Münchner Attentat im Juli 2016 Zollermittler hatte möglicherweise Hinweis auf Attentatspläne

Ein Ermittler des Zollkriminalamtes hatte möglicherweise Hinweise auf die Pläne des Attentäters vom Münchener Olympia Einkaufszentrum Ali David Sonboly. Nach Recherchen des ARD-Magazins FAKT hatte der Ermittler im Darknet Kontakt zum späteren Attentäter, als dieser versuchte, sich eine Pistole zu beschaffen. Sonboly hatte den Ermittler am 24. Juli 2015 in einem Chat gefragt, ob dieser an eine Glock 17 mit zwei Magazinen und 150 Schuss Munition "rankommen" könne. Der Ermittler agierte zu diesem Zeitpunkt unter dem Pseudonym eines im Darknet als zuverlässiger Waffenlieferant bekannten Mannes.

Am Rande einer Presse-Veranstaltung am 27.07.2016 in der Zentrale des BKA in Wiesbaden (Hessen) zeigt ein Beamter eine Pistole vom Typ "Glock 17". Mit einer Waffe gleichen Typs hatte der Amokläufer in München geschossen.
Eine Glock 17 Bildrechte: dpa

Der Pistolentyp Glock 17 hatte zu diesem Zeitpunkt bereits traurige Berühmtheit erlangt: Eine solche Waffe hatte der Norweger Anders Behring Breivik am 22. Juli 2011 bei seinen Attentaten in Oslo und auf der Insel Utoya benutzt, bei denen er insgesamt 77 Menschen ermordete. Diese Waffe werde in der Darknet-Szene maßgeblich mit dem Mordanschlag von Breivik verbunden, sagte der Rechtsanwalt Yavuz Narin dem ARD-Magazin FAKT. Narin vertritt Nebenkläger im Prozess gegen den späteren Waffenlieferanten von Sonboly, Philip K. aus Marburg. Nach seiner Einschätzung hätte der Ermittler bei der Anfrage nach diesem bestimmten Pistolentyp aufmerksam werden müssen.

Wenn die Ermittler mit dem späteren Täter tatsächlich Kontakt gehabt hätten, wofür sehr vieles spricht nach jetziger Aktenlage, dann würde das bedeuten, dass die Ermittler sehenden Auges hier geschehen lassen haben, dass in München neun Menschen ermordet werden und nicht früher eingeschritten sind.

Yavuz Narin
Der Angeklagte Philipp K. (M) sitzt in München (Bayern) zusammen mit seinen Anwälten David Mühlberger (l) und Sascha Marks im Landgericht im Verhandlungssaal.
Der mutmaßliche Waffenlieferant Philipp K. im Prozess gegen ihn am Landgericht München. Bildrechte: dpa

Sonboly hatte im Juli 2016 - am fünften Jahrestag des Breivik-Attentats - am Münchner Olympia Einkaufszentrum neun Menschen und dann sich selbst erschossen. Seine Mordwaffe soll er von Philip K. gekauft haben, der seit Ende August wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung vor Gericht steht.

Ein Zeuge in dem Prozess, der intime Einblicke in das Waffenforum im Darknet hatte, ist sich sicher, dass die Ermittler den Täter hätten stoppen können - wenn sie die Anfrage nach der Glock 17 als Hinweis auf mögliche Anschlagspläne gewertet hätten. Der Zeuge hat deshalb die Ermittler wegen Strafvereitelung im Amt angezeigt. Ob die Beamten die Gefahr aber tatsächlich erkannt haben, ist bislang unklar. Die Akten zu dem Vorgang liegen dem Gericht noch nicht vor.

Hinweise darauf, welche Waffe Sonboly bei seinem Anschlag benutzen wollte, hatte offenbar auch eine Freundin von ihm, Svenia G. In Gesprächen habe Sonboly immer wieder genau erklärt, wie er Menschen umbringen wolle, sagte sie FAKT. Und er habe gesagt, "mit welcher Waffe man das am besten machen könnte".

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 23:01 Uhr

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