassen habe. Wenn ich zuhause bin, dann helfe ich ihm ja (zu?) oft mit vielen Dinge, versuche ihm etwas abzunehmen. Dadurch kommt er dann gar nicht erst auf die Idee, seine Hand selbst wieder zu benutzen.Nun war ich mit Carla unterwegs, er allein im Haus und auf sich selbst angewiesen - und siehe da, es funktioniert! Er spürt die Fortschritte, kann sie zulassen und sich darüber freuen.
Natürlich war ein gewisses Risiko dabei. Es hätte ja sein können, dass es eben doch nicht so gut geht mit seiner Hand. Dass er Hilfe gebraucht hätte. Deshalb bin ich trotz meines Ärgers über die abgebrochene Akupunktur-Behandlung auch nur sehr ungern mit Carla ins Elb-Sandstein-Gebirge gefahren. Was wäre gewesen, wenn er mich gebraucht hätte, und ich wäre nicht da gewesen? Nein, gut ging es mir bei der Entscheidung nicht! Aber so stur, wie Gernot sich verhalten hat, musste etwas geschehen. Er hat ja keinerlei Hoffnung mehr an sich heran gelassen – und das, obwohl erste Erfolge mit seiner Hand durchaus sichtbar waren! Denn er konnte seine Hand schon wieder viel besser bewegen, doch das wollte Gernot nicht war haben – zu groß war seine Angst, sich mit seinen Hoffnungen lächerlich zu machen.
Deshalb war es trotz meiner Zweifel richtig, dass er etwas Zeit für sich hatte. Er hat sich auf sich selbst konzentriert – und dabei gemerkt, dass er sich wieder viel mehr zutrauen kann als noch vor ein paar Wochen. Es war so ein schöner Moment, als ich nach Hause kam, und Gernot endlich wieder lachen sah. Sogar seinen wunderbaren Humor hatte er wieder! Und letztlich hat er sogar seinen Stolz heruntergeschluckt und sich bei Frau Dr. Globisch bedankt – auch wenn es ihm schwer fiel, zuzugeben, dass an "diesem Hokuspokus" vielleicht doch etwas dran ist ...
Ingrids Tagebuch
Oberschwester Ingrid schreibt nicht jede Woche (bzw. zu jeder Folge) in ihr Tagebuch. Vielmehr notiert sie ihre Gedanken und Gefühle dann, wenn sie persönlich von den Geschehenissen betroffen ist, ihr Lebensgefährte Gernot etwas Einschneidendes erlebt oder etwas passiert ist, das große Teile der Klinik betrifft. Das bedeutet, dass es einige Wochen lang regelmäßig neue Einträge geben kann, während es in anderen Phasen etwas ruhiger um "Ingrids Tagebuch" wird.

