Gemeinsamkeiten zwischen Links und Rechts? Eurasien-Konzept findet Anhänger bei Linken und bei AfD

Wolfgang Gehrcke, MdB
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Zwischen den politisch weit auseinander liegenden Parteien Die Linke und AfD gibt es Parallelen bei der Einschätzung Russlands und der USA in der Weltpolitik. So findet das Konzept eines Europas unter russischer Führung - das sogenannte Eurasien - Anhänger in beiden Parteien. Dieses Konzept propagiert Eurasien als Gegenpol zur liberalen  westlichen Gesellschaft, er angeblich von den USA dominiert und gesteuert wird.

Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag
Wolfgang Gehrcke Bildrechte: IMAGO

Prominenter Befürworter bei der Linken ist beispielsweise deren außenpolitischer Sprecher Wolfgang Gehrcke. Der warb unter anderem in einem Film des staatlichen russischen Senders Russia Today für eine eurasische Union. Die sei "ein Alptraum für die USA", sagte Gehrcke in dem Film. Denn „solch ein Europa“ bedeute das Ende der amerikanischen Vorherrschaft auf dem Kontinent.

Solche Ideen einer zu beseitigenden Vorherrschaft der USA in Europa finden auch in der AfD Zustimmung. So sagte der Kulturpolitische Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, im August auf einem Russlandkongress seiner Partei in Magdeburg, der westliche Liberalismus, der sein geistiges Zentrum an den US-amerikanischen Universitäten habe, sei am Ende. Zugleich warb Tillschneider dafür, sich mit den Theorien von Alexander Dugin auseinanderzusetzen.

Der russische Publizist Dugin ist einer der exponiertesten Vertreter des Konzeptes eines Eurasien unter russischer Vorherrschaft. Seine Idee ist die sogenannte 4. Politische Theorie, die nach Liberalismus, Marxismus und Faschismus kommen müsse. Diese zielt laut dem Osteuropa-Experten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Wilfried Jilge, letztlich darauf ab, einen Gegenentwurf zum westlich liberalen Europa zu schaffen - in Form eines eurasischen Raums unter russischer Führung.

AfD-Abgeordneter Hans-Thomas Tillschneider spricht bei einer Podiumsdiskussion gestikulierend in ein Mikrofon
Hans-Thomas Tillschneider Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Einer, der Linke und Rechte für die 4. Politische Theorie und Eurasien gewinnen will, ist Jurij Kofner - der Macher des Films, in dem der Linke-Politiker Gehrcke zu Wort kommt. Der Film wurde auch auf dem Russlandkongress der AfD in Magdeburg gezeigt. Was Kofner von der westlichen Gesellschaft hält, sagte er einmal in einem Interview deutlich: "Heute wird Europa, insbesondere Westeuropa, zerstört durch einen Schmelztiegel von afrikanischen und arabischen Einwanderern. Es entsteht eine Konsumgesellschaft und Gesellschaft der Schwulen und Lesben. Eine passive Masse von Konsumenten, die nur US-Waren und US-Kultur zu konsumieren fähig ist." Und eine solche "undefinierte Bevölkerungsmasse in Europa" stelle keine Bedrohung für die USA dar.

Gehrcke distanzierte sich im Gespräch mit dem ARD-Magazin FAKT allerdings von seinem Interview in dem Film. Seine Vorstellung von der Eurasischen Union basiere "natürlich auf dem Selbstbestimmungsrecht, auf Demokratie, und nicht jede russische Vorstellung kommt mir da entgegen", sagte er.

Einig sind sich Anhänger des eurasischen Konzepts nach Einschätzung von Osteuropa-Experte Jilge in einer antiwestlichen Grundposition: "Dass angeblich Russland eingekreist ist und Amerika überhaupt auch verhindert, dass europäische Nationen wirklich souverän sein können."

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 14:10 Uhr

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2 Kommentare

13.09.2017 14:50 S. Hagen 2

Der Artikel hat leider nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun, sondern ist nur ein Fall von Propaganda und Gegenpropaganda. Man versucht Gräben zu vertiefen, anstatt sie zu schließen. Eine vertane Chance.

13.09.2017 10:45 K. Stephan 1

Sendung Fakt vom 13.9.2017
Beitrag "Rechte" und "Linke"
warum haben sie am Ende des Beitrags eine kurze Sequenz eines Liedes von Konstantin Wecker eingespielt? Haben sie von Hernn Wecker dafür eine Genehmigung erhalten?