Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50
Bildrechte: IMAGO

exakt - So leben wir! | 06.09.2017 Im Land des Niedriglohns

Die gute Nachricht ist: Seit den Hartz-Reformen sind in Ostdeutschland 640.000 Menschen mehr in feste Jobs gekommen. Die schlechte: Diese Arbeit reicht oft nicht für ein gutes Leben. Viele sind Multijobber, Leiharbeiter oder haben Minijobs. Was macht das mit den Menschen und was macht das aus unserem Land?

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50
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Das Arbeitsleben der Ostdeutschen hat sich seit der Wende völlig verändert. Erst kam das Aus für viele DDR-Betriebe. Tausende Arbeitsstellen verschwanden. 2003 dann das Jobwunder, die Hartz-Reformen. Tatsächlich gingen in den folgenden Jahren die Arbeitnehmerzahlen in Ostdeutschland nach oben. Weniger Menschen waren arbeitslos. - Aber zu welchem Preis?

2003 hatten rund 90.000 Ostdeutsche mindestens noch eine Nebentätigkeit. Seit der Einführung der Hartz-Reformen ist die Zahl der sogenannten Multijobber stark gestiegen. 2016 sind es schon rund 243.000. Das ist etwa so viel, wie Chemnitz Einwohner hat.

Zu den Arbeitnehmern zählen auch die sogenannten Leiharbeiter. Dazu kommen die geringfügig Beschäftigten und auch die Teilzeitarbeitsverhältnisse. Zählt man diese drei Beschäftigungsformen nicht mit, bleiben deutlich weniger Vollzeitstellen übrig. Doch je weniger Menschen Vollzeitjobs haben, desto weniger verdienen auch genügend. In Mitteldeutschland arbeiten inzwischen 39 Prozent der Menschen für Niedriglohn. Allein im Kreis Mittelsachsen betrifft das etwa die Hälfte der Arbeitnehmer.

Oliver Holtemöller arbeitet am  Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. Er ist Wirtschaftsexperte und Kenner der ostdeutschen Verhältnisse und ist sich sicher: Niedriglöhne sind inzwischen ein Nachteil für Ostdeutschland!

Der Transformationsprozess, den wir hatten in den 1990er Jahren, baute auch ein stückweit auf der Tatsache, dass die Löhne in Ostdeutschland niedriger sind. Das hatte zu der Zeit seine Berechtigung, nur muss man sich jetzt davon lösen. Wir brauchen jetzt eben Bereiche, in denen Qualifikation eine große Rolle spielt und gut qualifiziertes Personal muss man auch entsprechend entlohnen.

Oliver Holtemöller, IWF Halle

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV am 06.09.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 18:22 Uhr