Udo Witschas, CDU, stellvertretender Landrat
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt aktuell | 18.08.2017 Bautzener Vize-Landrat chattete mit NPD-Politiker

Die Kontakte zwischen dem Bautzner Viza-Landrat Witschas und dem ehemaligen NPD-Politiker Wruck sind offenbar deutlich intensiver als bisher bekannt. Das sollen Chat-Protokolle belegen, aus denen mehrere Medien zitieren.

Udo Witschas, CDU, stellvertretender Landrat
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Bereits in der vergangenen Woche war Vize-Landrat Witschas (CDU) in die Kritik geraten, weil er sich für insgesamt drei Stunden mit dem bisherigen NPD-Kreischef Marco Wruck getroffen hatte. Dabei betonte Witschas, Wruck sei auf ihn zugekommen und habe um ein Gespräch gebeten.

Kontaktaufnahme ging von Witschas aus

Die nun aufgetauchten Chat-Protokolle belegen aber etwas anderes. Wie MDR SACHSEN und die Sächsische Zeitung berichten, hatte Witschas den Kontakt zu Wruck gesucht. Zunächst habe er via Facebook Wrucks Frau eine Freundschafts-Anfrage geschickt und im Chat nach einer Möglichkeit eines Gesprächs gefragt.

In den folgenden Tagen hätten sich die beiden Männer vor und nach ihrem Gespräch regelmäßig ausgetauscht. Darin sei es unter anderem um ein gemeinsames Treffen gegangen und wie sie diesbezüglich mit der Presse umgehen sollten. Zudem sei die Zukunft der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft "Spreehotel" diskutiert worden.

Nicht-öffentliche Informationen weitergegeben

In den Chats soll Witschas den Berichten zufolge auch Behördeninformationen weitergegeben haben, die zu dem Zeitpunkt noch nicht öffentlich waren. So habe er Wruck informiert, als die Stadt Bautzen beschlossen hatte, ein Aufenthaltsverbot gegen den 21-jährigen libyschen Flüchtling "Abode" auszusprechen.

Die neuen Enthüllungen bringen Witschas erneut massive Kritik ein. Der sächsische Vorsitzende der Linkspartei, Gebhardt, forderte Ministerpräsident Tillich sowie Landrat Harig auf, "die Notbremse zu ziehen." Grünen-Chefin Melcher bezeichnete Witschas' Rücktritt als "mehr als überfällig."

Witschas reagiert auf Vorwürfe

Witschas räumte bei MDR SACHSEN den Kontakt und die mangelnde Distanz ein. Allerdings wies er Vorwürfe zurück, Informationen weitergegeben zu haben.

Inzwischen hat sich auch Ministerpräsident Tillich zu Wort gemeldet. Sein Sprecher Ralph Schreiber teilte mit, der Regierungschef fordere zügige Aufklärung der Vorkommnisse. Das sei ihm auch aus dem Landratsamt zugesichert worden. Tillich beobachte die Vorgänge mit Sorge.

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2017, 16:32 Uhr