Veranstaltung Compact-Magazin
Oliver Hilburger, Betriebsrat bei Daimler auf "Compact"-Konferenz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Compact-Konferenz in Leipzig - Rechtspopulisten wollen in die Betriebe

Am vergangenen Samstag fand in Leipzig die jährliche Konferenz des Compact Magazins statt - Sprachrohr der neuen Rechten und AfD-nah. Zu Gast waren u.a. Pegida Gründer Lutz Bachmann, Björn Höcke und Martin Sellner, einer der führenden Köpfe der Identitären Bewegung. Vor dem Saal gab es Proteste - drinnen ging es u.a. um die Frage, ob es "Gewerkschaften von rechts" braucht.

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Oliver Hilburger, Betriebsrat bei Daimler auf "Compact"-Konferenz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonnabend früh, vor dem Eventpalast auf der Alten Messe in Leipzig. Jürgen Elsässer ist guter Dinge. Der Chefredakteur der AfD-nahen Zeitschrift "Compact" hat heute zu einer Konferenz rechter Populisten eingeladen. Die Redner sind extra ein paar Stunden früher angereist, um den angekündigten Gegenprotesten zu entgehen. Unter ihnen Pegida-Chef Lutz Bachmann, der aus Teneriffa eingeflogen ist. Und Martin Sellner, er leitet die Identitäre Bewegung in Österreich, eine hip und aktionistisch auftretende Jugendorganisation für Rechtsextremisten.

Polizisten beim Einsatz vor Veranstaltung Compact-Magazin
Polizisten beim Einsatz vor der Compact-Konferenz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Später kommen rund 300 Gegendemonstranten -doch bis auf ein paar Rangeleien geht es insgesamt recht friedlich zu. Als schließlich Stargast Björn Höcke eintrifft, ist der Gegenprotest längst dem Regen gewichen.

Arbeiter als Zielgruppe der AfD

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Bisher tritt die AfD eher neoliberal auf, will zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit abschaffen. Björn Höcke möchte die Partei nun auf einen völkisch-sozialen Kurs trimmen, ihren hohen Wähleranteil unter Arbeitern und Arbeitslosen sichern. Höcke fordert daher, "sich verstärkt der kleinen Leute anzunehmen", er will "die sozialen Errungenschaften von 150 Jahren Arbeiterbewegung gegen die zerstörerischen Kräfte des Raubtierkapitalismus verteidigen."

Tatsächlich sei die AfD in eine Lücke gestoßen, sagt der Soziologe Klaus Dörre von der Universität Jena. Die linken Parteien hätten die Arbeiter sträflich vernachlässigt, "bei den Parlamentariern, bei den Funktionären, aber auch zunehmend innerhalb der Wählerschaft spielen Arbeiter überhaupt keine Rolle." Das führe auch dazu, dass deren Probleme völlig unbekannt sind, dass man deren Sprache nicht mehr spricht, sagt der Wissenschaftler.

Rechte startet Kampagne zu den Betriebsratswahlen

Bei "Compact" startet die Höcke-nahe Rechte eine Kampagne Zu den bundesweiten Betriebsratswahlen im März will man so genannte patriotische Kandidaten unterstützen. Als Vorbild dient Oliver Hilburger, fast 20 Jahre Gitarrist einer Neonaziband, heute Betriebsrat bei Daimler. Compact-Chef Jürgen Elsässer will diesen "Erfolg auf andere Industriebetriebe ausdehnen." Bisher ist das reine Polit-PR. Aber ein Potenzial gibt es durchaus, vor allem im Osten. Hier stieß der Soziologe Dörre bei seinen Forschungen auf Überraschendes: "Die gleichen gewerkschaftlichen Aktivisten, die sich sehr stark in Streiks für Tarifverträge engagieren, finden überhaupt nichts dabei, selber die Busse zu organisieren und zur Pegida Demonstration zu gehen."

Bei den Teilnehmern der Veranstaltung ist die Kampagne jedenfalls angekommen. Die Rechtspopulisten wollen in die Betriebe - alle anderen sollten sich darauf einstellen.

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 18:26 Uhr

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19 Kommentare

03.12.2017 09:44 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 19

@ 18. Eulenspiegel:
Wir waren ungerecht!
DoM hat nur gesagt, daß die AfD im Betrieb angekommen sei - sonst nichts.
Man 'darf' ja von 'frisch Angekommenen' nicht 'erwarten', daß sie gleich Forderungen stellen - das sagen selbst Leute aus der AfD.

