arme Lehrer
Ulrike Pfeifer gibt Deutschkurse für Fortgeschrittene. Sie ist eine von bundesweit 80.000 Volkshochschuldozenten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 13.09.2017 Hoch qualifiziert - schlecht bezahlt

Sie haben einen Beruf, der gebraucht wird und hangeln sich trotzdem von Monat zu Monat – Lehrer an Volkshochschulen. Trotz hoher Qualifikation arbeiten die selbständigen Honorarkräfte oft höchstens auf Mindestlohn-Niveau. Das ist aber nicht das einzige Problem.

arme Lehrer
Ulrike Pfeifer gibt Deutschkurse für Fortgeschrittene. Sie ist eine von bundesweit 80.000 Volkshochschuldozenten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Volkshochschule Leipzig (Sachsen), aufgenommen am 25.04.2016.
Trotz hoher Qualifikation arbeiten die VHS-Lehrer meist nur auf Mindestlohn-Niveau Bildrechte: dpa

"Ein Kind ist Luxus, das kann ich mir momentan nicht leisten, es wäre ganz klar Hartz IV", sagt Ulrike Pfeifer. Die 36-Jährige gibt Deutschkurse für Fortgeschrittene. Sie ist eine von bundesweit 80.000 Volkshochschuldozenten. Kaum einer hat eine Festanstellung.

Als Germanistik-Studentin hatte sie sich für die Erwachsenenbildung mit der Spezialisierung für Deutsch als Fremdsprache werben lassen. "Es hieß damals, das ist der Beruf mit Zukunft, das wird gebraucht! Globalisierung, Migration wird steigen", erklärt Pfeifer. Damals sei ihr noch nicht klar gewesen, dass gerade im Bereich Erwachsenenbildung die Finanzierung, wie sie sagt, unterirdisch ist.

Netto unter dem Mindestlohn

Die Honorare für eine Unterrichtsstunde liegen in Sachsen zwischen 17 und 35 Euro brutto. Bezahlt wird nur die reine Unterrichtszeit. Dabei entspricht ihr Stundenpensum oftmals dem voll beschäftigter Lehrer. Zudem gibt es weder im Urlaubs- noch Krankengeld. Als Selbständige müssen die Dozenten auch noch die Kosten für Kranken- und Rentenversicherung allein tragen.

Allerdings "sind wir ja gezwungen, Sozialabgaben - sowohl Renten- und Krankenkasse doppelt zu bezahlen", erklärt Pfeifer. Denn Selbständige müssen den Arbeitgeberanteil mittragen, den der normale Angestellte auf seinem Lohnzettel gar nicht sehe.

Was unterm Strich netto rauskommt - da  sind wir unter dem Mindestlohn.

Ulrike Pfeifer

Manche Kollegen versuchen deshalb, die gesetzlich vorgeschriebene Rentenpflicht zu umgehen und zahlen keine Beiträge ein. Doch irgendwann kommt die Forderung der Rentenkasse – und davon gibt es jede Menge. Eine Kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung ergab, dass es bundesweit sehr hohe Beitragsrückstände gibt.

Beitragsschulden von 300 Millionen Euro

"Viele Lehrer, die als Selbständige arbeiten, sind versicherungspflichtig. Und deren gesamte Beitragsschulden sind 300 Millionen Euro", sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Kurth. Für ihn zeige dies, wie schlecht die Honorarkräfte bezahlt werden, und "sie es gar nicht schaffen neben dem Krankenversicherungs-Beitrag noch den Rentenversicherungs-Beitrag zu bezahlen".

In der Volkshochschule in Leipzig (Sachsen) korrigieren Teilnehmer aus Tunesien, Tansania, Eritrea und Marokko beim Deutsch-Unterricht im Integrationskurs Texte an der Tafel, aufgenommen
Das  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zahlt für die Honorkräfte an Volkshochschule mit die höchsten Stundenlöhne für die Integrationskurse. Bildrechte: dpa

Das Problem liegt bei den Stundensätzen. Vor- und Nachbearbeitungszeiten können die selbständigen Dozenten gar nicht in Rechnung stellen. Um ein Einkommen wie festangestellte Lehrer zu erzielen, müssten sie  Stunden-Honorare von etwa 70 Euro fordern. Doch in der Realität sind 35 Euro schon ein großer Fortschritt. Die zahlt das  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit dem vergangenen Jahr für die Integrationskurse.

Mit den 35 Euro kommen die VHS-Lehrkräfte etwa auf ein monatliches Nettoeinkommen von 1.500 Euro – was in diesem Bereich zum Spitzenverdienst zählt. Bei einem Stundensatz von 20 Euro erreichen Dozenten etwa 1.000 Euro monatlich, bei 17 Euro gerade mal 800.

Das Problem: Das Budget der Volkshochschulen (VHS) ist beschränkt. Es lässt meist weder höhere Honorare noch Festanstellungen zu. Dabei wird gleichzeitig immer mehr Weiterbildung nachgefragt; nicht nur die Zahl der Integrations- und Sprachkurse steigt.

Nur hat etwa die Stadt Leipzig als Träger der Volkshochschule ihre Zuschuss-Möglichkeiten bereits ausgeschöpft. In der Pflicht wäre nun der Freistaat Sachsen. Aber der ist seit Jahren das Schlusslicht in Sachen Weiterbildung: Gerade mal 2,20 Euro investiert Sachsen pro Kopf der Einwohner. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 3,80 Euro, in Nordrhein-Westfalen sogar 7,16 Euro.

Eine Milliarde mehr – doch an anderen Stellen

In Sachsen hatten bislang andere Sachen Vorrang. "Die Prioritäten in den letzten Jahren waren im Wesentlichen auf drei finanzielle Blöcke gerichtet", sagt der Sprecher des Kultusministeriums, Dirk Reelfs. Es wurden mehr Lehrer für allgemeine Schulen benötigt, der Betreuungsschlüssel für Kindergärten wurde verbessert und das Ministerium habe deutlich mehr für freie Träger und freie Schulen ausgegeben. "Damit hat sich der Haushalt um - sage und schreibe - eine Milliarde erhöht, aber für die  Weiterbildungsträger ist in der Tat  nicht viel übrig geblieben."

Immerhin, hier  scheint man sich des Problems bewusst zu sein. Eine bessere Bezahlung wäre wünschenswert, sagt Reelfs. "Deshalb haben wir auch das Interesse im nächsten Doppelhaushalt mehr Geld für die Weiterbildung zur Verfügung zu stellen. Ob es gelingt, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen."

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 13.09.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 19:06 Uhr

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2 Kommentare

14.09.2017 12:22 Siegfried 2

Na ja das war doch wieder mal ein "hochqualifizierter" Beitrag. Wer die Umstände nicht kennt, sollte sowas lieber sein lassen!

13.09.2017 22:42 einfachparadiesisch 1

Jammern auf Studierten Niveau. Wer zwingt die Leute so einen Job anzunehmen. Grund- und Regelschulen suchen auch Lehrer und da wird man Beamter. Die sollten kein Pfennig vom Staat bekommen und lieber an Staatlichen Schulen unterrichten.