Der Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Freitaler Stadtrat, Michael Richter
2015 war das Auto des Freitaler Linke-Stadtrats, Michael Richter, bei einem mutmaßlichen Sprengstoffanschlag zerstört worden. Bildrechte: dpa

exakt aktuell | 13.10.2017 Anschlagsopfer zieht weg aus Freital

2015 terrorisierten Mitglieder der rechtsextremen "Gruppe Freital" mit mehreren Anschlägen die Kleinstadt Freital bei Dresden. Ziele waren nicht nur Flüchtlingsheime, sondern auch Andersdenkende. Eines ihrer mutmaßlichen Opfer, ein Freitaler Linke-Stadtrat, verlässt deshalb Sachsen.

Der Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Freitaler Stadtrat, Michael Richter
2015 war das Auto des Freitaler Linke-Stadtrats, Michael Richter, bei einem mutmaßlichen Sprengstoffanschlag zerstört worden. Bildrechte: dpa

Zwei Jahre nach dem Sprengstoffanschlag auf sein Auto verlässt der Freitaler Stadtrat Michael Richter Sachsen. Der Linken-Politiker sagte der "Sächsischen Zeitung", er werde im Dezember nach Bayern umziehen. Der Entschluss stehe fest, seit er die Akten aus dem Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen der "Gruppe Freital" gelesen habe. Er sei nun überzeugt, dass die Attacke im Juli 2015 auch ihm persönlich gegolten habe, sagte Richter der Zeitung.

Der Ausgang der Bundestagswahl habe seine Entscheidung, Sachsen zu verlassen, weiter verstärkt. Allerdings gebe es auch wirtschaftliche Gründe für seine Entscheidung. Richter stammt der Zeitung zufolge aus Nordrhein-Westfalen und lebt seit 2009 in Freital.

Sprengstoffanschlag auf Auto verübt

Das Auto des 41-Jährigen war Ende Juli 2015 nachts vor seiner Haustür gesprengt worden. Neben der Sprengstoff-Attacke auf Richters Auto werden den acht Angeklagten auch mehrere Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte zur Last gelegt. Die Wirkung der Tat beschrieb Richter im Prozess gegen die mutmaßliche Terrorzelle so: "Ich gehe jeden Morgen einen anderen Weg (zur Arbeit) und auch nie zur selben Zeit." Auch an einem Parteibüro, auf das die Gruppe ebenfalls einen Anschlag verübt haben soll, seien ein Hakenkreuz und Parolen wie "Richter, wir kriegen dich" oder "linke schwule Sau" geschmiert worden.

Nach der Festnahme der ersten Gruppenmitglieder sei es dann "relativ ruhig in Freital" geworden. Dennoch halte er sich nur noch ungern in der Stadt auf, sagte Richter vor Gericht. Er schilderte auch, wie er wegen seines Engagements für Flüchtlinge bei Facebook bedroht worden sei - "bis hin zu Morddrohungen". "Stellt ihn an die Wand, erschießt ihn, steinigt ihn", habe es da geheißen.

Prozess dauert länger als vorgesehen

Der Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder der "Gruppe Freital" hatte im März begonnen. Den sieben Männern und einer Frau wird die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen zwischen Juli und November 2015 fünf fremdenfeindliche oder politisch motivierte Anschläge verübt haben. Der Prozess am Oberlandesgericht Dresden dauert mindestens noch bis Ende März 2018.

exakt berichtete mehrfach über die "Gruppe Freital":

Terroristen
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Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 16:57 Uhr