23.03.2011 : Liebes Tagebuch,
Ach, ich liebe die Malerei wirklich sehr. Ich liebe den Geruch nach Farbe in den Ateliers, ich mag die Gespräche mit Künstlern, ich liebe es, mich in Bilder, Farben und Ideen zu vertiefen, junge Künstler zu entdecken und durch Galerien zu schlendern. Es ist einfach etwas Wunderbares, diese Kreativität zu spüren und zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen ihr Ausdruck verleihen.
Meist gehe ich ja mit einer Freundin zu Ausstellungen oder Vernissagen, aber ab und zu kann ich Gernot doch überreden, mitzukommen. Es war toll, mit Herrn Brettschneider durch seine Galerie und durch Herrn Sanders' Atelier zu gehen und seine Arbeiten zu sehen. Schade, dass Gernot und ich da nicht immer den selben Geschmack haben - aber, ganz ehrlich: Die Auseinandersetzung darüber macht ja Spaß! Gernot hat schließlich auch profunde Kunstkenntnis und so genieße ich es, wenn sich da unsere ästhetischen Vorstellungen und unsere Ansprüche an die Kunst auch mal aneinander reiben! Gernot war ja nicht mehr so gut auf Herrn Brettschneider zu sprechen, nachdem dieser seine Mitschuld an dem Unfall seines Freundes gestanden hatte. Aber ich finde, der Mann leidet doch schon genug unter den Vorwürfen, die er sich selbst macht. Und es war ja wohl wirklich ein Versehen. Ich jedenfalls habe keine Skrupel, bei Herrn Brettschneider Kunst zu kaufen. Und am Ende ist ja auch alles gut ausgegangen mit der Freundschaft der beiden und mit der Gesundheit von Herrn Sanders.
Jedenfalls habe ich so richtig Lust bekommen, mal wieder selbst zu malen. Gleich morgen hole ich die Staffelei wieder raus! Es ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zur Arbeit in der Klinik, wenn ich malen kann. Gerade jetzt, wenn es wieder Frühling wird, und ich die Staffelei draußen aufstellen kann - das ist wie Meditation für mich.
Ingrids Tagebuch
Oberschwester Ingrid schreibt nicht jede Woche (bzw. zu jeder Folge) in ihr Tagebuch. Vielmehr notiert sie ihre Gedanken und Gefühle dann, wenn sie persönlich von den Geschehnissen betroffen ist, ihr Lebensgefährte Gernot etwas Einschneidendes erlebt oder etwas passiert ist, das große Teile der Klinik betrifft. Das bedeutet, dass es einige Wochen lang regelmäßig neue Einträge geben kann, während es in anderen Phasen etwas ruhiger um "Ingrids Tagebuch" wird.

