Trotz Warnung von Sicherheitsbehörden Beratungsstelle kooperierte mit umstrittenem Imam

Die Berliner Beratungsstelle für Aussteiger aus der islamistischen Szene "Hayat" hat mit einem Imam zusammengearbeitet, vor dem Sicherheitsbehörden schon vor Jahren gewarnt haben. Bei dem Imam handelt es sich um den im April dieses Jahres in Spanien festgenommenen Abu Adam, der lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Die spanischen Behörden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts der Zugehörigkeit zur Terrororganisation IS, Verherrlichung von deren Propaganda und Erleichterung der Rückkehr von IS-Terroristen aus Syrien und dem Irak, indem er sie mit Geld und falschen Papieren versorgt haben soll. In Deutschland hatte der Mann mit einem Deradikalisierungsprogramm für islamistische Jugendliche auf sich aufmerksam gemacht.

Der Münchner Imam Abu Adam, aufgenommen am 17.05.2011 nach einem Gerichtsprozess in München.
Imam Abu Adam im Jahr 2011 in München Bildrechte: dpa

Nach Einschätzung des bayerischen Verfassungsschutzes ist Adam Salafist und erzkonservativer islamischer Theologe  - und daher kaum geeignet, junge Leute von radikalen Ideen abzubringen. Auch wenn er sich nach außen hin von Gewalt distanziere, habe er sich in seinen Predigten in der Münchner Darul-Quran-Moschee häufig salafistisch geäußert, sagte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Burkhard Körner, dem ARD-Magazin FAKT. Er habe die Zuhörer immer wieder zu Distanz gegenüber Christen, der jüdischen Gemeinschaft und der westlichen Gesellschaft insgesamt aufgefordert - den aus seiner Sicht "Ungläubigen".

Trotzdem sieht die Organisation "Hayat" das Wirken von Abu Adam, der 2014 von Deutschland nach Spanien übersiedelte, positiv. Ihn qualifiziere unter anderem, dass er "weiß, wie Radikalisierung bei Jugendlichen funktioniert", sagte "Hayat"-Leiterin Claudia Dantschke dem ARD-Magazin FAKT. Als konservativer islamischer Theologe macht Abu Adam für sich geltend, einen besonderen Zugang zu fanatisierten Jugendlichen zu haben und sie davon abhalten zu können, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. "Er weiß, dass es es dabei oft gar nicht um Religion geht, sondern um Lebensgestaltung, Anerkennung, Orientierung. Die Jugendlichen haben irgendwelche Negativerlebnisse in der Familie. Er weiß, ich muss hier erstmal mi tden Jugendlichen in einen vertrauensvollen Kontakt kommen", so Dantschke.

Auch in Spanien hat Adam Jugendliche aus Deutschland in seinem Programm betreut. Allerdings ist diese Betreuung nach FAKT-Recherchen fragwürdig. So berichtete ein junger Mann, den „Hayat“ im Herbst 2014 zu Abu Adam nach Spanien vermittelt hatte, von falschen Versprechungen des Imams. Statt wie geplant in dessen Haus zu leben, sei er von Adam in einer heruntergekommenen Wohnung untergebracht worden und oft auf sich allein gestellt gewesen.

Über Facebook hat er manchmal eine Woche oder länger gebraucht um zu antworten. Dann hat er immer Ausreden gesucht, dass wir es nicht wert sind. Bis auf den ersten Monat, wo der Kontakt noch eng war, denke ich mal, waren das insgesamt so fünf, sechs Kontakte in einem Jahr.

Jugendlicher Teilnehmer des Programms von Abu Adam

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das die Arbeit von "Hayat" finanziell fördert, warnte die Organisation allerdings Anfang 2015 vor dem Imam. Es halte Abu Adam "für einen nicht geeigneten Kooperationspartner in der Beratung islamistisch radikalisierter Personen", so die Behörde. Trotz dieser Einschätzung hielt "Hayat" an dem Mann fest.

Die Islamismus-Expertin Susanne Schröter vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam hält die Unterstützung für Abu Adam durch "Hayat" für "blauäugig". Man habe offenbar grenzenloses Vertrauen in den Imam gesetzt "und hat es vollständig unterlassen, auch zu prüfen, was da eigentlich passiert", sagte die Professorin, die auch Mitglied im Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus ist. Gerade von einer Nichtregierungsorganisation mit einem guten Namen wie "Hayat" sei eigentlich zu erwarten, "dass man versucht, die Fäden auch in der Hand zu behalten und zu schauen, ob tatsächlich auch das passiert, was man erwartet".

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 09:40 Uhr

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