Fipronil-Skandal Belgische Firma kaufte schon 2016 Pflanzengift

Das Pflanzengift Fipronil wird offenbar schon seit längerer Zeit von Firmen in Belgien bei der Reinigung von Geflügelställen verwendet. Das haben Recherchen des ARD-Magazins FAKT ergeben. Der belgische Parlamentsabgeordnete Jean Marc Nollet präsentierte bei einem Gespräch mit FAKT ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass eine Firma in Belgien das verbotene Produkt bereits im Mai 2016 in großen Mengen gekauft hat. "Es ist also mehr als ein Jahr her, dass dieses Produkt - und zwar 3.000 Liter - nach Belgien eingeführt worden ist", sagte der Politiker der belgischen Grünen.

Der Fipronil-Skandal war Ende Juli aufgeflogen, als bekannt wurde, dass die niederländische Firma Chickfriend das Gift in Reinigungsmittel gemischt hat. Das Unternehmen bietet Reinigungsarbeiten in Legehennen-Ställen an. Das Fipronil bezog es offenbar aus Belgien.

Durch die mit Fipronil gemischten Reinigungsmittel wurden Millionen Eier kontaminiert. In Deutschland geht das Bundesagrarministerium von rund 10,7 Millionen kontaminierten Eiern aus. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hält diese Zahl für zu niedrig. Allein in seinem Bundesland seien mehr als drei Mal so viele Eier gelandet.

Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) spricht am 16.08.2017 im Landtag in Hannover (Niedersachsen) vor den Abgeordneten.
Christian Meyer Bildrechte: dpa

Deshalb gehen wir davon aus, dass das Ausmaß der belasteten Eier deutlich größer ist als vom Bundesminister immer genannt.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer

Nach Schätzungen der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch waren etwa 20 bis 25 Prozent der niederländischen Eierproduzenten Kunden der Firma Chickfriend. Derzeit gebe es in den Niederlanden rund 920 Eierproduzenten, die zusammen jährlich elf Milliarden Eier lieferten, sagte Corinne Cornelisse von Foodwatch. 4,8 Milliarden Eier würden pro Jahr aus den Niederlanden nach Deutschland exportiert.

Niedersachsens Agrarminister Meyer fordert Aufklärung, seit wann Fipronil-belastete Eier schon im Handel gewesen sein könnten.

Die Frage ist ja, wie schon dieses Unternehmen diesen Stoff dort hineingesetzt hat. Es kann sich durchaus um mehrere Jahre handeln.

Christian Meyer

Der belgische Parlamentarier Nollet sieht den Skandal auch als Beleg dafür, dass das EU-weite Kontrollsystem versagt hat. Das System der Kontrolle und des Informationsaustausches habe nicht funktioniert, sagte er. Es gebe ein enormes Risiko, "dass Produkte auf die Märkte gelangen, die nicht für den Verzehr geeignet sind". Das System sei gescheitert.

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2017, 12:50 Uhr

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