02.12.2017 13:31 Eulenspiegel 18

Hallo D.o.M. 11
Da haben sie wohl ein bisschen geträumt.

01.12.2017 20:54 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 17

@ 16. Eulenspiegel:
Auf die Nennung der Forderungen der AfD im Betrieb von DoM wirst Du wohl leider lange warten müssen... hätte mich auch interessiert.

01.12.2017 12:32 Eulenspiegel 16

Hallo D.o.M. 11
Dann nennen sie uns doch einfach mal die Forderungen mit der die AfD bei ihnen im Betrieb so viel Erfolg erzielt.

01.12.2017 07:58 Sachse 15

Die Linkspopulisten sind doch schon lange dort! Warum regt sich da keiner auf, nicht einmal die Merkelpopulisten?

01.12.2017 06:49 Wo geht es hin? 14

Zitat aus dem Artikel: "Björn Höcke möchte die Partei nun auf einen völkisch-sozialen Kurs trimmen... "Zitat Ende. Könnte der Verfasser mal konkret erklären, was damit gemeint ist? Mir reicht es nicht, einfach mal so eine BEWERTUNG zu lesen, nein - ich möchte das dann auch an Hand von Fakten begründet haben. So geht EIGENTLICH guter Journalismus. Auch sonst strotzt der Artikel nur so von subtilen linguistischen Tricks, um den Leser in die gewünschte Meinungsbildung zu schubsen. Wie wäre es mal mit FAKTEN? Z.Bsp., dass der angesprochene Betriebsrat bei Daimler zur letzten Wahl immerhin 10 % ALLER Stimmen bekommen hat? Nö, es ist ja wichtiger zu erwähnen, dass Bachmann angeblich aus Teneriffa eingeflogen ist. Was hat das mit dem Thema zu tun? SO wird MEINUNG GEMACHT und DAS hat mit gutem Journalismus absolut nichts zu tun! Es ist das gute Recht der Redaktion, IHRE Meinung in einem Kommentar oder einer Kolumne zu äussern - aber in "MDR INVESTIGATIV" ist das einfach nur plumpe Propaganda.

30.11.2017 23:01 ralf meier 13

@Altmeister Nr.50: Sie zitieren ' "bei den Parlamentariern, bei den Funktionären, aber auch zunehmend innerhalb der Wählerschaft spielen Arbeiter überhaupt keine Rolle." und fragen sich: Was ist dann an denen noch links, außer der Kampfeswille gegen rechts ?

Ich vermute recht wenig. Dazu empfehle ich gern das video
'Guido Reil, der Steiger besucht unter Polizeischutz seine DGB-Genossen bei Demo' . Ich kann mir kaum vorstellen, daß auch nur einer derjenigen, die Herrn Reil als langjährigen Arbeitnehmervertreter dort in hörbar jugendlichem Übermut mit 'Nazis raus' anpöbeln , schon mal gearbeitet hat. Aber das ist nur ein subjektiver Eindruck. Überzeugen Sie sich selbst. Für mich bestätigen die Impressionen dieses Videos eindrucksvoll die Thesen des Hern Dörre.

30.11.2017 20:40 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 12

Zitat "Die Redner sind extra ein paar Stunden früher angereist, um den angekündigten Gegenprotesten zu entgehen. Unter ihnen Pegida-Chef Lutz Bachmann, der aus Teneriffa eingeflogen ist."

Es ist nur richtig, daß man 'auch mal' ein bissl früher aufstehen muß, wenn man Protetesten aus dem Weg gehen will.

Zitat "Bisher tritt die AfD eher neoliberal auf, will zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit abschaffen."

Tja, mit der AfD gibt es dann im Falle einer Arbeitslosigkeit wohl gar kein ALG1, sondern gleich Hartz4 - eine faktische Auflösung der Arbeitslosenversicherung?

Da man den Gegner eher bei den "Rot-Grünen" verortet, ist es nicht verwunderlich, daß man sich so etwas vom Sozialen distanziert.

30.11.2017 20:26 D.o.M. 11

Also bei uns ist die AfD schon im Betrieb angekommen. Und vor allem auch in der Arbeiterschaft

30.11.2017 18:44 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 10

LACH!
Ich denke, mit dem 'Einschleimen bei Arbeitern' werden 'Förderer des rechten Windes' nich viel Erfolg haben. Dafür haben sie ihre Einstellung schon zu klar gemacht.