Neues Jagdschloss Hummelshain
Repräsentativer Saal im Neuen Jagdschloss Hummelshain. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 11.10.2017 Die unglaubliche Geschichte von Schloss Hummelshain

Hummelshain ist ein echtes Märchenschloss - es sieht nicht nur so aus, auch was hier geschieht, ist märchenhaft. Der dubiose Schlossherr versprach, das Anwesen zu sanieren. Tat es nicht. Von der öffentlichen Hand gibt es jetzt trotzdem 1,5 Millionen Euro Fördermitteln, die seinem Reich zu neuem Glanz verhelfen sollen.

Neues Jagdschloss Hummelshain
Repräsentativer Saal im Neuen Jagdschloss Hummelshain. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Hummelshain gibt es eine deutschlandweite Besonderheit zu besichtigen: Ein Förderverein erhält öffentliche Gelder, mit dem der Besitz eines Unternehmers mit zweifelhaftem Ruf saniert wird. Die Menschen, die vom Schlossherrn bei Geldgeschäften über den Tisch gezogen worden, verstehen die Welt nicht mehr. 

Zugesagte Investitionen blieben aus

Das Jagd- und Residenzschloss Hummelshain ist das letzte in Thüringen erbaute Schloss. Das einstige Jagdschloss der Herzöge von Sachsen-Altenburg ist stark baufällig. Das Dach, Balkone und Fassaden sind schwer beschädigt. Auch das Innere ist in einem schlechten Zustand. Die Liste der Mängel ist lang. Holztäfelungen sind abgeplatzt, Wandgemälde durch Wasserschäden zerstört und zerborstene Fenster mit Plastikplanen kaschiert.

Ein grüner Kran steht vor der Anlage von Schloss Hummelshain, während ein Mann auf dem Dach steht und den Arm ausstreckt.
Außer Notsicherungen am Dach passierte nicht viel am Schloss. Schon damals, 2014, gab es dafür Geld vom Staat. Bildrechte: MDR/Arne Kirsten-Schein

Fast 20 Jahre ist hier nahezu nichts passiert, seit die LEG, die landeseigene Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft, den ehemaligen DDR-Wissenschaftler Lutz Rothe als Käufer des Schlosses präsentierte. Jahrelang hatte Rothe kaum Geld in die Sanierung gesteckt, obwohl er sich im Kaufvertrag dazu verpflichtet hatte. Andere Projekte waren wichtiger. Auch den vollen Kaufpreis blieb er schuldig. Das kulturhistorisch wertvolle Denkmal war nun in den Händen eines Privatmanns, dessen Boniät und Vergangenheit die LEG zuvor nicht ausreichend geprüft hatte.

Mit dem Schloss hatte Lutz Rothe von Anfang ehrgeizige Pläne. Der Ingenieur und Wissenschaftler wollte das denkmalgeschützte Anwesen zu einem Technologiezentrum machen. Geworden ist daraus nichts. Für neue Projekte, die er plante, benötigte er frisches Geld. Das warb er von Privatleuten wie Marion und Alexander Luther ein.

Er ist so raffiniert, dass er alle über den Tisch ziehen kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich hatte noch nie mit so einem Menschen zu tun, der sich raffiniert ausdrücken konnte.

Marion Luther, geprellte Anlegerin

15.000 Euro vertraute das Ehepaar Luther Lutz Rothe an und ließ sich dabei vom seriösen Auftreten und vermeintlich bedeutsamen Zertifikaten des Unternehmers blenden. Es kam zum Totalverlust. Das Ehepaar Luther musste vor Gericht ziehen, um eine Ratenzahlung zu erstreiten. Mindestens 18 weitere Anleger fühlen sich geprellt und verloren Geld - insgesamt mehrere Hunderttausend Euro.

