Berüchtigte "Colonia Dignidad" in Chile Ex-Führungskräfte pflegen enge Beziehungen zu Evangelikalen in Krefeld

Ehemalige Führungskräfte der berüchtigten "Colonia Dignidad" in Chile pflegen enge Beziehungen zu einer evangelikalen Gemeinde in Deutschland. Nach Recherchen des ARD-Magazins FAKT lebt der frühere Arzt der "Colonia", Hartmut Hopp, seit Jahren in Krefeld und geht bei der dort heimischen evangelikalen Gemeinde "Freie Volksmission" ein und aus. Hopp war im Jahr 2011 in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Kindesmissbrauch in 27 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er floh nach Deutschland. Als deutscher Staatsbürger wird er nicht nach Chile ausgeliefert. Seit Jahren laufen langwierige juristische Verfahren, damit die Strafe in Deutschland vollstreckt werden soll.

FAKT sind insgesamt drei Täter aus der "Colonia" bekannt, die nach Krefeld geflohen sind. Die von dem Deutschen Paul Schäfer in den 1960er-Jahren gegründete Sekte ist berüchtigt für Gewalt und Misshandlungen: Ehemalige Bewohner der "Colonia" berichteten von sexuellem Missbrauch an Kindern durch Führungsmitglieder der Sekte. Die Militärjunta von General Augusto Pinochet betrieb auf dem etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile gelegenen Gelände der "Colonia" ein Folterzentrum, in dem Regimegegner gequält wurden.

Schäfer tauchte 1996 unter, neun Jahre später wurde er in Argentinien verhaftet. Ein chilenisches Gericht verurteilte ihn im Jahr 2006 wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs zu 20 Jahren Haft. Er starb 2010 im Gefängnis.

Archivfoto aus den 1980er Jahren zeigt den Eingangsbereich der 'Colonia Dignidad' in Parral, Linares, Chile.
Die "Colonia Dignidad" in den 1980er-Jahren Bildrechte: dpa

Seit Jahren gibt es enge Verbindungen zwischen der "Colonia", die heute Villa Baviera heißt, und der "Freien Volksmission" in Krefeld. Deren Oberhaupt Ewald Frank ist seit 2004 eine religiöse Leitfigur vieler Bewohner der ehemaligen "Colonia Dignidad" in Chile. Seine Aufforderung an Bewohner, Geschehenes ruhen zu lassen und nicht darüber zu sprechen, wird von Opfer-Anwälten kritisiert. So sagte der Rechtsanwalt Winfried Hempel, der mehrere Opfer der "Colonia" vertritt, dem ARD-Magazin FAKT:

Genau in dem Augenblick, als die Colonos dabei waren, die Vergangenheit aufzuarbeiten, kam Ewald Frank hierher und hat gesagt, nicht die Vergangenheit aufarbeiten! Und das ist ganz schlimm, weil man hier den Colonos beigebracht hat, an einem Abend, nach 45 Jahren Teufeleien, alles zu vergeben und am nächsten Morgen alle wieder aufzustehen, als wenn hier gar nichts gewesen wäre.

Winfried Hempel

Im Jahr 2005 erhielt Frank ein mehrjähriges Einreiseverbot in Chile. Auch in Krefeld drängte er ehemalige "Colonia"-Bewohner, die nach Krefeld gekommen waren, über die Geschehnisse in Chile zu schweigen. So sagte die ehemalige Bewohnerin Gudrun Müller, Frank habe von ihr verlangt zu schweigen, als sie ihm von schlimmen Erfahrungen mit Sektenarzt Hopp berichtet habe. Seine Begründung sei gewesen:

Weil das Brüder und Schwestern sind. Und die zeigt man nicht an.

Gudrun Müller

Die "Freie Volksmission Krefeld" wollte sich FAKT gegenüber nicht äußern.

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2017, 09:54 Uhr

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