25.07.2012 : Liebes Tagebuch,
ich bin immer wieder fasziniert von Hugos Fähigkeit, Menschen zu erspüren, die seine Hilfe und seine Aufmerksamkeit brauchen. Zielsicher geht er auf diejenigen zu, die Schmerzen haben, unglücklich sind oder leiden, und holt sie oftmals aus ihrer Verschlossenheit ins Leben zurück.
Ich denke, dass Hugo dabei sogar oft einen leichteren Zugang zu diesen Menschen findet als Angehörige, Freunde oder Ärzte. So einem kleinen, süßen Hund unterstellt einfach niemand eine Taktik oder eine Absicht - den muss man einfach nur gern haben. Und so schafft es Hugo ganz schnell, jeden um den Finger zu wickeln. Schließlich ging es Gernot und mir dabei auch nicht anders und der kleine Racker hat sich ganz unverhofft in unser Herz geschlichen!
Hugos Sensibilität hatte ich ja schon bei Eva Globisch bemerkt, der der Umgang mit dem Tier sehr, sehr gut getan hat. Und nun gab es wieder so einen überraschenden Moment bei Richard. Gernot und ich hatten uns so erschreckt, als wir ihn nach so langer Zeit sahen, er war kaum wiederzuerkennen. Früher war Richard Krügers inofizieller Beiname "Partylöwe" - er war viel unterwegs, stets charmant, gut gelaunt, selbstbewusst und beruflich als Fotograf erfolgreich. Und nun? Kam uns Gernots alter Freund im Rollstuhl besuchen, schwach, resigniert, voller Abwehr. Es war wirklich ein Schock für uns, ihn so zu erleben und nicht wirklich an ihn heranzukommen. Er verschloss sich vor uns und unseren Bemühungen.
Doch wer schaffte es, diese Mauer zu durchdringen? Hugo! Ich bin wirklich froh, dass Richard sich nun wieder behandeln lassen will und wieder Mut und Hoffnung geschöpft hat. Und nicht zuletzt kann er Gernot nun auch mit seinen Fotografien behilflich sein und Gernot hat seine Schreibblockade hoffentlich überwunden! Draußen ist heute wunderschönes Wetter und ich werde mir gleich gemeinsam mit Hugo den Wind um die Nase wehen lassen. Bei diesem Sonnenschein zieht es mich einfach immer in die Natur!
Ingrids Tagebuch
Oberschwester Ingrid schreibt nicht jede Woche (bzw. zu jeder Folge) in ihr Tagebuch. Vielmehr notiert sie ihre Gedanken und Gefühle dann, wenn sie persönlich von den Geschehnissen betroffen ist, ihr Lebensgefährte Gernot etwas Einschneidendes erlebt oder etwas passiert ist, das große Teile der Klinik betrifft. Das bedeutet, dass es einige Wochen lang regelmäßig neue Einträge geben kann, während es in anderen Phasen etwas ruhiger um "Ingrids Tagebuch" wird.