exakt | 11.10.2017 Rundgang in Schloss Hummelshain

Baugerüst an Schloss Hummelshain
Schloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis ist ein Zeugnis herzoglicher Baukunst des 19. Jahrhunderts ... Bildrechte: MDR/Jörg Thiem
Baugerüst an Schloss Hummelshain
Schloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis ist ein Zeugnis herzoglicher Baukunst des 19. Jahrhunderts ... Bildrechte: MDR/Jörg Thiem
Schloss Hummelshain
... einst Jagd- und Sommerresidenz der Herzöge Sachsen-Altenburg ... Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Schloss Hummelshain
... und des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. König von Preußen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Schloss Hummelshain
Unter azurblauem Himmel erscheint das Schloss als steinerne Pracht. Doch es ist derart angegriffen, dass eine Generalsanierung nötig ist. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem
Schloss Hummelshain
Am und im Schloss selbst hat der Zahn der Zeit genagt. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Zugemauerte Öffnungen am Schloss Hummelshain
In der Hand eines Geschäftsmannes verfiel das Anwesen. Sanierungszusagen wurden nicht eingehalten. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Der ramponierten Nachbildung eines Hirschkopfes an der Fassade von Schloss Hummelshain fehlt eine Seite des Geweihs.
Dem Hirschkopfes an der Fassade fehlt eine Seite des Geweihs. Bildrechte: MDR/Arne Kirsten-Schein
Die verzierte Decke eines Saales
Die verzierte Decke eines Saales im Schloss. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Schäden an einer Zimmerdecke
Weniger prunkvoll. Hier blättert die Farbe, die Tapeten rollen ab. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Malerrolle steht neben einem Heizkörper in der Ecke eines renovierungsbedürftigen Raumes
Vollgesogene Kellerwand: Bodenfeuchtigkeit steigt im Mauerwerk nach oben. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem
Eine Treppe mit reich verziertem Holzgeländer
Das Treppenhaus mit verziertem Holzgeländer. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
Ein prunkvoller Saal auf Schloss Hummelshain
Der prunkvolle Saal auf Schloss Hummelshain täuscht über den maroden "Rest" hinweg. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling
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Baugerüst an Schloss Hummelshain
Schloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis ist ein Zeugnis herzoglicher Baukunst des 19. Jahrhunderts ... Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Lutz Rothe stand schon mehrfach wegen seines betrügerischen Modells vor Gericht. Trotzdem ist er sich keiner Schuld bewusst. Auch den Kaufvertrag für seine Immobilie interpretierte Schlossherr Rothe eigenwillig. Darin hatte er sich zur Sanierung des maroden Anwesens verpflichtet. Das Paradoxe: Statt des Eigentümers finanzieren jetzt staatliche Stellen die Reparaturen des Denkmal. Der Freistaat Thüringen und der Bund bewilligten Fördergelder in Höhe von 1,53 Millionen Euro. Diese fließen in den kommenden sechs Jahre in Arbeiten am Dach und am Mauerwerk des maroden Baus.

Bautafel zur Sanierung von Schloss Hummelhain
Für die Trockenlegung des Mauerwerkes und Arbeiten am Dach stellen Bund und Land in den kommenden sechs Jahren 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Bildrechte: MDR/Anke Preller

Lutz Rothe profitiert nur indirekt. Die Steuergelder hat ein Förderverein beantragt, der sich um den Erhalt des Neuen Jagdschlosses Hummelshain kümmert. Bei den geprellten Anlegern stößt die Konstruktion trotzdem auf Unverständnis. "Uns erschreckt eigentlich, dass diesem Mann indirekt Fördergeld jetzt noch zur Verfügung gestellt wird. Der Mann kriegt 1,53 Millionen Euro fast, ich sage mal, geschenkt für etwas, was er ja auch versprochen hat in Ordnung zu bringen und nicht in Ordnung gebracht hat", sagt Alexander Luther.

Von der Thüringer Landesregierung heißt es lapidar: Es gehe nicht darum, dem Eigentümer eine Aufwertung seiner Immobilie zu ermöglichen. Vielmehr werde mit diesen Mitteln die Voraussetzungen geschaffen, um baulich notwendige Maßnahmen durchzuführen.

Wie es mit Hummelshain weitergeht, ist trotz vollmundiger Ankündigungen des Schlossherren unklar. Die unglaubliche Geschichte des Schloss Hummelshain liest sich wie ein Märchen, ist aber keins.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 11.10.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 16:39 Uhr

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2 Kommentare

11.10.2017 23:44 observer 2

Alles fing ja schon mit der Machtergreifung der sogenannten "Treuhand" über das Objekt an. Hauptsache Volkseigentum abgreifen und dubiosen Interessenten zuschanzen, die Öffentlichkeit wehrte sich ja nicht. Je gerissener eine "Heuschrecke" sich aufführte und je skrupelloser sie mit dem Ergrapschten verfuhr, siehe unter anderem auch Schloß Reinhardsbrunn, desto unbehelligter blieb sie. Gewinne privatisieren, Verluste dem Steuersäckel auferlegen - die alte Masche. Und die Politik dreht Däumchen und schießt sogar noch Geld zu, wir haben's ja. Vor Hohnlachen über das System kommen die Heuschrecken kaum in den Schlaf.

11.10.2017 21:11 frank r. 1

Deshalb sind Betrüger in Deutschland immer auf der sicheren Seite, und die Auslegung von schlampigen Gesetzen tut auch ihren Teil. Mein Beileid gilt denjenigen, die trotz Ehrlichkeit und Verzicht, auf ein etwas besseres Leben hoffen.

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Schloss Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis ist ein Zeugnis herzoglicher Baukunst des 19. Jahrhunderts ... Bildrechte: MDR/Jörg Thiem
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