05.10.2011 : Liebes Tagebuch,
tja, die Aufregungen nehmen kein Ende!
Ausgerechnet unsere immer korrekte Frau Marquardt hat nun offenbart, dass sie erpresst wurde und deshalb das marode Rohrleitungssystem der Klinik nicht erneuern konnte: Stattdessen hat sie das Geld Dr. Lorenz für seine Studie gegeben. Unglaublich - da kommt man sich ja vor wie in einem Fernsehkrimi!
Ich weiß, ich bin schon ziemlich oft mit Frau Marquardt aneinander geraten und sie geht mir mit ihrer effizienzoriertierten Art auch manchmal auf die Nerven. Ich mag es einfach nicht, dass sie mich oder die Kollegen kritisiert, wenn wir uns um die Patienten kümmern, anstatt auf die Kosten zu achten. Was meint sie denn, warum wir einen Pflegeberuf gelernt haben - weil wir reich werden wollen? Na, ganz bestimmt nicht!
Auch wenn ich nun hämisch sein könnte und ihr einmal so richtig aufs Brot schmieren, dass auch sie kompromittierbar ist, dass auch sie nicht immer das Beste für die Klinik tut; auch, wenn ich sie nun genussvoll immer wieder mit ihrem "Versagen" konfrontieren könnte - das will ich wirklich nicht. Erstens ist es einfach nicht nett, jemanden immer wieder seine Fehler vorzuhalten und zweitens tut sie mir ehrlich leid.
Auch Gernot erzählte, dass Frau Marquardt sich richtig geschämt hat und alles tun wollte, um die Klinik aus den nun entstandenen Schwierigkeiten zu holen. Und das viel wichtigere Argument - sie hat es für ihren Sohn getan. Auch wenn ihr Handeln noch immer falsch war, so würde es doch wohl jeder Mensch mit Herz verstehen.
Dass ich, um Frau Marquardt zu helfen, sogar ein Tablettenröhrchen "eingesteckt" habe, damit Frau Dr. Wieland es nicht findet, muss ich ihr ja nicht verraten - schließlich ist eine kritische Distanz zwischen Oberschwester und Verwaltungsdirektorin auch ganz wichtig, oder?

